Gesundheit

 Rheuma im Kreis Olpe: Wenn die Gelenke plötzlich schmerzen

Silke Althoff, Christiane Schulze und Karl-Heinz Diedrichs von Rheuma Liga Olpe.

Silke Althoff, Christiane Schulze und Karl-Heinz Diedrichs von Rheuma Liga Olpe.

Foto: Verena Hallermann

Attendorn.   Rheuma ist keine Krankheit der älteren Leute. Drei Betroffene aus dem Kreis Olpe erzählen, wie sie mit den Entzündungen in den Gelenken umgehen

Rheuma wird häufig als eine Krankheit der älteren Generation verstanden. Doch das ist ein Irrtum. Silke Althoff ist gerade mal 43 Jahre alt und leidet schon seit ihrer Jugend an Rheuma. Vor allem an den Händen. Ihre Finger sind geschwollen, sie kann sie kaum noch strecken. Ihre Handgelenke sind mit den Jahren immer steifer geworden. „Es gibt auch Babys, die die Krankheit haben“, sagt die Attendornerin. Bei einem Gespräch in den Räumen der Rheuma-Liga in der Helios Klinik in Attendorn erzählt die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft, warum für sie selbst Einkaufen ein Problem ist.

Vor 24 Jahren fing es an. Silke Althoff erkrankte an Scharlach. Fieber ging mit Infektionskrankheiten einher. Aus den Fieberschüben entwickelte sich ein rheumatisches Fieber. Heute leidet Althoff an der sogenannten rheumatoiden Arthritis, auch „entzündliches Rheuma“ genannt.

Sie hat zwei neue Kniegelenke bekommen, da war sie gerade 30. Krankengymnastik, Ergotherapie – und starke Medikamente wie Morphium gehören seit jeher zu ihrem Leben dazu. „Einmal habe ich die Medikamente abends vergessen“, erinnert sich Althoff. „Am Tag danach ging nichts mehr. Ich war müde, erschöpft, mir war übel. Das Immunsystem ist dann nur noch mit der Entzündung beschäftigt.“

Starke Medikamente

Die Medikamente bei Rheuma-Patienten haben es in sich. Auch Krebspatienten bekommen sie verschrieben – jedoch höher dosiert. Die Zellteilung im Körper wird gehemmt. Ohne die Medikamente könnte sich Silke Althoff kaum noch bewegen. Arbeiten ist schon lange nicht mehr möglich. Seit ihrem 36. Lebensjahr ist Althoff verrentet. Auch im Alltag steht die 43-Jährige immer wieder vor Hindernissen. „Ich darf höchstens drei Kilo heben“, sagt Althoff. „Da wird beim Einkaufen selbst die Kiste Wasser zum Problem.“

Vor zehn Jahren hat sie sich der Rheuma-Liga angeschlossen, dem größten Selbsthilfeverband Deutschlands. Heute ist sie die Sprecherin der Olper Arbeitsgemeinschaft. Dort erhalten Betroffene Unterstützung, werden über ihre Krankheit aufgeklärt. Es ist aber vor allem der Austausch, den Silke Althoff in der Arbeitsgemeinschaft so sehr schätzt. Den Austausch mit Menschen wie Christiane Schulze und Karl-Heinz Diedrichs – ebenfalls Rheuma-Patienten.

Christiane Schulze ist 53 Jahre alt, gelernte Ergotherapeutin und mittlerweile Rheuma-Beraterin. Sie leidet an Schuppenflechte – allerdings nicht auf der Haut, sondern in den Gelenken. Psoriasis Arthritis lautet die korrekte Fachbezeichnung. Dabei sind die Gelenke entzündet, können sogar zerstört werden. Schulze wurde nun schon zweimal an der Halswirbelsäule operiert, teilweise wurden Bandscheiben entfernt, die Halswirbel versteift. „Ich mache sehr viel Sport“, erzählt die zweifache Mutter aus Attendorn. „Jeden Tag zwei Stunden Workout und Walken, damit die Gelenke in Bewegung bleiben.“

Die Arbeiten im und am Haus fallen Karl-Heinz Diedrichs mittlerweile schwer. Finger, Zehen und Handgelenke sind bei dem 68-Jährigen besonders betroffen. „Kälte kann ich nicht vertragen“, sagt er und zeigt seine steifen Finger. „Aber auch im Sommer merke ich die Gewitter.“ Seit vier Jahren ist er nun Rentner. Die Rheumatoide Arthritis hat ihm oft Probleme bei seiner Arbeit als Techniker gemacht.

Der Umgang mit der Maus am PC fiel schwer, genau wie das Laufen und Sitzen. Häufig musste Diedrichs eine Halskrause tragen. Trotzdem: Der Senior möchte sich nicht unterkriegen lassen. „Ich kann damit umgehen“, sagt er und erzählt, dass er mittlerweile die städtischen Gruppen der Rheuma-Liga betreut.

400 Mitglieder in Olpe

Die Arbeitsgemeinschaft der Rheuma-Liga für den Kreis Olpe ist groß. 400 Menschen sind Mitglied, nutzen die verschiedenen Hilfs- und Gymnastikangebote, besuchen Vorträge von Ärzten.

AG-Sprecherin Silke Althoff betont, dass sie sich über jedes weitere Mitglied freut.

Die Krankheit hat viele Gesichter. Denn Rheuma umfasst 400 verschiedene Erkrankungen, macht Althoff deutlich: „Deswegen ist es so wichtig, dass in der Ärzte-Bedarfsplanung mehr Rheumatologen berücksichtig werden“, sagt sie. „Denn davon haben wir auch im Kreis Olpe noch zu wenige.“

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