Marienhospital

In Letmathe enden 146 Jahre Krankenhausgeschichte

Ab dem 1. November ist es weg. Die Plakate mit der Aufschrift „Hände weg von unserem Marienhospital“ sind stumme Zeugen aus der Zeit des lauten Protests. Was das Frühjahr bringt, weiß derzeit niemand.

Ab dem 1. November ist es weg. Die Plakate mit der Aufschrift „Hände weg von unserem Marienhospital“ sind stumme Zeugen aus der Zeit des lauten Protests. Was das Frühjahr bringt, weiß derzeit niemand.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Im Marienhospital wird am Abend des 31. Oktober der Schlüssel herumgedreht – ein Abschiedsbesuch.

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Die Oktobersonne hat sich noch einmal herausgewagt an diesem Vormittag und verleiht dem Marienhospital einen warmen Glanz. Der Briefträger hat sich trotzdem warm angezogen, denn auf dem Thermometer ist es schon November. Der Stapel fürs Krankenhaus ist nicht kleiner als sonst. Die letzte Post? Der Gelbuniformierte schüttelt den Kopf: „In den nächsten Wochen geht das auf jeden Fall noch weiter.“

Der Protest ist verstummt, Gefühle sind noch im Bauch

Hinter den Glastüren hängen noch die Protestplakate. „Hände weg von unserem Marienhospital“, steht dort mit schwarzem Filzstift geschrieben. Die Hände sind bildlich dargestellt, jemand hat seine Handflächen in rote Farbe getaucht und sie aufs Plakat gedrückt. Getrocknetes Blut sieht anders aus, diese Abdrücke sind eher magentafarben. Die Assoziation ist trotzdem deutlich und erinnert an die Zeit, als sich die Wut von Mitarbeitern, Patienten und Bürgern bei öffentlichen Kundgebungen kanalisierte.

Heute ist es ruhig. Die meisten Betten sind leer, viele Patienten werden hinter diesen Mauern nicht mehr behandelt. Zu den letzten zählt ein älterer Herr, der von seinem Sohn abgeholt wird. Bei ihm ist der Ärger noch spürbar, als Schmerzpatient fühlt er sich in besonderem Maße von der Schließung betroffen. „Man bekommt hier keine Informationen, unfreundlich waren die auch noch“, schimpft er.

Der Empfang ist noch besetzt. Die Mitarbeiterin am Tresen ist durchaus freundlich, wenngleich gefasst. Auf die augenscheinliche Ruhe angesprochen, versichert sie, die Mannschaft sei noch da und habe genug zu tun: „Wir müssen ja noch aufräumen hier.“ Sie wirkt ein wenig befangen, als wäre ihr bei jedem Handgriff bewusst, dass sie ab November nie wieder hier ihren Dienst tun wird. Und dann? „Ich gehe nach Lüdenscheid“, erklärt sie und outet sich damit als Teil der vermutlich überschaubaren Gruppe, die das Übernahmeangebot der Märkischen Kliniken annehmen.

Die Belegschaft will sich heute Mittag ein letztes Mal in der vertrauten Umgebung zusammensetzen. Manche werden weiter Kollegen bleiben, die meisten wohl im Klinikum Lüdenscheid oder, im Fall der Schmerzambulanz, in der Sportklinik Hellersen. Andere verteilen sich über die übrigen Krankenhäuser im Umkreis: Iserlohn, Hagen, Hemer.

Fürs Quartier birgt das neue Jahr vor allem Ungewissheit

Von außen betrachtet ist das Marienhospital noch ein genau so fester Bestandteil von Letmathe wie die Lenne oder der Kiliansdom. Auf den Schildern steht es geschrieben und wer hier an der Hagener Straße steht, rechnet unwillkürlich damit, dass jederzeit ein Rettungswagen mit Blaulicht vorbeifährt. Tatsächlich wird sich ab 1. November nicht alles ändern, ein Zentrum für medizinische Angebote in irgendeiner Form dürfte der Standort bleiben. Das Seniorenheim und die Dialyse sollen auf jeden Fall Bestand haben, alles andere – bleibt abzuwarten.

In den nächsten Monaten wird viel geplant, diskutiert, verhandelt, gerechnet und abgestimmt werden. Nicht nur das Grundstück im Besitz der katholischen Kirchengemeinde, das ganze Quartiert rückt in den Fokus der Stadtplaner. Das Laub liegt schon in Haufen auf dem Boden, der Winter soll hart werden. Was bleibt, ist die Hoffnung auf Antworten, vielleicht im Frühjahr? Das steht immerhin für Neuanfänge, Aufbruch und neues Leben.

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