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Unfallflucht ist eine Seuche - Über 700 Fälle im Kreis Olpe

Pro Tag werdenim Kreis Olpe im Durchschnitt mehr als zwei Fälle von Verkehrsunfallflucht zur Anzeige gebracht.

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Pro Tag werdenim Kreis Olpe im Durchschnitt mehr als zwei Fälle von Verkehrsunfallflucht zur Anzeige gebracht. Foto: privat

Kreis Olpe.   Im Kreis Olpe begehen pro Jahr weit über 700 Autofahrer Verkehrsunfallflucht. 2016 waren es 771, und die Tendenz lässt für 2017 eine ähnliche Zahl erwarten, so die Polizei.

Das haben schon viele Autofahrer erlebt. Man hat sein Fahrzeug auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt, Möbelhaus oder sonst wo abgestellt, und wenn man zurückkommt hat die Tür eine Delle oder der Stoßfänger ist zerkratzt, wenn nicht gar eingedrückt – und vom Verursacher weit und breit keine Spur. Ein typischer Fall von Unfallflucht.

Wenn man Pech hat und der flüchtige Autofahrer nicht von der Polizei ermittelt werden kann, bleibt man selbst auf den Kosten für die Beseitigung des Schadens hängen. Das ist bei Kleinigkeiten, die auch schnell einmal 1 000 Euro und mehr kosten können, schon schlimm. Richtig kriminell wird es bei größeren Unfällen mit erheblichem Sach- oder gar Personenschaden.

Unfallflucht – eine Seuche, die immer weiter um sich greift? Diesen subjektiven Eindruck können die objektiven Zahlen der Statistik der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde Olpe, die deren Pressesprecher Polizeihauptkommissar Michael Klein präsentiert, nicht bestätigen. Aber: „Insgesamt ist die Zahl auf einem hohen Niveau nahezu stabil. Und es gibt bestimmt eine Dunkelziffer“, so Klein.

Die Statistik

Im Jahr 2015 wurden im Kreis Olpe 791 Verkehrsunfallfluchten zur Anzeige gebracht, 2016 waren es 771, und die Tendenz lässt für 2017 eine ähnliche Zahl erwarten. Personenschäden entstanden dabei 2015 in 39 und 2016 in 33 Fällen. Die durch Sachschäden verursachten Kosten beliefen sich in 2015 auf 888 585 Euro, in 2016 auf 836 172 Euro. Das sind erhebliche Summen, die durchschnittlich mehr als 1 000 Euro pro Fall ausweisen. Und die bleiben direkt oder indirekt am Geschädigten hängen. Auch wenn die eigene Teil- oder Vollkasko-Versicherung einspringt: Viele Versicherte haben einen Eigenanteil vereinbart und eine Heraufstufung droht.

Lohnt sich eine Unfallflucht? Nein, sagt Michael Klein, und weist auf die Konsequenzen für den Flüchtigen hin, wenn er ermittelt wird . Und das gelingt der Polizei im Kreis Olpe in knapp der Hälfte aller Fälle. Wichtigstes „Hilfsmittel“ der Polizei sind dabei Zeugen. „Zum Glück melden sich sehr oft Zeugen bei der Polizei, die etwas gesehen haben. Das ist absolut richtig und hat mit Denunziation nichts zu tun“, ruft Pressesprecher Klein jeden, der etwas beobachtet hat auf, sich zu melden. Bei der Polizei oder beim Geschädigten. Denen rät er: „Bringen Sie jeden Fall von Unfallflucht zur Anzeige.“

Die Spurensicherung

„Ein weiteres effektives Hilfsmittel ist die sogenannte Spurfix-Folie. Sie eignet sich hervorragend zur Sicherung auch von kleinsten Farbpartikeln bei Unfallschäden, die unter dem Mikroskop analysiert und mit Spuren vom Fahrzeug eines potenziellen Schädigers verglichen werden können“, führt Michael Klein aus.

Eine immer wieder gestellte Frage ist die, wie lange man als Autofahrer, der ein anderes Fahrzeug beschädigt hat, am Unfallort auf den Geschädigten warten muss. „Das kann man zwar nicht verallgemeinern und jedes Gericht kann das unterschiedlich bewerten“, betont Michael Klein, doch kann man zum Thema Wartepflicht Folgendes sagen: Ein Unfallbeteiligter muss grundsätzlich eine „angemessene Zeit“ bis zum Eintreffen des Geschädigten oder der Polizei an der Unfallstelle warten.

Als Faustformel kann man ansehen: Die Wartezeit bei einem geringen Schaden beträgt circa 30 Minuten, bei einem mittleren Schaden circa eine Stunde und bei schwerem Sach- oder gar Personenschaden mindestens eine Stunde. Ansonsten wird empfohlen, die Polizei zu verständigen. „Das Hinterlassen einer Visitenkarte oder eines Zettels entbindet nicht von der Wartepflicht“, betont Michael Klein.

Die Vorsichtsmaßnahmen

Vor Unfallflucht schützen kann man sich kaum. Um eventuellen Parkremplern auf großen Parkplätzen vorzubeugen, empfiehlt die Polizei, enge Parklücken zu meiden und stets die Außenspiegel einzuklappen. Nach der Rückkehr zum Fahrzeug sollte man einen Rundgang zur Kontrolle um das Fahrzeug machen und eventuelle Schäden der Polizei melden. Zeugen werden gebeten, Beobachtungen der Polizei mitzuteilen und sich Fahrzeugtyp und Kennzeichen aller beteiligten Fahrzeuge zu merken oder aufzuschreiben. Gegebenenfalls kann auch ein Foto mit dem Smartphone gemacht werden.

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