Sicherheit

Wie oft Fahranfänger im Kreis Olpe Unfälle bauen

Polizeihauptkommissar Michael Klein erklärt den Teilnehmern, worauf sie achten müssen

Polizeihauptkommissar Michael Klein erklärt den Teilnehmern, worauf sie achten müssen

Foto: Verena Hallermann / WP

Kreis Olpe.  Die Kreispolizei Olpe hat zur Aktion „Komm zurück“ eingeladen. Michael Klein erzählt, wie häufig junge Autofahrer in Unfälle verwickelt sind.

Um jungen Autofahrern ein Gefühl für den Straßenverkehr zu geben, hat die Kreispolizei zur Aktion „Komm zurück“ auf das Gelände des Verkehrssicherheitszentrums in Olpe auf der Griesemert eingeladen. Vier Tage lang haben Jugendliche unter der Leitung von Polizeihauptkommissar Michael Klein im Rahmen verschiedener Stationen den Ernstfall geübt. Im Interview erzählt der Polizist, wie belastend ein Verkehrsunfall insbesondere für junge Beteiligte sein kann.

Herr Klein, was genau steckt hinter der Aktion?

Michael Klein: Die viertägige Veranstaltung richtet sich an junge Fahrer, die noch über wenig Erfahrung und Fahrpraxis im Straßenverkehr verfügen, und die häufiger als andere Altersgruppen in Verkehrsunfälle verwickelt sind. Der Slogan „Komm zurück!“ gilt als Appell an die jungen Verkehrsteilnehmer, wieder gesund nach Hause zu kommen, wenn sie sich ans Steuer setzen. Die Aktion findet alle zwei Jahre statt.

Das heißt, die Aktion der Kreispolizei Olpe richtet sich an Schüler, die gerade ihren Mofa- oder Autoführerschein gemacht haben?

An jedem der vier Tage kommen verschiedene Teilnehmergruppen der weiterführenden Schulen im Kreis Olpe zum Veranstaltungsgelände. Über die Verkehrssicherheitsberater werden die weiterführenden Schulen angeschrieben, die anschließend entscheiden, welche Klassen die Veranstaltung besuchen dürfen. Die Resonanz war gut, wie in den vergangenen Jahren auch. Insgesamt haben zirka 600 Schüler teilgenommen. Die Nachfrage ist übrigens höher als die zur Verfügung stehenden Plätze.

Und wie genau läuft das ab?

Die Teilnehmer erhalten an mehreren Stationen auf dem Verkehrsübungsgelände wertvolle Tipps, wie sie sich sicher im Straßenverkehr verhalten können. Dazu gehören auch Vorführungen der Feuerwehr bzw. des DRK. Am Ende jedes Veranstaltungstages wird den jungen Fahranfängern eine fahrdynamische Übung präsentiert, bei dem die Inhalte der Veranstaltung noch einmal hautnah verdeutlicht werden. Zum Abschluss wird ein Gutschein für ein Fahrsicherheitstraining verlost.

Was sind das für Stationen? Welche Tipps haben Sie für junge Fahrer?

Die Feuerwehr erklärt an einer Station, mit welchen Maßnahmen sie im Falle eines Verkehrsunfalls vorgeht. Das Deutsche Rote Kreuz erklärt grundlegende Verhaltenshinweise nach einem Verkehrsunfall. Das fängt mit der Absicherung der Unfallstelle an und führt hin bis zur stabilen Seitenlage. Mit einem Gurtschlitten erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche Auswirkungen es hat, sich nicht anzuschnallen. In einem Überschlagsimulator wird praktisch gezeigt, wie sich Betroffene aus dem Auto befreien können. Das Straßenverkehrsamt und die Caritas Suchtberatung geben Informationen zum Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und den Konsequenzen. Letztlich dürfen die Gäste unter Zeitdruck einen Parcours fahren. Hier soll noch einmal verdeutlich werden, dass nicht die schnellste gefahrene Zeit wichtig ist, sondern am Ziel anzukommen.

Welche sind die häufigsten Fahranfängerfehler im Straßenverkehr?

Zwei zentrale Themen begleiten die jungen Menschen bis zum 25 Lebensjahr: Ablenkung und Geschwindigkeit.

Wie hoch ist der Anteil der Fahranfänger bei Unfällen im Kreis Olpe?

Etwa 15 Prozent aller Unfälle werden von der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen verursacht. Sie machen gleichzeitig aber nur 8,5 Prozent der Gesamtbevölkerung im Kreis Olpe aus.

Wie viele Unfälle mit Fahranfängern gab es im vergangenen Jahr?

Insgesamt verunglückten 2018 112 junge Erwachsene in der Altersgruppe. Dabei trugen 22 von ihnen schwere Verletzungen davon. Die Fallzahlen stagnieren seit Jahren insgesamt auf ähnlichem Niveau. Dabei geben die nackten Zahlen nur einen Wert vor, denn: Jeder Unfall ist einer zu viel.

Wie genau sieht Ihre Rolle bei der Aktion „Komm zurück“ aus und wie haben Sie die jungen Leute dieses Jahr erlebt?

Als Polizeibeamter unterstütze ich die Tätigkeit der Verkehrssicherheitsberater. Gleichzeitig bin ich bin ich seit vielen Jahren Fahrsicherheitstrainer im Verkehrssicherheitszentrum. Wir haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem Jahr sehr aufgeschlossen erlebt. Wir hatten das Gefühl, dass sehr viele sichtlich beeindruckt waren und wesentliche Botschaften für mehr Sicherheit mit in ihren Alltag genommen haben.

Haben Sie mit Blick auf die vergangenen Aktionen das Gefühl, dass die Veranstaltung „Früchte trägt“?

Bei allen Präventionsmaßnahmen ist die Frage, ob sie in der Lebenswirklichkeit verankert werden. Wir haben, dank der Unterstützung der Schulen, das große Glück, unserer Zielgruppe gleich zwei präventiv ausgerichtete Programme anbieten zu können. Mit „Crash-Kurs-NRW“ haben wir ein evaluiertes Angebot. „Komm zurück“ baut in wesentlichen Teilen darauf auf. Wir erreichen eine sehr hohe Anzahl von jungen Menschen, die uns regelmäßig positive Erfahrungen mitgeteilt haben. Mein Ziel ist es, Verkehrsunfälle mit allen Konsequenzen zu verhindern.

Was machen Verkehrsunfälle mit Menschen, insbesondere mit jungen Menschen?

Auswirkungen von Verkehrsunfällen sind unterschiedlich und hängen von vielen Faktoren ab, so zum Beispiel von der Persönlichkeit oder den Verletzungsfolgen. In der Regel fehlen unserer Zielgruppe Fahrerfahrungen. Für sie ist es schwierig, Situationen im Straßenverkehr richtig einzuschätzen. Viele sind zum Beispiel noch nie bei Glätte gefahren. Das Einschätzen einer angemessenen Geschwindigkeit ist wegen der fehlenden Erfahrung schwierig. Junge Männer neigen eher dazu ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, teilweise mit tödlichen Konsequenzen. Auch da setzen wir an: Wir konfrontieren mit dem „Danach“. Wie mag es sein, einen Menschen im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt zu haben? Wie gehe ich mit dessen Eltern um? Bekomme ich mein Leben geregelt? Was bedeutet es von einem zum anderen Tag aus dem Leben gerissen zu werden?

Wer ist außer der Kreispolizei Olpe noch an der Aktion beteiligt?

Beteiligt an der Veranstaltung sind neben der Kreispolizeibehörde Olpe wieder viele andere Organisationen wie die Kreisverkehrswacht, die Feuerwehr, die Suchtberatung der Caritas, die AOK, das DRK, das Abschleppunternehmen Bormann, das Verkehrssicherheitszentrum sowie die Straßenverkehrsbehörde Olpe.

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