Kunst

Warum die Ausstellung im Attendorner Museum begeistert

Gefesselt von der Kunst. Zwei Besucher betrachten ein Gemälde von Pablo Picasso ("Figur mit gestreifter Bluse", 03.04.1949)

Gefesselt von der Kunst. Zwei Besucher betrachten ein Gemälde von Pablo Picasso ("Figur mit gestreifter Bluse", 03.04.1949)

Foto: Lara Schulte

Attendorn.  „Picasso, Chagall, Miró – Dreigestirn der Moderne“ im Attendorner Südsauerlandmuseum wird am Dienstag eröffnet. Ein kleiner Vorgeschmack:

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Einmal in einem Raum mit drei großen Künstlern sein. Picasso, Miró, Chagall. Wer sich hier umsieht, sieht die Kunstwerke dieser großen Namen. Dabei befinde ich mich nicht in den großen Kunstmuseen in Paris oder Barcelona. Ich bin in Attendorn. Im Südsauerlandmuseum. Wo ab Dienstag die Ausstellung „Picasso, Chagall, Miró – Dreigestirn der Moderne“ zu bewundern ist (wir berichteten).

Ein kleiner Vorgeschmack: Bevor ich die Druckgrafiken bestaunt darf, geht es über den roten Teppich. Bin ich vorher noch dem kalten Wind der Hansestadt ausgesetzt, wird mir nun die Tür in eine mediterrane Welt geöffnet. Warmes, rotes Licht durchflutet den Raum. Dazu Wein und Oliven. Spanische Tapas. Im Hintergrund erklingt spanische Musik.

Und plötzlich vergesse ich, dass ich in Attendorn bin. Ich tauche ein in eine völlig neue Welt, in der man beinahe die Flamenco-Tänzerinnen und die Stierkämpfer vor sich sehen kann. Ich tauche ein in eine Welt von zwei spanischen und einem russische) Künstlern.

Es öffnen sich neue Welten

An der Wand kann ich die Worte Pablo Picassos lesen: „Wenn ich wüsste, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten.“Und dann geht es auch schon los, mit einer exklusiven Vorab-Führung. Prof. Dr. Markus Müller geht voran. Er ist der Direktor des Kunstmuseums Pablo Picasso in Münster. Am Samstagabend nimmt er die Besucher mit auf eine Reise der Kunst im Südsauerlandmuseum. Für mich eröffnen sich neue Welten. Eine kühle und doch emotionale Welt der Kunst. Von den hohen, weißen Wänden heben sich dunkle Rahmen ab. Darin die Werke Picassos. Ich staune.

Drei auf den ersten Blick sehr ähnliche Bilder. Ähnlich, aber doch unterschiedlich. Gezeigt wird das Gesicht einer Frau, wie Müller verrät, die Geliebte Picassos. Die einzige Frau, die Picasso verlassen habe. „Picasso experimentiert gerne“, sagt Müller, „hierbei handelt es sich um seine ersten Versuche in einer für ihn völlig neuen Technik.“

Typischer Picasso-Stil

Und tatsächlich muss ich kein Kunstexperte sein, um zu sehen, dass eine Entwicklung dargestellt wird: das letzte der drei Bilder ist abstrakter und zeigt den typischen Picasso-Stil. In diesem Stil ist so ein weiteres Porträt zu sehen. Wieder wird eine Frau dargestellt. Ihre Augen sind weit aufgerissen. Ihre Haut ist grün und hebt sich von dem lilafarbigen Hintergrund ab.

Obwohl – oder vielleicht besonders weil – es so abstrakt ist, fühle ich mich gefesselt von ihrem Blick. Dennoch muss ich den Blick abwenden. Denn jetzt ist es Zeit, um Joan Miró kennenzulernen. Ebenfalls Spanier. Auf dem Weg in den dritten Stock steigt die Neugier auf die nächsten Kunstwerke. Die Gäste durchlaufen eine weitere Tür zu einer wieder anderen Welt. Die Wände sind nicht mehr hell, sondern dunkelblau. Ein Kontrast sind die großen, weißen Doppelseiten, die in großen, hellen Holzrahmen ausgestellt werden. Darauf ein französischer Text, umgeben von bunten Zeichnungen. Abstrakt.

„Der Mensch ist bei Miró omnipräsent“, erzählt der Professor. Tatsächlich ähneln die bunten Illustrationen Menschenformen. Gegenüber befindet sich Marc Chagalls Kunst. Es habe einen Grund, sagt Müller, dass Picasso nicht im gleichen Raum ausgestellt wird – so hatten die beiden Künstler kein gutes Verhältnis. „Chagall soll einmal gesagt haben: Picasso und ich – eine blutige Angelegenheit“, erklärt der Kunstexperte und schmunzelt.

Simple, schwarze Zeichnungen

Die Grenzen verschwimmen. Seine Kunstwerke hingegen wirken wie eine farbige Angelegenheit: Simple, schwarze Zeichnungen heben sich von bunten Hintergründen ab, „leere“ Skizzen erwachen durch Farbspritzer zum Leben. „Chagall war ein Träumer, ein Luftmensch“, beschreibt Müller den Künstler. Und diese Beschreibung spiegele sich in seinen Werken wieder. Die bunten Welten sind wie eine Mischung aus Realem und Fantasie. „Die Grenzen verschwimmen bei Chagall.“ Die Emotionen aber kommen durch diese Technik umso mehr zur Geltung. Ich erfahre viel über die Kunst. Als wir ans Ende unserer Reise kommen, fällt es mir schwer, mich vom Bann der Bilder zu befreien. Und umso schwerer ist es, am Ende zurück in die reale Welt zu kehren.

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