Brennpunkt Ausbildung

Berufskraftfahrer: Sibo in Wenden sucht Auzubildende

Die Firma Sibo Verpackungen in Wenden-Gerlingen hat ihren eigenen Fuhrpark. Auch Berufskraftfahrer werden ausgebildet. Im Moment gibt es allerdings keine Interessenten.

Die Firma Sibo Verpackungen in Wenden-Gerlingen hat ihren eigenen Fuhrpark. Auch Berufskraftfahrer werden ausgebildet. Im Moment gibt es allerdings keine Interessenten.

Foto: Sarah Engelhard

Wenden.  Bei Sibo in Wenden-Gerlingen werden Berufskraftfahrer ausgebildet – wenn sich welche finden. Geschäftsführer Bernd Hesse stellt den Beruf vor.

Ein eigenes Bett, einen kleinen Kühlschrank, Radio, Klimaanlage, Standheizung, riesige Fenster und sogar freie Sicht durch ein Dachfenster in den Himmel – und das alles am Arbeitsplatz. Klingt nach einem Traumjob? Wenn es nach Bernd Hesse geht, auf jeden Fall. Er ist Geschäftsführer bei Sibo, außerdem Groß- und Außenhandelskaufmann und Berufskraftfahrer.

Mit 18 Jahren hat er den Motorradführerschein gemacht, in den nächsten Jahren folgten so gut wie alle anderen Führerscheinklassen. „Es gibt nichts, was ich nicht fahren kann“, sagt der 69-Jährige. Der Führerschein ist für ihn ein besonderes Privileg: „Klasse 2 (heute C), das ist für mich Freiheit. Die geb ich nicht einfach ab!“

Ein Job mit Zukunft

350 Lehrlinge hat Hesse in seinem Berufsleben selbst ausgebildet, darunter auch Berufskraftfahrer – drei bis fünf könnte das Unternehmen pro Jahr ausbilden. Doch es werde immer schwieriger, welche zu finden. „Wir hatten immer Auszubildende Berufskraftfahrer, jetzt haben wir keinen mehr.“

Dabei ist der Berufskraftfahrer für Hesse ein Job mit Zukunft – trotz der Entwicklung hin zum autonomen Fahren. „Das autonome Fahren wertet den Berufskraftfahrer sogar auf“, sagt Hesse, „die Leute haben weniger Anstrengung beim Fahren, können sich mit anderen Dingen wie Disposition oder Logistik beschäftigen.“ Junge Leute müssten gewillt sein, sich weiterzubilden. Gerade jetzt, wo sich in der Automobilbranche viel verändere, sei der Job interessant und biete Potenzial für Fortbildungen.

Heutige Lastwagen mit Assistenz-Systemen

Die heutigen Lkw, die bei Sibo alle fünf Jahre gegen neuere Modelle ersetzt werden, bieten jede Menge Komfort. „Als Frau so einen Sattelzug zu fahren ist heute überhaupt kein Problem mehr“, sagt Hesse, während er im Fahrerhaus sitzt und ohne jede Anstrengung den Wagen wendet. Auf einer Fahrt nach Olpe und zurück auf das Gelände der Firma erklärt er die Vorteile der Technik:

Mit Bernd Hesse im Laster der Firma Sibo

Bernd Hesse, Geschäftsführer von der Firma Sibo Verpackungen in Wenden-Gerlingen, sitzt als Kraftfahrer selbst noch hinterm Steuer. Die modernen Lkw haben Assistenzsysteme, die vor überhöhter Geschwindigkeit warnen. Video: Sarah Engelhard
Mit Bernd Hesse im Laster der Firma Sibo

Der Fahrspurassistent kontrolliert, ob der Fahrer in der Spur bleibt. Beim Überfahren der weißen Linie ertönt ein unüberhörbares Summen. Eine Frauenstimme erinnert an die Geschwindigkeitsbegrenzung: „Hier ist Tempolimit 70“ ertönt es aus den Lautsprechern, als das Fahrzeug mit etwa 73 Kilometern pro Stunde über die Landstraße fährt. „Die Abstandsregelung verhindert, dass man zu dicht auf ein anderes Fahrzeug auffährt“, sagt Hesse.

Vorbehalte gegenüber Kraftfahrern

Ihn stört es, dass Lkw-Fahrer allgemein einen schlechten Ruf haben. „Klar gibt es Fahrer, die sich auf der Straße nicht richtig verhalten, aber es kann nicht sein, dass man Berufskraftfahrer hinstellt, als wären sie Verbrecher. Das Gros leistet jeden Tag für die Gesellschaft einen unverzichtbaren Beitrag. Die Leute verlangen, dass Onlinebestellungen am nächsten Tag da sind; dafür müssen die Fahrer über Nacht fahren. Aber dann wird geschimpft, dass Lkw die Autobahn verstopfen.“

Für Hesse sind die Fahrer ein wichtiger Teil des Unternehmens und mehr als nur Transporter der Ware. Logistik und kaufmännische Aufgaben würden in dem Job immer wichtiger. Gleichzeitig seien Fahrer auch Außendienstler. „Sie müssen mit Menschen klar kommen und Brücken bauen. Der Fahrer kommt beim Kunden überall hin und ist sozusagen das Auge der Firma.“

Fahrzeug und Fahrer sind gewissermaßen ein Aushängeschild. Selbstredend, dass deshalb auch das Erscheinungsbild von beiden eine Rolle spielt. „Bei uns gibt’s kein Klimbim in der Fahrerkabine, das ist ja kein Zirkuswagen!“, sagt Hesse bestimmt.

Auch seine Mitarbeiter wünscht er sich ohne „Klimbim“. Piercings, lange oder bunte Haare und Tattoos will Hesse zumindest während der Arbeitszeit nicht sehen. „Wer hier mitmachen möchte, wird vernünftig bezahlt und muss sich während der Arbeitszeit anpassen. Nach Feierabend darf jeder machen, was er will.“

Diese Eigenschaften sollten Bewerber haben

Sonst verlangt er von Bewerbern nicht viel. „Mich interessiert kein Abschluss und kein Zeugnis. Wir brauchen Leute, die zuhören können und ein bisschen gesunden Menschenverstand haben.“ Während des Gesprächs wird deutlich, dass Hesse Prinzipien und Werte hat. Er will die jungen Menschen nicht überzeugen, er wünscht sich Leute, die von sich aus wollen. Es fallen Wörter wie Selbstantrieb, Einsatzbereitschaft, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit.

Im Gegenzug bietet er ihnen ein familiäres Betriebsklima. „Firmen müssen Rückhalt bieten. Mitarbeiter müssen zu uns kommen, auch wenn sie Not haben.“ Generell ist ihm der Austausch wichtig, auch wenn nicht alle die selbe Meinung vertreten. „Wir brauchen kantige Leute, die sich nicht alles gefallen lassen, Leute mit eigener Meinung, die auch mal diskutieren und ihren eigenen Standpunkt vertreten.

Aufstiegschancen im Beruf

Die beste Möglichkeit herauszufinden, ob der Beruf als Kraftfahrer der richtige ist, sei ein Praktikum oder Ferienarbeit bei Sibo – beides wird vergütet.

Auszubildende machen in Zusammenarbeit mit der Fahrschule Bicher in Olpe den Führerschein für Lastkraftwagen. Module wie Arbeitssicherheit und Ladungssicherung gehören außerdem zur Ausbildung. Wer sich gut anstelle, habe Aufstiegschancen, sagt der Geschäftsführer. „Ein guter Kraftfahrer ist eigentlich nach zehn Jahren im Betrieb überall zu vermitteln.“ Doch ob sie das wollen, ist die andere Frage, da spricht Hesse, der selbst noch regelmäßig fährt, aus eigener Erfahrung. „Berufskraftfahrer haben Diesel im Blut, die müssen raus auf die Straße!“

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