Sturz

Wetterhahn stürzt von Drolshagener Clemens-Pfarrkirche

Denkmalpfleger Karl-Heinz Reuber hält den wieder glänzenden Wetterhahn von der Kirchturmspitze der St.-Clemens-Pfarrkirche ins Bild.

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Denkmalpfleger Karl-Heinz Reuber hält den wieder glänzenden Wetterhahn von der Kirchturmspitze der St.-Clemens-Pfarrkirche ins Bild. Foto: WP

Drolshagen.   Wie der knapp zehn Kilogramm schwere Wetterhahn aus massivem Kupfer von der Spitze der Kirche in Drolshagen gerissen werden konnte, bleibt wohl ein Rätsel.

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Küster Andreas Feldmann ist müde, als er am frühen Morgen zur St.-Clemens-Pfarrkirche in Drolshagen zurückfährt. Der 47-Jährige arbeitet auch bei der Freiwilligen Feuerwehr und die hatte in der Nacht zum 3. Januar wegen des starken Sturms alle Hände voll zu tun.

„Ich dachte erst, das wäre eine Mülltüte“, erzählt Feldmann über den merkwürdigen Gegenstand, der neben dem Hauptportal der Kirche auf den Pflastersteinen liegt, „und dann bin ich doch sehr verwundert gewesen.“

Denn zu seinen Füßen liegt der knapp zehn Kilogramm schwere Wetterhahn aus massivem Kupfer, der sonst seinen Platz auf der Spitze des Kirchturms hat. „Wir können froh sein, dass hier niemand vorbeigelaufen ist, der wäre jetzt mausetot“, ist er sicher.

Großes Loch im Kirchendach

Seit fast 29 Jahren ist er Küster an St. Clemens und so etwas hat auch er noch nie erlebt. Sofort ruft er Pfarrer Markus Leber an. „Er hat als erstes gefragt, ob das unser Hahn ist“, erzählt der Küster lachend. Ein großes Loch im Dach des Mittelschiffes der Basilika lässt keine Zweifel: Es ist der eigene Hahn.

Fachmann für solche Fälle in Drolshagen ist Schmied Josef Vollmer. Der 78-Jährige kennt das kupferne Tier gut, hatte es 1999 zuletzt restauriert. Und nun lag es völlig gerupft auf seiner Werkbank. „Der Rumpf war krumm, der Kopf stand im 90-Grad-Winkel ab und die Haxen waren hochgebogen“, sagt Vollmer. Also folgt eine Notoperation des Wetterhahns. „Beim Richten sind uns die Füße gerissen, die haben wir dann hart gelötet“, erzählt der Schmied augenzwinkernd.

Bei Kyrill hat der Hahn noch gehalten

Der Grund des völlig unerwarteten Abfluges ist ihm unerklärlich: „Der ganze Bolzen und die Kugel sind mit runtergekommen, sehr merkwürdig“, wundert sich der Handwerker. Sein Mitarbeiter Liborius Bieker ist ebenfalls verblüfft: „Hm. Bei Sturm Kyrill 2007 hat er gehalten.“

Nach rund fünf Stunden sind die Sturmschäden beseitigt, der Hahn liegt gänzlich ausgebeult auf der Werkbank. Und als ob das Tier noch nicht genug gelitten hätte, erfüllt Schmied Vollmer dann dem Pfarrer einen Wunsch. Buchstabe für Buchstabe schlägt er in das Hinterteil des Tieres die Inschrift, die ihm der Geistliche zuvor auf einem kleinen, blauen Zettel aufgeschrieben und in die Werkstatt gebracht hatte: „Sturmschaden 3. Januar 2018 Pfr. Markus Leber“.

Der Hahn wird zum nächsten Fachmann überwiesen. Karl-Heinz Reuber aus Iseringhausen ist Denkmalpfleger und seine Aufgabe ist es, den Wetterhahn abermals zu vergolden. „Ich bin in St. Clemens getauft worden, mir liegt die Kirche sehr am Herzen“, berichtet der 62-Jährige, der seit 2004 einen Malerfachbetrieb führt.

Feinarbeit des Denkmalplfegers

Für den Hahn geht die Tortur weiter: Gründlich reinigen, vollständig schleifen und sorgsam grundieren. Dann mehrfach mit Kunstharzlack streichen, bis ein glatter, hochglänzender Untergrund entsteht. Es folgt die Feinarbeit. Karl-Heinz Reuber trägt sogenanntes Anlegeöl auf, das gut drei Stunden trocknen muss. Erst dann bringt der Denkmalpfleger behutsam das zuvor zurechtgeschnittene Blattgold auf.

Das ist eine filigrane Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl erfordert. Mit Watte und einem feinen Dachshaarpinsel streicht und drückt Reuber die kostbare Auflage bis in jede Vertiefung. Das Blattgold ist nach den Worten des Handwerkers nur ein Zehntausendstel Millimeter stark, der Wert des auf beiden Seiten des Wetterhahns verarbeiteten Materials beläuft sich auf rund 1000 Euro. „Gold ist absolut wetterbeständig, je reiner es ist, umso mehr“, erläutert der Fachmann.

Pfarrer liefert eigene Erklärung

„Diese Arbeit ist schon etwas Besonderes für mich“, sagt Reuber und fügt hinzu: „Jetzt soll er vor allem unbeschadet wieder hinaufkommen. Ich freue mich schon darauf, wenn er da oben künftig wieder richtig strahlt.“ Auch er ist ratlos, wie es zu diesem ungewöhnlichen Sturmschaden kommen konnte.

Pfarrer Markus Leber weilt derzeit in Israel. In einem Beitrag für die Pfarrnachrichten des Pastoralverbundes Kirchspiel Drolshagen liefert der Gottesmann eine eigene Erklärung für den Zwischenfall. „In der Nacht bekamen wir Besuch von ganz oben“, schreibt er. Am 28. Januar wird der Hahn im Hochamt gesegnet.

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