Stromtrasse

Einigung: Weg für Amprion-Stromtrasse durch Attendorn frei

Zufrieden sind sie in Attendorn mit der „neuen“ Lösung. Die Masttypen (hier ein Symbolbild) sind deutlich schmaler.

Zufrieden sind sie in Attendorn mit der „neuen“ Lösung. Die Masttypen (hier ein Symbolbild) sind deutlich schmaler.

Foto: Silas Stein / dpa

Attendorn.  Die Attendorner finden einen Kompromiss zur von Amprion geplanten Stromtrasse. In zwei Punkten kommt der Netzbetreiber der Hansestadt entgegen.

Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil spricht von einem klassischen Kompromiss: Beim geplanten Bau der 380-kv-Höchstspannungsleitung zwischen Dortmund und Dauersberg in Rheinland-Pfalz wird der Netzbetreiber Amprion als Vorhabenträger im Abschnitt B, der durch den Kreis Olpe führt und in Attendorn den Bereich zwischen der Mühlhard und dem städtischen Bauhof (also entlang Ennest) betrifft, auf einen schmaleren Masttypen setzen. Zudem soll sich die Trasse etwas geradliniger den Weg durch die Landschaft bahnen als zunächst geplant.

Darauf einigten sich die Teilnehmer eines Moderationsprozesses, der unter anderem aus Mitgliedern des Netzbetreibers, der Stadtverwaltung, Ratspolitikern und betroffenen Bürgern bestand. Insgesamt fanden sieben abendfüllende Treffen seit September vergangenen Jahres statt.

Keine Winkelabspannmasten

Durch die geradlinigere Leitungsführung wird unter anderem gewährleistet, dass drei Winkelabspannmasten durch schmalere Tragmasten ersetzt werden und somit ein geringerer Flächenverbrauch zustande kommt. Für die Anwohner genauso wichtig: Der Abstand zur Wohnbebauung wird größer. Und die Immissionswerte reduzieren sich zumindest leicht.

Darüber freut sich auch Dorothe Rocksloh, eine der unmittelbar betroffenen Anwohner vom Osterschlah. Sie war Mitglied des Dialogforums und betonte auf Nachfrage dieser Redaktion: „Wir stehen zu einhundert Prozent hinter der Abschlusserklärung. Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir einen guten Kompromiss gefunden.“ Die ursprünglich von Stadt, Politik und Anwohnern favorisierte Variante, der Vollwandmast, konnte laut Abschlusserklärung nicht weiter verfolgt werden, weil sich der Bundesverband Kompaktleitungen außer Stande sah, einen einsatzfähigen Masten zu konstruieren.

Tonnenmast erhält den Vorzug

Der Kompromiss sieht nun ebenso vor, dass statt des von Amprion bevorzugten Donaumasten ein sogenannter Tonnenmast den Vorzug erhält. Dieser ist zwar höher, nimmt dafür aber weniger Fläche ein und führt laut Abschlusserklärung des Dialogforums „zu einer Reduzierung sowohl der elektrischen Feldstärke als auch der magnetischen Flussdichte.“ Von der Bauart her handele es sich weiterhin um einen konventionellen und von Amprion bevorzugten Stahlgittermasten, von seiner Form ähnelt er jedoch eher einem kompakteren Masten, so Pospischil auf Nachfrage.

Weitestgehend auf Zustimmung stieß der ausgehandelte Kompromiss im Rat. „Ich möchte mich vor allem bei den Bürgern bedanken, die sich engagiert haben und sehr bewusst mit dieser umweltpolitischen Frage umgegangen sind“, lobte Uli Selter von der CDU-Fraktion. Ähnlich äußerte sich Wolfgang Langenohl von der SPD: „Ich möchte betonen, dass es hier niemals zu einem einseitigen Kampf kam. Es ging stets darum, die Lösung zu finden, die für alle Beteiligten die geringste Auswirkung hat.“ Und Ralf Warias (FDP/Die Grünen) erklärte, dass man unter den gegebenen Umständen das Beste erreicht habe. „Auch dank der Bürger, die an einer sachlichen Lösung gearbeitet haben und keine Verhinderungsbürger waren.“ Das Engagement hob auch Meinolf Schmidt von der UWG hervor.

Stadt favorisiert Erdverkabelung

Trotz dieser Kompromiss-Lösung favorisiert die Stadt Attendorn jedoch weiterhin eine Erdverkabelung, die sich aktuell aber nicht umsetzen lässt. Das bestätigte auch Mariella Raulf, Projektsprecherin der Amprion, auf Nachfrage. „Eine Erdverkabelung ist nicht vorgesehen, weil es hierzu keine gesetzliche Grundlage gibt.“ Trotzdem werde die Stadt an dieser Forderung festhalten, betonte Bürgermeister Pospischil. „Vor allem, weil wir über einen derart eng bebauten Korridor sprechen, der nach einer Erdverkabelung schreit.“ Er begrüßte dennoch die Lösung.

Die Amprion GmbH wird nun im Zuge eines sogenannten Deckblattverfahrens die ausgearbeitete Alternative in das Genehmigungsverfahren einbringen und die Planungsunterlagen entsprechend abändern. Der Rat nickte den Kompromiss am Mittwochabend einstimmig ab.

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