Hospiz „Mutter Teresa“

Mit Düften und Aromen erleichtert sie die letzte Lebensphase

Julika Renkes versteht sich auf Aromatherapie, ihr Lieblingsduft: Rosen. Seit 2016 nutzt sie ihr Wissen im Hospiz „Mutter Teresa“ in Letmathe.

Julika Renkes versteht sich auf Aromatherapie, ihr Lieblingsduft: Rosen. Seit 2016 nutzt sie ihr Wissen im Hospiz „Mutter Teresa“ in Letmathe.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe/Schalksmühle.  Julika Renkes kennt die Wirkung natürlicher Aromen und Düfte. Damit hilft sie ehrenamtlich im Hospiz „Mutter Teresa“.

Liebe geht durch den Magen, sagt ein Sprichwort. Für Julika Renkes, die den Duft von Rosen liebt, ist die Nase mindestens ebenso wichtig. „Melisse und Lavendel lassen uns entspannen, der Geruch frisch gebackener Waffeln vermittelt Geborgenheit“, nennt die 54-Jährige Beispiele für die Wirkung verschiedener Düfte. Nach einer Ausbildung als Arzthelferin hat sie die Alternative Medizin für sich entdeckt und sich unter anderem auf dem Gebiet der Aromatherapie fortgebildet. Diese Kenntnisse nutzt sie nicht nur beruflich, sondern auch für ihr Ehrenamt im Hospiz „Mutter Teresa“. Dort sorgt sie für wohltuende Gerüche und vermittelt ihr Wissen an andere ehrenamtliche Helfer: Wie man Öle mischt, mit einem Wasserdampf-Diffusor in der Luft verbreitet oder auf der Haut einmassiert.

Ihre Mutter war der zweiteGast im neu gebauten Hospiz

Julika Renkes stammt aus Iserlohn, aufgewachsen ist sie unter anderem in Sümmern. „Ich bin viel umgezogen in meinem Leben, auch in Köln habe ich mal gelebt“, berichtet die Mutter von drei Söhnen. Die Liebe hat sie zuletzt nach Schalksmühle geführt, wo sie heute mit ihrem Ehemann und Labrador-Rüde „Leo“ lebt. Ihr Ehrenamt ist eng mit ihrer Lebensgeschichte verwoben: „Im September 2015 ist meine Mutter im Hospiz gestorben. Ich ahnte schon bei der ersten Krebsdiagnose, dass sie nicht mehr viel Zeit haben würde“, erinnert sie sich. Nachdem ihre Mutter zunächst auf der Palliativstation des Krankenhauses in Altena gelegen hatte, bekam sie einen Platz in Letmathe.

Das habe sich als genau die richtige Entscheidung herausgestellt, obwohl sie selbst damals keine rechte Vorstellung von solchen Einrichtungen hatte. „Das ,Mutter Teresa’ war damals noch ganz neu, meine Mutter war der zweite Gast“, berichtet Julika Renkes. Obwohl ihre Mutter schon mit dem Älterwerden Probleme gehabt habe, sei sie stolz, wie gut sich diese schließlich mit ihrem Schicksal arrangiert habe: „Im Hospiz hatten mein Bruder und ich dann noch zweieinhalb Wochen mit ihr. Das war eine unglaublich bereichernde Zeit. Man kann dort lachen und weinen, und man wird aufgefangen.“ Als ihre Mutter mit 73 Jahren starb, saß sie neben ihr. „Das war wunderschön“, sagt sie heute.

Fester Glaube an einen Teil, der unsterblich ist

Es war eine Zeit, in der sich Julika Renkes intensiv mit dem Tod auseinandersetzte. Zum Teil aus Notwendigkeit, denn binnen eines Jahres verlor sie außerdem ihre Schwiegereltern und eine weitere Verwandte. Aber auch aus Interesse: „Die Frage, was danach kommt, hat mich schon immer fasziniert, inzwischen habe ich viele Bücher darüber gelesen. Ich selbst glaube nur an den physischen Tod“, erklärt die 54-Jährige, die eine katholische Erziehung genossen hat, sich auf den christlichen Glauben in ihrer Weltsicht aber nicht einschränken lassen will: „Ich Glaube an Gott und Jesus Christus, aber ich mache meine Überzeugung nicht nur daran fest.“

Sie glaube in jedem Fall fest an etwas, das viele „Seele“ nennen und dass die spirituelle Welt die physische Wirklichkeit durchdringe. „Ich spüre die Energie, wenn jemand seinen Körper verlässt“, versucht sie ihre Empfindung beim Tod anderer Menschen zu beschreiben. Vom „Mutter Teresa“ wollte sie damals nicht endgültig Abschied nehmen, berichtet sie: „Das Hospiz hat mich magisch angezogen.

Seit 2016 zählt Julika Renkes zum Team der ehrenamtlichen Helfer. „Das ist eine Herzenssache für mich“, betont sie. Jeder bringe sich auf seine Weise ein, auf Fachkenntnis komme es nicht an. „Die Hand halten und lächeln ist oft schon genug. Das ist für beide Seiten bereichernd. Man merkt dabei erst, was das Leben wert ist.“ Sie nutze ihre Zeit dort gern, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, aber nicht immer laufe es auf tiefgründige Themen oder viele Worte hinaus. Kleine Gesten könnten große Wirkung entfalten: „Wenn ich mal Waffeln backe, freuen sich die Gäste über den Geruch und ein Puderzuckerherz – selbst dann, wenn sie keinen Appetit mehr haben.“

In der Regel bräuchten Angehörige ebenso Begleitung wie die Sterbenden. „Denen fällt es oft sogar schwerer, loszulassen“, hat sie gelernt. „Akzeptanz ist wichtig, sonst kämpft man bis zuletzt gegen das Unausweichliche an“, ist sie überzeugt. Eine große Rolle spiele dabei, ob man mit sich selbst im Reinen ist.

Hand halten, bei Konfliktenvermitteln, Lächeln schenken

Das sei unterm Strich auch wichtiger als das Alter. Julika Renkes hat ebenso jüngere Menschen begleitet, die ihrer Situation mit bewundernswerter Fassung entgegen getreten sind wie ältere, die noch auf dem Sterbebett Konflikte mit Angehörigen austrugen. „Ich erinnere mich an einen Mann, der stand kurz vor dem Ende und war immer noch mit seiner Tochter zerstritten. Sie stand weinend vor mir und wollte Frieden mit ihrem Vater schließen, aber er wollte sie nicht sehen“, berichtet die 54-Jährige. Sie habe dem Mann dann nach Kräften gut zugeredet und argumentiert, dass er selbst nichts mehr zu verlieren habe, während seine Tochter den Streit den Rest ihres Lebens mit sich herumtragen müsse. „Am Ende durfte sie dann ins Zimmer. Als es vorbei war, kam sie zu mir und bedankte sich. Das hat mich tief berührt.“

Julika Renkes hilft im Hospiz auch bei Pflegetätigkeiten, da sie berufsbedingt erfahren ist und keine Berührungsängste kennt. Es sei aber auch völlig in Ordnung, dass es sich nicht jeder zutraut, bei einem Sterbendem am Bett zu sitzen, manche Ehrenamtliche seien daher nur im Außendienst tätig. Ihr Engagement versteht Julika Renkes nicht als Selbstlosigkeit: „Das Hospiz ist ein Ort, an dem man unheimlich viel über sich selbst lernen kann.“ Zum Beispiel, wie wichtig es ist, dass man auf eine elementare Frage eine Antwort findet: Welchen Sinn hat mein eigenes Leben für mich? Gerade jetzt, in der Corona-Krise.

„Teilweise spaltet die Krise die Gesellschaft, für viele ist es eine große Herausforderung, nicht mehr planen zu können. Und für viele ist es schlichtweg die Angst, dass sie an einer Infektion sterben könnten.“ Man sei gut beraten, sich in diesen Tagen darauf zu besinnen, was wirklich zählt. „Ich rege mich schon lange über viele Kleinigkeiten nicht mehr auf“, sagt die 54-Jährige. Dinge nicht auf morgen zu verschieben, ist ihr in Fleisch und Blut übergegangen, denn sie weiß genau, wie wichtig jeder einzelne Tag ist: „Was zählt, ist jetzt und heute.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben