Gegen Rassismus

Sekundarschule Olpe-Drolshagen zeigt Courage

Die Sekundarschule Olpe-Drolshagen wird mit dem Siegel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet.  

Die Sekundarschule Olpe-Drolshagen wird mit dem Siegel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet.  

Foto: Riem Karsoua / WP

Olpe.  Unter dem Motto „Für eine Schule gegen Rassismus“ hat eine Projekt-AG gegründet. Heute wurden sie für ihre Arbeit ausgezeichnet.

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Rassismus, Diskriminierung, Antisemitismus und Fremdenhass dürfen in der Gesellschaft keinen Platz haben – das haben sich die Schüler der Projekt-AG „Schule ohne Rassismus“ der Sekundarschule Olpe-Drolshagen groß auf die Fahne geschrieben. Mit zahlreichen Projekten setzen sie sich seit drei Jahren für mehr Toleranz und mehr Gleichgewicht ein. Für ihre geleistete Arbeit überreichte ihnen am heutigen Mittwoch Ute Roth, Schulrätin des Kreises Olpe, das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.“

Für die Zehntklässler ist das Projekt eine „echte Herzensangelegenheit“ geworden, erzählen die beiden Schüler Elisabeth und Florian, die die Moderation des Festaktes übernommen haben. Um an der deutschlandweiten Aktion teilnehmen zu können, benötigten sie 75 Prozent der Stimmen ihrer Mitschüler. „Am Ende haben sogar 93 Prozent unterschrieben. Wir sind überrascht und begeistert, dass es so gut funktioniert hat“, freut sich die Schülerin.

Aufmerksam auf das Projekt sind die Schüler in der achten Klasse geworden, als ihre Lehrer, Jessika Krämer und Frederick Hagemann, mit ihnen im Unterricht über Diskriminierung gesprochen haben. Kurz darauf wurde die Projekt-AG „Schule ohne Rassismus“ gegründet und daraufhin das erste Gemeinschaftsprojekt auf die Beine gestellt. In einem kurzen Video machten die Schüler darauf aufmerksam, wie viele Nationalitäten zu ihrem Alltag gehören: „Deine Demokratie? – Griechisch. Dein Döner? – Türkisch. Dein Schuhe? Amerikanisch“, heißt es darin unter anderem. Das Fazit, das sie zogen: „Komm zur Besinnung. Es gibt nur eine Rasse und die lautet: Mensch.“

Vier besondere Paten gefunden

Und auch die weiteren Projekte ließen nicht lange auf sich warten. So unterstützten sie unter anderem die Initiative Warenkorb und spendeten sowohl Lebensmittel als auch Kleidung. „Mittlerweile ist dieses Projekt eine Tradition geworden und wir hoffen, dass auch unsere Nachfolger diese weiterführen“, so Elisabeth. Für die nächste Aktion zog es die Schüler nach Köln. Dort besichtigten sie verschiedene Gedenkstätten, darunter auch einen Stolperstein, zum Gedenken der Juden und das Denkmal der Sinti und Roma. Und auch am Briefmarathon von Amnesty-International zum „Tag der Menschenrechte“ haben die Schüler teilgenommen. An diesem Tag schreiben tausende Menschen einen – oder auch mehrere – Briefe an Gefangene, die zu unrecht verurteilt wurden und im Gefängnis sitzen. Damals haben sie zu spüren bekommen, welche große Wirkung ihre Arbeit hat. „Einige Wochen später wurden wir darüber informiert, dass einige von den Gefangenen tatsächlich freigelassen wurden. Das hat uns gezeigt, dass wir etwas tun müssen. Wenn nicht wir, wer dann?“, beendete Florian seinen Vortrag.

Die geeigneten Paten für ihre Aktionen fanden sie in Valeska Knoblauch, Mitglied der deutschen Nationalmannschaft Para-Badminton, dem deutschen Sportmoderator Ulrich Potofski und Frank „Froonck“ Matthée, dem durch Fernsehsendungen wie „Vier Hochzeiten, eine Traumreise“ bekannte Hochzeitsplaner.

Ulrich Potofski konnte nicht am Festakt teilnehmen, hinterließ jedoch per Video-Botschaft ein Grußwort und lobte darin die großartige Arbeit, die die Schüler mit ihrem Projekt-Kurs geleistet haben. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Das ist eine große Überschrift zu einem nicht einfachen Thema. Doch ihr habt die Aufgabe vorbildlich umgesetzt.“

„Danke, dass ihr Flagge zeigt“

Weiter ging es mit einem Interview mit der Para-Badminton-Spielerin und ehemaligen Schülerin des städtischen Gymnasiums in Olpe, Valeska Knoblauch. Im Alter von 14 Jahren stürzte sie aus dem Fenster und ist seit dem querschnittsgelähmt. Ihre Lebensfreude hat sie dennoch nicht verloren. Auf die Frage der Schüler, wie sie gelernt hat, mit ihrem schweren Schicksal umzugehen, antwortete sie: „Ich war einfach froh, dass ich trotz allem zurück in meine alte Schule konnte, in meine alte Klasse und zu meinen Freunden. Außerdem hatte ich große Unterstützung von meinen Freunden und meiner Familie.“

Auch sie fand ausschließlich positive Worte für die Projekte, die die Schüler auf die Beine gestellt haben und ermutigte sie, stets daran festzuhalten: „Macht weiter so! Bleibt entspannt und offen allen Menschen gegenüber“, gab sie ihnen mit auf den Weg.

Was es bedeutet, anders als die „normale“ Gesellschaft zu sein, ausgeschlossen und einer Minderheit anzugehören, weiß auch der Hochzeitsplaner Froonk Matthée. Er selbst ist in Olpe geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. „In meiner Jugend habe ich selbst eine Art der Ausgrenzung erlebt. Als schwuler Mann gehöre ich ebenfalls einer Minderheit an.“ Er machte in seiner Rede darauf aufmerksam, dass es wichtig sei, auf die Menschen zuzugehen, um Vorurteile abzubauen. Gerade in Kleinstädten wie in Olpe sei es schwer, sich frei zu entfalten. Er wisse, wie viel Anstrengung benötigt werde, ein deutliches Zeichen gegen Ungerechtigkeit zu setzen. Deshalb sprach er den Schülern einen Dank aus, der spürbar vom Herzen kam: „Danke, dass ihr Flagge zeigt. Danke, dass ihr Zivilcourage zeigt. Nicht jeder hat die Stärke, selbstbewusst zu sein und das nötige Selbstvertrauen.“

Doch nicht nur den Schülern, sondern auch denen, die sie seit dem ersten Moment unterstützen, galt ein großes Lob. Schulleiter Christian Otto: „So ein Projekt ist nicht mal eben gemacht. Dafür braucht es starke Schüler und ein starkes Kollegium.“

Bevor Schulrätin Ute Roth der Projekt-AG die Urkunde überreichte, sprach auch sie anerkennende Worte: „Dieses Projekt spricht für euch und eure gesamte Schule. So etwas ist kein Selbstläufer. Dafür bedarf es großen Schüler-Engagements. Ihr habt es geschafft zu zeigen, dass Rassismus und Diskriminierung hier keinen Platz haben.“

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