Helden

So viele Sportsendungen wie nötig

In der Praxis von Dr. Bacchus ist nicht jeder krank, der therapiert wird.

In der Praxis von Dr. Bacchus ist nicht jeder krank, der therapiert wird.

Foto: Nicole Voss

Helden.   Die Theatergruppe Helden führt ihr Stück „Der Heiler von Wintersheim“ von Bernd Kietzke dreimal in der örtlichen Schützenhalle auf

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Hypochondrische Patienten, unkonventionelle Heilungsmethoden des zweifelhaften Mediziners Dr. Bacchus und die stets gut gekleidete Sprechstundenhilfe mit dem Herz am rechten Fleck sorgten am Wochenende für reichlich Zündstoff in Helden.

Gleich dreimal führte die Theatergruppe ihr diesjähriges Stück „Der Heiler von Wintersheim“, aus der Feder von Bernd Kietzke in der örtlichen Schützenhalle auf und begeisterte ihre zahlreichen Zuschauer. Viel Szenenapplaus und so mancher Lacher ertönten in der Halle.

Trockener Humor

Die Vorlage lieferte eine gute Voraussetzung für die Laiendarsteller einmal mehr ihr schauspielerisches Können unter Beweis zu stellen. Ort des Geschehens war die Praxis von Dr. Johann Bacchus (Ulrich Gabriel), der es wieder schaffte die Zwerchfelle der Besucher mit seinem trockenen Humor zu strapazieren.

An den Wänden viel Anatomie und ein Skelett, das von einem Patienten mit einer Zigarette ausgestattet wurde, die er selber nicht rauchen durfte.

Dr. Bacchus hat seine eigenen Heilmethoden. Statt hoch dosierter Medikamente verordnet der Arzt Wein und Hausmannskost. Der ausgeprägten Hypochonderin Wilma Öfter (Janina Vogt) verordnet der Mediziner zur Genesung ihres Mannes, Stress von ihm fern zu halten. Soll heißen: Keine Hausarbeit und so viele Sportsendungen wie nötig. Dass diese Behandlungsmethoden die Ärztekammer auf den Plan rufen, versteht sich fast von selbst.

Inmitten der turbulenten Szenerie nehmen die Detektivin Lisa Groß (Theresa Gabriel) und Hans Werthmann (Raphael Scheckel) ihre Ermittlungen auf, während der Praxisbetreiber gerade auf dem Friedhof weilt, um seinen ehemaligen Patienten einen Besuch abzustatten.

Der Vertreter der Ärztekammer drohte: „Hier wird der Heiler von Wintersheim zum Heuler von Wintersheim.“ Doch, sollten überhaupt Konsequenzen zu erwarten sein, die redegewandte Arzthelferin Lore Ley (Nina Arens) und Raumpflegerin Ambrosia Teufel (Lisa Gabriel) setzten alles daran, Ärger von ihrem Chef fernzuhalten.

Gescheiterter Schauspieler

Auch als der gescheiterte Schauspieler Eberhard Kühlmann (Maik Wegner), der ja eigentlich in jede Rolle passt, vor allem die ganz exotischen, seine Praxisgebühr mit Leergut bezahlt, was vom Vertreter der Ärztekammer gesehen wird. Genug Chaos in nur einer Praxis? Von wegen!

Ein wenig Psychologie steckt auch noch drin. Chantal Bollermann (Vivien Köster), die keinen Wert auf ihr Aussehen legt und gegen fünf Brüder ankämpfen muss, erhält – nachdem sie sich mit ihrem Bruder (Sebastian Belke) geprügelt hat – von der Arzthelferin ein attraktives Erscheinungsbild. Und wie es sich für eine echte Bürgermeisterin gehört, hat Minna Moritz (Charlotte Gabriel) die besondere Vision aus dem beschaulichen Ort einen Kurort zu machen. Dass ihr dabei ihr Sohn Kevin (Moritz Gabriel) eine Hilfe sein könnte, war nicht absehbar.

Ob es bei diesem ausgeprägten Chaos zu einem Happy End kommt wird nicht verraten. Fest steht jedoch: Das junge Ensemble überzeugte mit Textsicherheit und passenden Gestiken, so dass so manches Mal kein Auge trocken blieb.

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