Heimart

Bernhard Laß schärft den Fokus fürs Wesentliche

Bernhard Laß (HeimArt)

Bernhard Laß (HeimArt)

Foto: Michael May / IKZ

Roden/Witten.  Bernhard Laß stellt ab 1. November gesellschaftskritische Fotos in der Erlöserkirche Witten-Annen aus.

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„Letzte Tage – Als ginge es um Leben und Tod“ nennt Bernhard Laß seine Foto-Ausstellung, deren Bilder er nächste Woche aufbaut: die konsum- und gesellschaftskritischen Bilder seiner Streifzüge durch Einkaufsstraßen verschiedener Metropolen einerseits, und von Begegnungen mit Menschen am Ende ihres Lebens.

Er zeigt sie ab Freitag, 1. November, in der Evangelischen Erlöserkirche Witten-Annen. Die Eröffnung um 18 Uhr ist mit einem Gottesdienst verbunden, in dem der Pfarrer im Ruhestand den Blick schärfen will auf die Wahrnehmung und die Wertschätzung dessen, was wirklich wichtig ist.

Aufnahmen von Schnäppchenjägern und pseudo-hippen Werbebotschaften für Mode und Luxusartikel in Schaufenstern von Konsumtempeln stellt er dokumentarische Foto-Porträts und Interviews von Menschen aus dem Letmather Hospiz „Mutter Teresa“ gegenüber, die unverblümt ausdrücken, was ihnen auf der letzten Etappe des Lebens wirklich wichtig ist.

Der Diplom-Theologe Bernhard Laß, der zuletzt als Dozent am Pädagogischen Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen in Schwerte Villigst tätig war, fotografierte Schaufenster mit kirchlichem Bezug: „Fashion Church“, „Designer Christmas“, „Weihnachtsträume gehen in Erfüllung“ oder „Thank God I’m a Woman“ lauten die Werbebotschaften für Mode, Parfüm und Dessous mit dem Hinweis „Last days – Sale in Store“. „Shoppen nimmt immer mehr religiöse Züge an“, weiß der , der sich bei dieser über drei Jahre gesammelten Fotoserie mit dem Kaufverhalten und der Werbung auseinandergesetzt hat. „So kämen die meisten Menschen bei dem Titel der Ausstellung Letzte Tage wohl eher auf den Gedanken des Sterbens und des Todes, vielleicht sogar auf das ‘Letzte Gericht’ oder den ‘Jüngsten Tag’, aber ganz gewiss nicht sofort auf das Werbeangebot mit dem Hinweis: Verpass deine Chance nicht! Wenn du deine Wünsche nicht jetzt erfüllst, ist es vielleicht morgen schon zu spät! Du hast nur jetzt deine Chance, nutze sie!“

Laß entlarvt Strategien von Werbepsychologen

Bei seinen Schnappschüssen hielt er originelle Spiegelungen fest, etwa die Schaufensterdekoration mit Esels- oder Pferdekopf und einer Schlange auf der Schulter, der an den Sündenfall im Paradies erinnert. In seinen Fotos entlarvt Laß Strategien der Verkaufspsychologen und verbreitete Konsumgewohnheiten.

Der 1954 in Altena geborene Bernhard Laß fotografiert seit 30 Jahren, besonders gerne ästhetische Details, Natur, Menschen und Dokumentarisches. „Mit meinen Fotografien möchte ich nicht das Außergewöhnliche und Rare präsentieren, sondern ich versuche das fotografisch festzuhalten, was jeder sehen kann. Alles was man dazu benötigt, ist bewusst hinschauen“, erklärt er. „Vielleicht machen die Bilder Lust, sich neu der Schöpfung und darin uns Menschen zuzuwenden, sie zu entdecken und sich mit ihr als Einheit zu fühlen, den Spiegel vorgehalten zu bekommen, irritiert zu werden, sich zu erfreuen.“

Bernhard Laß präsentierte seine Fotos bereits in mehreren Einzelausstellungen mit den Themen „Viel schöner als Salomonis Seide“, „Den Himmel erden“, „Kreuze im Vorübergehen“, „Wenn Grabsteine sprechen“ und „Wasser des Lebens“ in verschiedenen Kirchen in Iserlohn, Roden, Lössel, Hemer, Lüdenscheid, Vlotho, Osterath und Münster, dem Berufskolleg des Märkischen Kreises und dem St.-Vinzenz-Krankenhaus in Altena.

Seine künstlerischen Neigungen setzte er auch in Objekten in Installationen um, die er in verschiedenen Ausstellungen zeigte: 1995 präsentierte er seine „Denkmalstraße“ zum Thema 50 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus in Iserlohn, Dortmund und Siegen; danach zur Jahrtausendwende sein Kunstprojekt „Engel 2000“ mit Künstlern aus dem Märkischen Kreis, dem Kreis Unna und Hagen in Iserlohn, Schwerte, Altena, Schloss Holte Stuckenbrok, Arnsberg und Neheim-Hüsten. 2005 zeigte er die Gemeinschaftsarbeit „Projekt Abendmahl“ mit überregionalen Künstlern in der Reformierten Kirche Iserlohn und in St. Viktor in Schwerte.

Die Foto-Ausstellung „Letzte Tage“ läuft vom 1. bis 20. November in der Evangelischen Erlöserkirche in Witten-Annen, Westfeldstraße 81, 58453 Witten.

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