Breitbandausbau

Schnelles Internet für Gewerbegebiete im Kreis Olpe

Mit 8,34 Millionen Euro von Bund und Ländern sowie 560 000 Euro von Städten und Gemeinden

Foto: Michael Kleinrensing

Mit 8,34 Millionen Euro von Bund und Ländern sowie 560 000 Euro von Städten und Gemeinden Foto: Michael Kleinrensing

Kreis Olpe.   Der Kreis Olpe baut Breitband-Netz in den Gewerbegebieten mit 8,34 Millionen Euro aus. Ende 2019 soll alles fertig sein. Die Landwirte gucken in die Röhre.

„Verpassen Sie nicht den Anschluss an die Zukunft“, heißt es in einem Image-Film, der zu Beginn der Infoveranstaltung des Kreises Olpe zum Thema „Breitbandausbau in Gewerbegebieten“ gezeigt wurde. Landrat Frank Beckehoff ergriff im Anschluss das Wort. „Der Film zeigt ein zukünftiges Szenario, in dem alle Unternehmen über einen direkten Glasfaseranschluss verfügen. Ganz so weit sind wir bekanntlich noch nicht.“

Doch eine zukunftssichere Breitbandversorgung sei unverzichtbar, wenn Wirtschaftskraft und gute Lebensbedingungen im Kreis erhalten bleiben sollen. Bund und Land versprechen eine flächendeckende Breitbandversorgung von 50Mbit/s bis 2018. Viele der insgesamt 130 Teilnehmer hätten sich sicherlich angemeldet, um zu erfahren, wann es für die eigene Firma so weit sei, mutmaßte Beckehoff: „Ein Teil von Ihnen wird heute recht zufrieden nach Hause gehen, ein anderer Teil wird nicht das Erhoffte hören und sich in Geduld üben müssen.“

Die Kriterien

Bei dem Breitbandausbau seien komplexe rechtliche Vorgaben zu berücksichtigen.

1. Eigenwirtschaftlicher Ausbau: Überall, wo der eigenwirtschaftliche Ausbau der verschiedenen Netzbetreiber angekündigt ist, darf keine staatliche Förderung erfolgen.

2. Die Aufgreifschwelle: Diese beschreibt die Versorgungsrate, nach der ein Gebiet als weißer Fleck gilt. Diese Schwelle sei in den letzten Jahren erhöht worden. In den Gebieten, wo bereits eine Versorgungsrate von 30 Mbit/s erreicht wird, darf keine Förderung des Breitbandausbaus erfolgen. „Hierunter fallen rund 67 Prozent der Anschlüsse in unserem Kreisgebiet“, so der Landrat. „Gleichwohl gelten viele Bereiche des Kreisgebietes insbesondere Gewerbegebiete als unterversorgt, dort muss dringend etwas passieren.“

Die Finanzierung

2015 hat sich der Kreis Olpe als einer der Ersten erfolgreich um Fördermittel des Bundes beworben. Im Juli 2017 gab es die endgültige Förderzusage des Bundes, das Land NRW sagte die Kofinanzierung zu, so dass dem Kreis jetzt 8,34 Millionen für den Breitbandausbau zur Verfügung stehen. Die Städten und Gemeinden im Kreis steuern zusätzlich einen Eigenanteil von 565 000 Euro bei.

Mit dem Geld soll in mehr als 10 000 Haushalten und 27 Gewerbegebieten die Breitbandanbindung verbessert werden. In den Ortsbereichen ist ein Anschluss der Kabelzweige an das Glasfasernetz geplant, die einzelnen Anschlüsse werden weiterhin über das vorhandene Kupferkabelnetz angebunden. Das Resultat: Rund 98 Prozent der Haushalte erreichen Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 50Mbits, die verbleibenden zwei Prozent mindestens 30 Mbit/s.

In den 27 Gewerbegebieten soll ein FTTH-Ausbau (Fiber to the home) erfolgen – die Glasfaseranbindung wird bis in die Unternehmen verlegt. Damit werden mindestens 100 Mbit/s verfügbar sein.

Der Zeitplan

Seit über 20 Monaten arbeite der Kreis ausschließlich an den finanzierungs- und Vertragsgrundlagen. „Noch ist kein Bagger gerollt“, so der Landrat. Reinhard Rohleder von der deutschen Telekom erläuterte: „Wir haben Meilensteine festgelegt. Im März wollen wir alles unter Dach und Fach haben und im April rollen die Bagger an und dann geht’s los.“ Gerechnet wird mit 24 Monaten Bauzeit. Der Ausbau soll Ende 2019 abgeschlossen sein – vier Jahre nach Start des Förderprogramms. Die ersten Unternehmen könnten laut Zeitplan im Oktober 2018 ans Netz angeschlossen sein, die letzten im August 2019. „In meinen Augen ist das ein unglaublicher Zeitraum“, sagte Beckehoff.

Die Verlierer

In der Diskussionsrunde meldeten sich Vertreter von Firmen und Organisationen, die von dem Ausbau auf den ersten Blick nicht profitieren. Beispielsweise die Frage nach Mischgebieten kam auf. Martin Dornseifer ist der Breitbandkoordinator des Kreises und Ansprechpartner. Er wiederholte, dass Gebiete, in denen bereits 30 Mbit/s erreicht werden, nicht gefördert werden. Eine bessere Versorgung könne jedoch im Einzelfall besprochen werden und eventuell auch über andere Netzbetreiber abgedeckt werden. Reinhard Rohleder machte Hoffnung: „Wenn die Glasfaser schon mal wenige Meter an ein Unternehmen herankommt, wird es ein Leichtes sein – egal ob gefördert oder nicht – weitere Unternehmen mit anzubinden.“

Ein Vertreter des Landwirtschaftsverbandes fragte nach der Situation der Gehöfte. „Es kann sein, dass der eine oder andere Hof vom Ausbau profitiert, doch das wird vermutlich bei den landwirtschaftlichen Betrieben in der Mehrzahl nicht der Fall sein“, sagte Dornseifer. Rohleder schlug vor, dass sich Landwirte zusammenschließen könnten, um Glasfaser verlegen zu lassen. Armin Judas von der Telekom betonte, dass jeder Fall individuell betrachtet werden müsse. Letztendlich profitiere jeder vom Ausbau, weil die Glasfaser näher kommt, an einzelnen Häusern vielleicht bis vor die Haustür.

Diese Gebiete sollen ausgebaut werden

Attendorn: GwG Donnerwege, Askay, in der Stesse/Kölner Straße, Biggen, Ennest, Ewig, Kraghammer, Mecklinghausen.

Finnentrop: Teil 2+3, Rönkhausen einschließlich Therecker Weg.

Drolshagen: Hagener Straße, Germinghausen-Buchholz, Scheda, Sendschotten-in der Sengenau.

Olpe: In der Trifft, Dahl-Raiffeisenstraße, Friedrichsthal, Oberveischede.

Lennestadt: Grevenbrück PaulMüller Straße, Industriestraße Oedingen, Straße Lüttenberg, Saalhausen Winterberger Straße.

Wenden: Gerlingen Auf dem Ohl, Hilmicke Nordstraße.

Kirchhundem: nicht Teil des geförderten Gebietes, jedoch findet dort ein Eigenausbau der Telekom statt.

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