Einzelhandel

Strickladen Grevenbrück lockt sogar Kunden aus Australien an

Der Strickladen in Grevenbrück wird nun schon in dritter Generation geführt. Petra Hombitzer verkauft Wolle, Nähgarn, Knöpfe, Stickbilder und vieles mehr.

Der Strickladen in Grevenbrück wird nun schon in dritter Generation geführt. Petra Hombitzer verkauft Wolle, Nähgarn, Knöpfe, Stickbilder und vieles mehr.

Foto: Verena Hallermann / WP

Grevenbrück.  Der Strickladen an der Siegener Straße in Grevenbrück läuft gut. Petra Hombitzer führt das Geschäft in dritter Generation.

Es ist ein bisschen wie ein Blick in die Vergangenheit. In eine Zeit, in der in jedem Haushalt noch gestrickt und gehäkelt wurde, als Handarbeit für die Mädchen in der Schule noch Pflicht war. In dem kleinen Textilwaren-Laden an der Siegener Straße in Grevenbrück stapeln sich die Wollknäuel bis unter die Decke. Nach wie vor läuft der Laden gut. Für Petra Hombitzer, die das Geschäft in dritter Generation führt, ist das keine Überraschung. „Das Internet ist kein großer Feind“, sagt sie. „Die Menschen wollen die Wolle noch anfassen können, bevor sie sie kaufen.“

Schon als kleines Mädchen

Petra Hombitzer ist 49 Jahre alt. 1999 hat sie das Geschäft übernommen. Sie macht das ganz alleine – nur ihren Hund Linus bringt sie gerne mit, ein schwarzer Pudel, der sich immer freut, wenn die Ladentür aufgeht. Die Inhaberin ist in dem Geschäft aufgewachsen, schaut als kleines Mädchen ihren Eltern über die Schultern, macht mit 16 Jahren dort ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. „Die meisten Kunden sagen, sie kennen mich schon als Dreikäsehoch“, sagt sie und lacht. „Ich konnte kaum über die Theke schauen, da stand ich schon im Geschäft.“

Authentische Atmosphäre

Verändert hat sich seitdem nicht viel. Im Schaufenster steht noch die alte Nähmaschine. Der Boden ist mit Teppich ausgelegt, die Schränke sind dunkel. Stoffe, Stickbilder, Nähgarne, Wolle-Knäuel, Knöpfe – sogar das Ziffernblatt der Uhr ist teilweise bestickt. „Die Atmosphäre kommt bei den Leuten gut an“, sagt Hombitzer. „Eine Kundin hatte mal erzählt, dass sie in einem hyper modernen Geschäft gewesen sei, dort aber nichts kaufen wollte.“

Eine Homepage hat das Geschäft bis heute nicht. Braucht es aber auch nicht, findet Petra Hombitzer. Schließlich hat sie viele Stammkunden, schätzungsweise rund 80 Prozent. Viele haben schon bei ihren Eltern, Paul Heinz und Giseltrud Hombitzer gekauft, die das Geschäft 1975 übernommen hatten. Manche halten die Treue weit über den Kreis Olpe hinaus. „Eine Kundin lebt mittlerweile in Australien“, erzählt die 49-Jährige. „Ihre Wolle kauft sie dennoch bei uns, wenn sie zu Besuch ist.“ Mal fragen die Kunden nach Wolle für einen Pullover, andere wollen ihre Taschentücher umhäkeln. Anlässe sind häufig die Geburt eines Kindes oder Geburtstage. Kaufen könne schließlich jede, selber machen sei dagegen bis heute noch etwas Besonders, betont die Inhabern. Die Wünsche sind jedenfalls ganz unterschiedlich. „Jetzt neulich kam eine Kundin zu mir, die ganz aufgeregt eine Spitze für ein Ringkissen suchte“, sagt sie. „Ihr Sohn wollte heiraten.“

„Bobbel“ sind gefragt

Natürlich kennt sich Petra Hombitzer selbst mit Handarbeit aus. Sie strickt gerne, ihren Pullover, den sie heute trägt, hat sie auch selbst gemacht. Das ist aber auch wichtig, weiß sie. Schließlich möchte sie ihre Kunden auch beraten können, ihnen Tipps geben. Und es sind längst nicht mehr nur die älteren Damen, die bei ihr einkaufen. „Viele junge Frauen stricken wieder“, sagt Hombitzer, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. „Oder nähen oder häkeln. Es wird wieder wertgeschätzt.“

Im Moment sind „Bobbel“ ganz gefragt. Das sind Farbverlaufsgarne, die gerne zum Stricken für Schals oder Decken verwendet werden. Der Effekt ist ein weicher Farbverlauf. Die ersten Kunden schauen aber auch schon wieder nach Wolle für wärmere Pullis oder Socken. Manchmal für sich selbst – manchmal aber auch für den Nachbarn. „Hier gibt es richtige Tauschgeschäfte“, erzählt Hombitzer schmunzelnd. „Wenn der Nachbar das Rasenmähen übernimmt, spendiert sie ihm dafür gerne ein paar selbstgestrickte Socken.“

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