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Homeoffice in Dröschede: Karl Lagerfeld und „doofes Corona“

Ein Blick ins Büro – zumindest, so lange Corona zum Homeoffice zwingt: Jennifer Hülser aus Dröschede mit ihren drei Söhnen.

Ein Blick ins Büro – zumindest, so lange Corona zum Homeoffice zwingt: Jennifer Hülser aus Dröschede mit ihren drei Söhnen.

Foto: Privat

Dröschede.  Jennifer Hülser macht Homeoffice – und führt ein höchst unterhaltsames Online-Tagebuch darüber

„Durchatmen. Tief durchatmen. Ein und aus, ein und aus. Kind drei hat Kind zwei ein Spielzeugauto auf den Kopf gehauen. Er sollte wach werden. Kind drei fand dies eine super Idee. Kind zwei weniger und sitzt nun heulend mit einer Beule am Kopf im Bett. Ich atme. Es ist 6 Uhr“, notiert Jennifer Hülser. Uff. Tag zwei im Homeoffice. Das kann ja heiter werden. Und das ist wörtlich zu verstehen.

"Wir schaffen das schon!"
"Wir schaffen das schon!"

Jennifer Hülser, 39, Mutter von drei Söhnen, ist einer von vielen Menschen, den das unsägliche Coronavirus dieser Tage zur Heimarbeit verdonnert hat. Anders als die meisten allerdings führt sie darüber ein Tagebuch. Und zwar ein ausgesprochen unterhaltsames. Online. Bei Facebook (dort „Jenni Hülser“ suchen).

„Im Schlafanzug mit Kaffee in der Hand starte ich den ersten Versuch ins System des Homeoffice zu kommen, keine Chance, Systeme überlastet. Gut, führe ich also erstmal wieder die Diskussion, warum man morgens um 7 Uhr noch keine Süßigkeiten essen sollte und zwinge die Kinder, O-Ton, ,ekeliges Brot’ zu essen“, schreibt sie weiter. Immerhin: Bürodienst heißt jetzt Jogginghose und Schlabberpulli. „Sorry, Karl Lagerfeld. Ja, ich habe die Kontrolle über mein Leben verloren“, wird sie später schreiben.

Der Anlass, ein Online-Tagebuch zu führen, lässt sich erahnen, wenn man in diesen einen Tag zurückblickt. Tag eins im Homeoffice: „Die Schulen und Kitas sind seit heute geschlossen, und wir müssen uns für die nächsten fünf, ja genau, fünf Wochen arrangieren. Puh, okay, immer mit der Ruhe, das wird schon. Es ist 6.34 Uhr, und Kind zwei, 9 Jahre alt, und Kind drei, in zwei Tagen 4 Jahre, ist es jetzt schon langweilig.“

„Es geht mir ja nicht alleine so“, sagt Jennifer Hülser, angesprochen auf ihr Tagebuch ,etwas später.

Eigentlich hatte sie die Texte zunächst eher zur eigenen Unterhaltung notiert – die 39-Jährige schreibt Theaterstücke für Laienspielgruppen und spielt selbst bei „Pätchwork“ – und sie außerdem an ihre Schwester geschickt. „Die fand die Texte witzig und meinte, ich solle sie doch veröffentlichen.“ Gesagt, getan, mittlerweile umfasst das Tagebuch zehn Einträge. Die Ideen dürften ihr nicht ausgehen, immerhin erlebt sie wie fast alle aktuell aufgrund von Corona Dinge, die man zuvor noch nicht erlebt hat. Und eigentlich nie erleben wollte.

Job und Schule parallel in der heimischen Küche

Die Söhne Marten (4), Aaron (9) und Jannick (16) – waren während ihrer Arbeitszeit im öffentlichen Dienst bis auf den ältesten in Kita oder OGS-Betreuung. Nun finden Job und Schule mehr oder minder parallel in der heimischen Küche statt. „Von der Schule kommen Arbeitsblätter. Ich weiß nicht, wann wir das machen sollen. Versuchen Sie mal, drei Kinder für vier Stunden mit Mathe und Deutsch an einen Tisch zu setzen.“ Oder was vorzulesen. Oder ein Brot zu schmieren. Einen Streit zu schlichten. Parallel zu arbeiten – und dann kommt auch noch Kind drei, um zu verkünden, dass es sein „Geschäft“ soeben erfolgreich verrichtet hat.

Vor allem für den kleinen Marten ist der fehlende Kontakt mit anderen Kindern aber schwer, auch wenn er schon versteht, wieso. „Mama, wir dürfen nicht raus wegen dem doofen Corona“, sagt er einmal. Die Kinder in der Siedlung der Familie unterhalten sich aktuell eher über den Gartenzaun hinweg, dort, wo früher kleine Gruppen bis zu 15 Jung-Dröschedern durch die Spielstraße zogen, wie Jennifer Hülser erzählt. „Ausgang“ hat hier derzeit nur ihr Mann, der beruflich viel unterwegs ist.

Verkraften lässt sich all das am besten mit Humor. „Als der Mann am Nachmittag nach Hause kommt, habe ich bereits den zweiten Nervenzusammenbruch hinter mir und hacke wie wild aufs Unkraut ein. Alles wird gut Schaka.“

Es gibt aber auch ernste Töne auf Jennifer Hülsers Facebook-Seite: „Wir müssen alle gemeinsam auf Abstand gehen und trotzdem zusammenhalten, um diese Krise zu überstehen, es gibt viele Menschen, Firmen und Familien, die dieser Tage um ihre Existenz bangen, keiner weiß, ob und wie wir die Lage in den Griff bekommen.“ Und natürlich sei das Tagebuch nicht eins zu eins die Realität. „Ich schreibe gerne, und es ist gerade für viele Mütter eine Extremsituation am Rande des Machbaren. Ich möchte euch einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubern, ohne den Respekt vor jedem Einzelnen zu verlieren, der jeden Tag in dieser Krise sein Bestes gibt.“

Nach dieser Zeit, sagt sie, „bin ich mit Sicherheit urlaubsreif“. Eine Idee für die aktuell stark geforderte Regierung hat sie auch noch: „Ich bin dafür, dass jede Mutter dann eine Wellness-Woche verordnet bekommt.“

Ein Video zu Thema finden Sie auf Facebook unter IKZ-Online.

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