Gesundheit

Tipps vom Hausarzt: Insektenstiche richtig behandeln

Stefan Spieren ist Hausarzt in Hünsborn.

Stefan Spieren ist Hausarzt in Hünsborn.

Foto: Verena Hallermann / WP

Hünsborn.  Sobald die Temperaturen wärmer werden sind die Insekten aktiv. Doch wie reagiere ich bei Stichen richtig? Hausarzt Stefan Spieren gibt Tipps.

Insektenstiche sind eine lästige Begleiterscheinung des Sommers. Sie jucken, schwellen an und sind im schlimmsten Fall auch noch entzündet. Doch wie reagiere ich richtig? Und wann sollte ich zum Arzt gehen? Stefan Spieren ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Allgemeinchirurgie in Hünsborn. Im Gespräch mit unserer Zeitung klärt er einige Mythen rund um Insektenstiche und Zeckenbisse auf.

Anhand des Stiches lässt sich das Insekt nicht erkennen

Das äußere Erscheinungsbild eines Stiches liefert kaum Rückschlüsse auf das Insekt, erklärt Stefan Spieren. Auch Ärzte können in der Regel nur mutmaßen. „Das spielt aber auch keine Rolle“, sagt er. „Die Stiche werden alle gleich behandelt.“ Die betroffenen Stellen müssen gekühlt werden. Wenn kein Eis vorhanden ist, reicht auch kaltes Wasser, beispielsweise in Form eines getränkten, sauberen Umschlages. „Wichtig ist, nicht zu kratzen“, sagt Spieren. „Denn dadurch wird die äußere Hautschicht beschädigt, Bakterien können eindringen und es entzündet sich.“ Ist der Stich auffallend dick oder rot können Allergie-Salben aus der Apotheke helfen. Wenn es schlimmer wird, rät Spieren zum Arzt oder zum ärztlichen Notfalldienst (Krankenhaus Olpe) zu gehen. Hier können Salben mit Cortison helfen. Spieren betont, dass im Falle von Atemnot immer sofort ein Arzt aufgesucht werden muss. Allergiker müssen besonders vorsichtig sein und immer an ihr Notfall-Kit denken.

Ein roter Strich bedeutet nicht immer eine Blutvergiftung

Wenn Mückenstich-Geplagte plötzlich einen roten Strich unter der Haut bemerken, denken sie oft an eine Blutvergiftung. Der Hausarzt aus Hünsborn erklärt, dass es sich hierbei aber auch um eine natürliche Reaktion des Körpers handeln kann. Über die Lymphbahnen werden die Abbaustoffe der Entzündungsreaktion abgebaut. Das macht sich durch eine rote Verfärbung bemerkbar, ist aber keine Blutvergiftung. „Das muss man natürlich trotzdem beobachten“, sagt der 41-jährige Familienvater. „Ich rate dazu, die Stelle, an der die Rötung endet mit einem Stift zu markieren. Wandert die Rötung weiter, sollten Sie zum Arzt. Wird es weniger ist es ungefährlich.“ Auch blaue Verfärbungen der Insektenstiche seien ungefährlich. Hier hat das Tier lediglich ein Blutgefäß getroffen.

Bei der Entfernung einer Zecke ist keine Vorsicht gefragt

Nicht nur die Insekten machen den Menschen im Sommer zu schaffen. Bei Zecken ist besondere Achtsamkeit gefragt. Doch wie entferne ich das Tier richtig? Seit vielen Jahren hält sich der Mythos hartnäckig, dass der Zeckenkopf „stecken“ bleibt, wenn das Tier nicht ordnungsgemäß mit der Pinzette entfernt wird. „Das Wichtigste ist, dass man die Zecke sofort entfernt, aber man kann da nichts falsch machen“, sagt Spieren. „Da reichen auch die Fingernägel. Der Kopf kann gar nicht stecken bleiben. Wenn handelt es sich um einen Teil des Stechapparates. Und das ist nicht schlimm.“ Wer dann noch darauf achtet, die Zecke beim Entfernen nicht zu sehr zu quetschen, reduziert das Risiko mit einer Ansteckung mit Krankheitserregern.

Die Wanderröte tritt nicht nur um die betroffene Stelle auf

Borreliose ist eine gefürchtete Folge von Zeckenbissen. Die Borrelien brauchen mindestens 24 Stunden, um über den Speichel in den Menschen einzudringen. Wird die mit Borrelien befallene Zecke nicht früh genug entfernt, ist die Borreliose vor allem an der Wanderröte zu erkennen, die sich nach Tagen oder Wochen ausbreitet. Dabei handelt es sich um kreisrunde Rötungen. „Dass muss aber nicht zwangsläufig um den Stich entstehen, sondern kann überall am Körper auftauchen“, sagt Spieren. „Betroffene müssen damit auf jeden Fall zum Arzt.“

Eine FSME-Impfung ist sinnvoll

Ein weiteres Risiko von Zeckenbissen ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Hierbei handelt es sich überwiegend um ein süddeutsches Phänomen.

Doch mittlerweile ist auch der Landkreis Emsland betroffen. Aufgrund der Reisebereitschaft der Menschen, empfiehlt Stefan Spieren jeden, diese Impfung vornehmen zu lassen. Eine mögliche Kostenübernahme muss mit der Krankenkasse geklärt werden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben