Schule mal anders

Welschen Ennester Schüler lassen die Puppen tanzen

Die Grundschüler zeigen stolz ihre selbst gebastelten Marionetten. Kulturpädagogin Carmen Mans freut sich über den Erfolg des Projektes.  

Die Grundschüler zeigen stolz ihre selbst gebastelten Marionetten. Kulturpädagogin Carmen Mans freut sich über den Erfolg des Projektes.  

Foto: Volker Eberts / WP

Welschen Ennest.  Tolle Leistung: Ein Dutzend Grundschüler bauen ein eigenes Marionettentheater mit allem drum und dran und schreiben ein eigenes Stück dafür.

Die Anspannung ist spürbar. Wie ein Hühnerhaufen laufen die Schülerinnen und Schüler der Grundschule durcheinander und Carmen Mans hat alle Hände voll zu tun, etwas Struktur in die aufgewühlten Kinder zu bringen. Doch nur wenige Minuten später, zur letzten Generalprobe vor dem großen Auftritt, sind die Sechs- bis Zehnjährigen wie ausgewechselt. Mit ihren Marionetten in der Hand bringen sie ihr Stück fast perfekt über die Bühne, müssen dabei gleichzeitig spielen und ihren Text sprechen. Carmen Mans, Leiterin des Projektes „Kultur und Schule“, muss kaum korrigieren. Das Stück sitzt.

Am Dienstagnachmittag wurde es im Foyer der Schule den Eltern präsentiert und auch Kirchhundems Bürgermeister Andreas Reinéry war begeistert: „Ein tolles Projekt, von dem alle etwas haben.“

Applaus auf der ganzen Linie, der riesige Aufwand für dieses nur rund 10 Minuten dauernde kleine Marionettentheaterstück hat sich gelohnt. Das gesamte Schuljahr, 40 Wochen lang einmal pro Woche für 90 Minuten, hatten die Mädchen und Jungen aus allen vier Klassen an „ihrem“ Stück gearbeitet.

„Die Kinder haben vom ersten Tag an alles selber gemacht“, erklärt Carmen Mans, Künstlerin, Kunstpädagogin und ausgebildete Kinder -und Jugendeventmanagerin. Die Kinder stampften das gesamte Marionettentheater quasi aus dem Boden. Die Kulisse wurde selbst gebaut. Nach dem Rohbau musste alles noch bunt bemalt werden.

Und dann sind da noch die Hauptdarsteller des Stücks: die Marionetten, filigran gearbeitete, rund 25 Zentimeter große, mit selbst gemachten Textilien bekleidete Figuren aus Holz, die an drei Fäden bewegt werden.

Aber in dem Projekt sind es mehr als nur Holzpuppen, es sind die Charaktere der Schüler. „Ich wollte mit den Schülern den Weg vom „Ich“ zum „Wir“ künstlerisch erarbeiten. Dazu hat jeder Schüler sein eigenes „Ich“ als Marionette erstellt,“ erklärt Carmen Mans den pädagogischen Hintergrund. Die Schüler sammelten so nicht nur Erfahrungen mit verschiedensten Materialien, sondern trainierten durch die Gruppenarbeit Teamfähigkeit, sie schulten ihre Selbstwahrnehmung und lernten viel über Verständnis und Toleranz.

Marionetten als Medium

Und: Die Marionetten sind hier das Medium, um Gedanken zu kommunizieren, die sich die Kinder selbst nicht trauen vor anderen auszusprechen. Unterstützt wird dieser pädagogische Ansatz durch den Inhalt des Stücks, den sich die Grundschüler ebenfalls selbst ausgedacht haben. Es geht um die Schülerin Paula, die in ihrer Klasse nicht akzeptiert und täglich geärgert wird. Doch dann wendet sich das Blatt, andere Schüler wollen Paula helfen…

Carmen Mans: „Jedes Kind hat sich überlegt, welche Rolle es selber spielen will.“ Klar, dass das Stück mit einem Happy End endet. Die Projektleiterin ist überzeugt, dass das Stück und das Projekt bei den Schülerinnen und Schülern in den Köpfen bleiben wird. „Ich erinnere mich heute auch nicht mehr an meine Mathearbeiten, sondern eher an die schönen Sachen während der Schulzeit.“ Das wird bei den Kinder genauso sein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben