Schadstoffe

An der Lenne stinkt es manchmal zum Himmel – was tun?

Verursachern von störenden oder gesundheitsschädlichen Abgasen ist nicht leicht auf die Schliche zu kommen (Symbolfoto).

Verursachern von störenden oder gesundheitsschädlichen Abgasen ist nicht leicht auf die Schliche zu kommen (Symbolfoto).

Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool

Letmathe.  Anwohner der Pillingser Höhe klagen über einen Gestank wie verbranntes Plastik. Verursacher solcher Immissionen sind nicht schwer zu ermitteln.

Kurz vor Beginn der Adventszeit liegen mancherorts schon liebliche Düfte in der Luft. Zu anderen Zeiten jedoch stinkt es an der Lenne zum Himmel – gelegentlich hat das so klar definierbare Ursachen wie den Brand im Oestricher Galvanikbetrieb Mevega Mitte November, als eine Absauganlage in Flammen stand. Auf der Pillingser Höhe stellt sich die Situation anders dar: Hier leiden Anwohner immer wieder unter üblen Gerüchen aus unbekannter Quelle.

„Es stinkt wie verbranntes Plastik. Manchmal ist es so schlimm, dass wir nach drinnen flüchten und die Luken dicht machen“, berichtet Elke Struck. Das sei nicht jeden Tag der Fall und auch die Tageszeiten würden schwanken. „Auf jeden Fall ist das auch schon spät abends vorgekommen. Wir haben dann Angst, uns schlafen zu legen bei der Vorstellung, dass man die ganze Nacht in dem Gestank liegt.“ Als körperliches Symptom im Zusammenhang mit den Gerüchen nennt Elke Struck starke Kopfschmerzen, ihre Sorge vor gesundheitlichen Folgen ist groß.

Hexion schließt eigenes Werkals Quelle des Gestanks aus

Ob die Abgase nur werktags in der Luft liegen oder auch an Wochenenden, kann sie nicht sicher sagen. Ein klares Ergebnis sei nicht herausgekommen bei dem Versuch, die Herkunft anhand der Windrichtung einzugrenzen, die Tendenz ist aber: von Süden. Als möglichen Verursacher hatte die Familie Struck das Chemiewerk von Hexion in Genna in Verdacht. Werksleiter Thomas Spieler erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir können ausschließen, dass es von uns kommt. Wir verbrennen hier kein Plastik oder irgendetwas, das so ähnlich riechen könnte.“ Die werkseigenen Abgase hätten eine völlig andere Qualität.

Mitarbeiter der betriebseigenen Feuerwehr, so berichten Anwohnerin und Werksleiter übereinstimmend, seien schon mehrfach auf der Pillingser Höhe gewesen, um dem Hinweis nachzugehen. Die Nasen der Experten seien zu dem selben Ergebnis gekommen: Es riecht wie verschmorter Kunststoff. Eine nähere Analyse liegt nicht vor, grundsätzlich rät Thomas Spieler davon ab, solche Gase einzuatmen.

Über mögliche Verursacher wollte der Werksleiter nicht spekulieren, auch auf eine gewerbliche Größenordnung sei der Befund nicht klar einzugrenzen. Bemühungen der Hexion-Feuerwehr, die Quelle durch Erkundungsfahrten aufzudecken, waren nicht von Erfolg gekrönt. Wer schon länger in Letmathe wohnt, erinnert sich im Zusammenhang mit schlechten Gerüchen an das Werk des Kunststoffherstellers Bakelite. „Das ist kein Vergleich, Bakelite war deutlich schlimmer“, findet Andrea Demuth, die ebenfalls auf der Pillingser Höhe lebt. Auch sie kennt den beißenden Geruch, nimmt ihn jedoch seltener wahr als ihre Nachbarin. Sie sagt aber auch: „In diesem Jahr ist das vermehrt vorgekommen. Am schlimmsten war es in den Sommermonaten. Einmal war es so stark, dass wir alle Fenster zugemacht haben.“

Die Stärke eines Geruchs ist objektiv schwer zu fassen, bei der Wahrnehmung spielt auch der Vergleich mit Gewohntem eine Rolle. Direkte Vergleiche mit früheren Jahrzehnten hinken oft: „Die Umweltauflagen haben sich genau so weiterentwickelt wie die Technologien“, bemerkt Thomas Spieler. Hexion habe es nur selten mit solchen Beschwerden zu tun – nicht öfter als einmal im Jahr, erklärt der Werksleiter.

Betroffene Anwohner sollten längerfristig Tagebuch führen

Offiziell zuständig ist die Stelle für Immissionsschutz, die beim Märkischen Kreis angesiedelt ist. Auf Anfrage erklärte Sprecherin Ulla Erkens, eine Mitarbeiterin sei in diesem Jahr drei Mal in Letmathe gewesen, habe dabei aber keine Gerüche feststellen können. „Wir raten Anwohnern, solche Gerüche über einen längeren Zeitraum hinweg zu dokumentieren und dabei auch Windrichtung und Witterungslage zu notieren.“ Solche Protokolle seien nicht selten entscheidend, um Verursacher zu identifizieren, was oft schwierig sei, aber durchaus immer wieder gelinge. Die Folge können dann Geldbußen und amtliche Auflagen sein.

Die meisten Beschwerden, die beim Immissionsschutz eingingen, hätten mit Landwirtschaft, Hausbränden, Kaminfeuern und Kraftfahrzeugen zu tun, erklärt Ulla Erkens. „Wir vereinbaren dann Ortstermine und versuchen erst einmal, die Relevanz der Gerüche einzuschätzen.“ Erst dann würde über das weitere Vorgehen im jeweiligen Fall entschieden.

Elke Struck hat bei ihrer Suche nach den Verantwortlichen auch schon Aufrufe auf Facebook gestartet – bislang ohne Erfolg. Zumindest bestätigen dort Nutzer aus verschiedenen Ortsteilen, einen solchen Gestank schon in der Nase gehabt zu haben, auch am Bahnhof soll es manchmal nach verbranntem Plastik riechen. Elke Struck bezweifelt unter Verweis auf die Intensität, dass hier nur Haushaltsabfälle in einem privaten Kamin verheizt werden. Sie hofft, dass das schwarze Schaf noch gefunden wird: „Es geht schließlich um unser aller Gesundheit“.

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