Psycho-Thriller

Theater Lennestadt: „Falsche Schlange“ ist tolles Schauspiel

Ist alles wirklich so, wie es auf den ersten Blick scheint? Wie nahe stehen sich Miriam (Mackie Heilmann) und Alice (Astrid Rashed) wirklich?

Ist alles wirklich so, wie es auf den ersten Blick scheint? Wie nahe stehen sich Miriam (Mackie Heilmann) und Alice (Astrid Rashed) wirklich?

Foto: Werner Riedel

Lennestadt.  Tourneetheater Thespiskarren begeistert Publikum im PZ Meggen mit einem Thriller auf der Bühne, der über das übliche Krimi-Schema hinausgeht.

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Als gefährlich, lautlos, aus dem Hinterhalt jagend – ein Großteil der Menschheit pflegt seine Ressentiments gegenüber Schlangen. Hinzu kommt dann auch noch die gespaltene Zunge dieser Reptilien. Ein sprichwörtliches Merkmal von Falschheit und Verlogenheit. Warum ausgerechnet nur „Mitgliederinnen“ des femininen Geschlechts der Art homo sapiens mit dem Titel „Schlange“ bedacht werden, darüber macht sich der Autor dieser Zeilen zwar seine Gedanken, schweigt aber aus reinem Selbsterhaltungstrieb.

Damentrio auf der Bühne

Der von der Queen geadelte Erfolgsautor Alan Ayckbourn stellt in seinem Psycho-Thriller „Snake in the grass“ ein Damentrio auf die Bühne. Zwei Schwestern und eine Pflegekraft, die dem alten Familientyrannen mehr oder minder hinterhertrauern, der mehr oder minder freiwillig aus dem Leben geschieden wurde.

Die ungleichen Töchter, die nach jahrzehntelanger Trennung wieder zu einander finden. Oder doch nicht? Lebensbeichten, positive Gefühle. Oder doch nur gespielt? Panische Ängste – aber wirklich echt? Hilfsbereitschaft – lediglich vorgetäuscht?

Wir sahen „Falsche Schlange“ am Sonntagabend im Theater Lennestadt. Das Tourneetheater Thespiskarren brachte drei Prachtexemplare der Unterordnung Serpentes der Schuppenkriechtiere auf die Bühne. Drei Schauspielerinnen, die ihr Publikum schnell in ihren emotionsgeladenen Bann als Erbtochter Annabell (Gerit Kling), deren Schwester Miriam (Mackie Heilmann) sowie Pflegekraft Alice (Astrid Rashed) zogen.

Wer hat wen abgemurkst?

Unterstützt von den schicksalsschwangeren Auftritten eines man bzw. einer „woman in black“, die statt mit Sense mit einer Fidel gruselig über die Bühne geisterte. Wer wen abgemurkst hatte, darüber ließ Ayckbourn sein Publikum nicht lange im Unklaren. Aber war das wirklich schon die ganze Wahrheit?

Ein Stück, das weit über das übliche Krimi-Schema hinausgeht. Zuschauer kennt Täter – oder Täterin, ist Kommissar bzw. Kommissarin immer schon einen Schritt voraus. Bis den Trotteln endlich die Lösung des Falls gelingt. Die „Falsche Schlange“ ist da aus ganz anderem Holz geschnitzt. Hier steht nicht die Lösung der kunstvoll verschlungenen Knoten in Mittelpunkt des Stücks, hier ist der Weg das Ziel.

Mit geschickt gelegten falschen Fährten und mit einer typisch schlangenartigen Strategie, wenn das Opfer aus dem Hinterhalt überfallen wird, wenn es am wenigsten damit rechnet.

Tolles Schauspiel

Ein Exkurs in die Abgründe der weiblichen Seele? Wer weiß. Verschweigen möchte ich an dieser Stelle die Erkenntnis eines Forschers nicht. Der war sich sicher: Es gibt Frauen, wenn die von einer schwarzen Mamba gebissen werden, dann verendet anschließend die Schlange. Das Thespiskarren-Trio – übrigens allesamt bestens bekannt aus Funk und Fernsehen - bewies neben einer unglaublichen Sicherheit angesichts einer wahren Text-Mammutaufgabe ebenso pointiertes wie vielschichtiges schauspielerisches Können.

Das Publikum dankte mit minutenlangem Applaus.

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