Start-Up

Start-Up hilft Azubis bei der Suche nach innerer Motivation

Sascha Burghaus, Björn Müsse und Antonino Alfano (von links) haben das Start-Up Mitunternehmer Südwestfalen gegründet. Ihre Vision der neuen Ausbildungsmodelle stellen sie im Siegener Porsche-Zentrum vor.

Foto: Flemming Krause

Sascha Burghaus, Björn Müsse und Antonino Alfano (von links) haben das Start-Up Mitunternehmer Südwestfalen gegründet. Ihre Vision der neuen Ausbildungsmodelle stellen sie im Siegener Porsche-Zentrum vor.

Olpe/Siegen.   Sascha Burghaus, Björn Müsse und Antonino Alfano wollen Azubis in Unternehmen beraten. Sie bevorzugen eine Strategie, die nach dem Warum fragt.

Björn Müsse (25) steht auf einer kleinen Bühne im Siegener Porschezentrum. Vor ihm sitzen die Geschäftsführer, Marketingleiter und Ausbildungsbeauftragten verschiedenster Unternehmen aus der Region. Der gebürtige Siegerländer und Mitbegründer des Olper Start-Ups „Mitunternehmer Südwestfalen“, das Auszubildende in hiesigen Unternehmen beraten möchte, lässt seinen Blick durch die Stuhlreihen wandern. Niemand sagt etwas. Totenstille.

Der Grund ist eine kleine Geschichte, die Müsse, der mit seinen Partnern Sascha Burghaus und Antonino Alfano seine Vision zukünftiger Ausbildungsmodelle vorstellt, erzählt. Und die geht so: Der 25-Jährige arbeitet nebenbei in einem Olper Fitnessstudio als Personal Trainer. Dort trifft er auf einen übergewichtigen Mann, dessen persönliche Situation berührt. Denn diesen Mann, so erzählt es Müsse, treibt ein ganz spezieller Wunsch an: Er möchte mit seiner kleinen Tochter toben und sie aufwachsen sehen. Doch die Fettleibigkeit hindere ihn.

Kein Geld verschwenden

Dieser Mann habe ein klares Ziel vor Augen, betont Müsse. Anders als die Menschen, die, etwas überspitzt formuliert, nur ins Fitness-Studio gehen würden, um Muskeln aufzubauen. Genau an dieser Stelle setzen die drei Jungunternehmer aus Olpe an. Ihre These: Nicht nur einige Besucher der Fitness-Studios könnten die Frage nach dem Warum, nach ihrer eigentlichen Motivation, nicht beantworten, sondern auch vielen Azubis gehe es so.

Sie wüssten zwar, so betont es später Sascha Burghaus, was sie in ihren Betrieben machten, und auch wie sie es tun, doch häufig fehle ihnen der innere Antrieb, weil sie nicht verstünden, warum sie ihren Aufgaben eigentlich nachkämen. Die Konsequenz: Sie, die jungen Auszubildenden, seien unmotiviert.

„Kein Unternehmen sollte Geld aufwenden für seine Azubis, die gar keine Leistungen bringen, weil sie unzufrieden oder unglücklich sind“, erklärt Burghaus und es folgt ein Appell in Richtung der Vertreter aus der Wirtschaft: „Bilden Sie ihren Nachwuchs so aus, dass er liebt, was er tut, und versteht, warum er es tut. Nur so können Sie ihre Azubis halten, sie aufbauen und zu Führungskräften entwickeln.“

Persönlichkeitsentwicklung

Darin sehen die Jungunternehmer ihren Auftrag: Sie wollen mit den hiesigen Betrieben kooperieren und ein Stück weit die persönliche Entwicklung der Azubis vorantreiben. Warum? Weil sie aus der gleichen Generation stammten und in ihren eigenen Ausbildungen viele, großteils schlechte Erfahrungen gemacht haben.

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Dennoch haben die Jungs mit ihrem Ansatz Recht: Wir müssen unseren Azubis vermitteln, warum sie genau das machen, was sie bei uns tun. So entwickeln sie eine höhere Eigenmotivation.“

Strukturen aufbrechen

Ähnlich äußert sich auch Mario Grunau im Anschluss der Veranstaltung. Der Marketingleiter der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden, die derzeit mit zwölf Auszubildenden besetzt ist, betont: „Ich denke, es ist wichtig, alte Strukturen aufzubrechen und nicht an einem starren Ausbildungsrahmen festzuhalten. Die Drei arbeiten viel mit ihren Emotionen und sind sehr authentisch. Sie können uns neue Ideen und Impulse geben.“

Mittlerweile ist Björn Müsse mit seinem Vortrag zu Ende. Er verlässt die Bühne und bekommt Applaus. Er hat die Unternehmensvertreter mit seinem Appell getroffen. Nun liegt es in deren Hände, ob sie von dem Konzept des jungen Olper Start-Ups profitieren wollen.

Infos: Drei junge Männer mit drei Schwerpunkten

Offiziell gegründet haben Burghaus, Müsse und Alfano ihr Start-Up Anfang dieses Jahres. Zum Hintergrund: Alle Drei haben in ihren Ausbildungen schlechte Erfahrungen gemacht und konnten sich nicht verwirklichen. Mit ihrem Unternehmen wollen sie andere Auszubildenden davor bewahren. Dabei setzten sie auf die Schwerpunkte Persönlichkeitsentwicklung, Geldbildung und Gesundheit.

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