Brennpunkt Ausbildung

Webstühle sind heutzutage riesige, digitale Maschinen

Der moderne Webstuhl führt mehrere Tausend Fäden zusammen. Bei Fabri-Moll werden so die Sicherheitsgurte hergestellt.

Der moderne Webstuhl führt mehrere Tausend Fäden zusammen. Bei Fabri-Moll werden so die Sicherheitsgurte hergestellt.

Foto: Dominik Brendel

Finnentrop.   Traditionelle Handwerksberufe haben sich stark verändert. Bei Fabri-Moll in Finnentrop werden nicht nur LKW-Planen, sondern auch Sicherheitsgurte produziert.

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Diese Wortungetüme klingen nicht unbedingt spannend: Technischer Konfektionär und Produktionsmechaniker Textil sind die Ausbildungsberufe, die wir heute in unserer Serie vorstellen. Ein Blick hinter die Kulissen bei der Firma Fabri-Moll in Finnentrop zeigt jedoch, dass diese miteinander verwandten handwerklichen Tätigkeiten lange nicht so öde sind, wie ihre Bezeichnungen anmuten.

Technischer Konfektionär

Nähen, schweißen, kleben: Technische Konfektionäre verarbeiten textile Stoffe zu Konfektionsware, wie zum Beispiel Markisen oder Schutzkleidung. Bei Fabri-Moll werden LKW-Planen hergestellt. „Wenn Sie über die Autobahn fahren, dann werden Sie unsere Produkte sehen“, schmunzelt Thorald Keim (53), Geschäftsführer des Unternehmens.

Die Arbeit des Konfektionärs, der damals noch Planenmacher hieß, beginnt mit dem Ausmessen der Fahrzeuge beim Kunden. „Das sind bis zu 40 verschiedene Messungen“, sagt Keim. Danach geht es zurück in die Firma, wo die Plane hergestellt wird. Abgeschlossen wird das Projekt mit der Montage. „Man muss vielseitig und kreativ sein, das ist herausfordernd und das mag ich an dem Beruf“, sagt die Technische Konfektionärin Alina Rigolo (26).
Die Ausbildung dauert 36 Monate und findet im dualen System statt. Am Berufskolleg Köln lernen die Azubis im Blockunterricht.

Produktionsmechaniker

Der Weber von damals nennt sich in der Planen-Branche heute Produktionsmechaniker Textil. Der Name ist aber nicht das einzige, das sich in diesem Beruf verändert hat. Produktionsmechaniker bedienen riesige, digitale Maschinen, die mit den Webstühlen von früher nicht mehr zu vergleichen sind. „Als Weber habe ich eine Überwachungsfunktion. Nur wenn etwas kaputt geht, dann muss ich reagieren und entscheiden. Wenn 400 Fäden verknotet sind, muss ich wieder eine Verbindung hinkriegen“, erklärt Keim. Und was webt der Produktionsmechaniker bei Fabri-Moll? Sicherheitsgurte! Aber nicht die, mit denen wir uns anschnallen, sondern Riemen, die hinter den Planen zu einem großen Netz verbunden werden. „LKW haben heute deutlich weniger Frachtunfälle und das liegt auch an unseren Gurten. Wenn in einem Lastwagen eine schwere Lieferung umkippt, halten unsere Sicherheitsgurte die Ware fest“, sagt Keim.

Die Ausbildung zum Produktionsmechaniker Textil dauert 36 Monate und findet im dualen System statt. Am Städtischen Berufskolleg Wuppertal wird im Teilzeit-Unterricht gepaukt.

Der Ausbildungsbetrieb

Angefangen hat Thorald Keim vor 27 Jahren mit vier Mitarbeitern in Rönkhausen. Heute sind es insgesamt 200 am Hauptstandort in Finnentrop und in einer Außenstelle in Polen. Einen großen Sprung hat sein Unternehmen Fabri Planen vor zehn Jahren gemacht, als es die Marke Moll Planen geschluckt hat. Unter der gemeinsamen Marke Fabri-Moll gehört die Firma mittlerweile zu Europas führenden Anbietern von Fahrzeugplanen. Die ständige Weiterentwicklung der Produkte zeichnet das innovative Unternehmen aus: Mittlerweile konnte Fabri-Moll bereits sieben Patente anmelden, ein weiteres ist in Planung.

Mehr als Patente will Thorald Keim jedoch zur Zeit Auszubildende zum Technischen Konfektionär und zum Produktionsmechaniker Textil in seinem Betrieb. Denn zur Zeit hat er keine.

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