Gesundheit

Wo Menschen mit MS im Kreis Olpe Hilfe bekommen

Das Symbolbild zeigt eine Frau, die mit ihrem Kind am Rollator spazieren geht. Häufig müssen Menschen, die an Multiple Sklerose erkrankt sind, auf die Hilfe einer Gehhilfe zurückgreifen.

Das Symbolbild zeigt eine Frau, die mit ihrem Kind am Rollator spazieren geht. Häufig müssen Menschen, die an Multiple Sklerose erkrankt sind, auf die Hilfe einer Gehhilfe zurückgreifen.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Kreis Olpe.   Agnes S. leidet an Multipler Sklerose. Ihren Beruf musste sie aufgeben. Doch sie hat einen Weg gefunden, mit der Krankheit umzugehen

Sie dachte noch, das geht bestimmt wieder weg. Agnes S. (Name von der Redaktion geändert) erinnert sich noch gut an diesen Tag im Juni. Es war warm, die Sonne schien, die Familie saß draußen im Garten. Ihre Tochter hatte Geburtstag. Agnes S. rieb sich immer wieder das Auge. Irgendwie konnte sie nicht richtig sehen, es war, als hätte sich ein Schleier über ihre Pupille gelegt. Zu dem Zeitpunkt war ihr nicht klar, dass der Besuch beim Augenarzt erst der Anfang sein sollte.

Ein langer Weg

Es ist das Jahr 2011. Agnes S. fühlt sich eigentlich gesund. Die gelegentlichen Probleme beim Laufen, die Schmerzen im Rücken ignoriert sie. Schließlich haben die Besuche beim Orthopäden der vergangenen Jahre nichts allzu Schlimmes ergeben. Mal wurde ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert, mal eine Rückenmarksentzündung. Also kein Grund zur Sorge. Dachte sie.

Doch die Probleme mit den Augen wollten einfach nicht besser werden. Agnes S. ging zum Augenarzt. Dieser konnte aber nichts finden, schickte sie in ein Krankenhaus. Ob sie noch andere Probleme hätte, fragte man sie dort. Agnes S. erzählte von ihren Ausfällen in der linken Seite. Ein MRT wurde gemacht. Mal wieder. „Das Ergebnis hatte den Ärzten nicht gefallen“, erinnert sich Agnes S.

Zwei Tage später war sie wieder in der Klinik. Dieses Mal saß ihr ein Neurologe gegenüber. Er blätterte in ihrer Akte, schaute sich das MRT an. Dann die Diagnose. Multiple Sklerose. Oder kurz MS. „Das hat mir erstmal die Schuhe ausgezogen“, weiß die 56-Jährige noch.

Eine Schwester kam zu ihr. Sie erklärte ihr, was es überhaupt mit dieser Krankheit auf sich hat. Dass es sich um eine Entzündung im zentralen Nervensystem handelt. Dass es zu Problemen beim Laufen und Sehen kommen kann. Agnes S. wusste das schon. Natürlich stand der Verdacht damals schon immer wieder im Raum. Doch bislang hatten die Untersuchungen nichts dergleichen ergeben. Die Mutter aus dem Kreis Olpe weiß auch, dass die Krankheit im Rollstuhl enden kann. Vor zwei Jahren war diese Angst einmal besonders präsent. Kurz vor Weihnachten hatte sie einen schlimmen Schub. Das linke Bein konnte sie nicht mehr bewegen. „Trotz hoch dosiertem Cortison tat sich da einfach nichts“, weiß Agnes S. noch. Ein Jahr hat es gedauert, bis der Normalzustand wieder erreicht war.

Agnes S. möchte lieber nicht erkannt werden. Sie möchte kein Mitleid. Im Gegenteil. Sie will anderen Betroffenen Mut machen, ihnen zeigen, wie sie mit der Krankheit umgehen können – und wo sie Hilfe bekommen. Es war der Schritt in die Selbsthilfegruppe in Olpe, der ihr sehr viel gebracht hat, erzählt sie. „Hier kann ich mich austauschen“, betont sie. „Wir geben uns gegenseitig Tipps zum Beispiel mit Blick auf die vielen Medikamente, die es gibt.“

Agnes S. nimmt jeden Tag zwölf verschiedene Medikamente. Denn mittlerweile leidet sie auch an einer Schilddrüsenerkrankung und an Osteoporose. Ein Cannabis-Spray hilft ihr gut bei den Spastiken. Diese kommen häufig nachts. In den Händen, Fingern und auch in den Beinen. „Das schießt richtig ein“, versucht Agnes S. zu erklären, wie sich das anfühlt.

Heute geht es ihr ziemlich gut. Auch wenn sie ihren Beruf aufgeben musste. Ihren Rollator braucht sie nur ab und zu. Bei größeren Strecken oder wenn die Spastiken zunehmen. Sie macht verschiedene Therapien. Doch arbeiten kann sie nicht mehr. Ihre wöchentliche Routine besteht aus Krankengymnastik, Lymphdrainage, Ergotherapie und Rehasport. Einmal im Jahr geht sie für ein paar Tage in die MS-Ambulanz in der Klinik in Asbach. Ein intensives Training steht dort an, das der 56-Jährigen sehr hilft.

Doch ganz besonders viel Wert legt sie auf die Besuche in der Selbsthilfegruppe. Dort hat sie im Rahmen der Fachvorträge und den Gymnastik-Stunden viel gelernt. Bei den gemeinsamen Aktivitäten, wo es einfach mal nicht um die Krankheit geht, wo gequatscht und gelacht wird, hat Agnes S. Freunde gewonnen. So wie beispielsweise Britta K.

Hilfe durch Selbsthilfe

Britta K. (46) ist ein Mitglied in der Selbsthilfegruppe seit den ersten Stunden. Sie war noch sehr jung als sie die Diagnose bekam. Gerade 21. „Ich feiere quasi Silberhochzeit mit MS“, sagt sie scherzhaft. „Ich wollte damals erst gar nicht in die Selbsthilfegruppe. Ich dachte, ich bin bestimmt die jüngste und es würde nur über die Krankheit geredet. Aber so ist das gar nicht. Hier findet man immer einen Ansprechpartner.“ Genau wie Agnes S. lebt sie heute von Erwerbsminderungsrente. Mittlerweile hat sie sich ein Automatik-Auto zugelegt. Nur zur Sicherheit, wenn die Probleme in Beinen und Füßen wieder zunehmen, erklärt sie.

Multiple Sklerose ist kein einfaches Los. Das wissen beide Frauen. Der Alltag wird je nach Krankheitsschub zur Herausforderung. Mal fehlt die Kontrolle über die Beine, mal fällt alles aus der Hand, mal lässt sich nicht mal die Hose richtig schließen. Nicht umsonst wird MS auch die Krankheit mit den 1000 Gesichtern genannt, macht Britta K. deutlich.

Die Beine nicht mehr bewegen zu können, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein – das wäre das Schlimmste für Britta K. Doch selbst dann wüsste sie: In der MS-Selbsthilfegruppe wird jedem geholfen. Egal mit welchem Beschwerdebild.

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