Kommentar

Protest statt „Wahlverzicht“ - Kreis Olpe liegt im Trend

Redakteur / Redaktionsleiter Herbert Kranz WP
Redaktion Olpe WP
am 11.04.2012 in Olpe 
Foto: Thomas Nitsche / WP

Redakteur / Redaktionsleiter Herbert Kranz WP Redaktion Olpe WP am 11.04.2012 in Olpe Foto: Thomas Nitsche / WP

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Auch der Kreis Olpe liegt im Trend – obwohl das Wahlergebnis der AfD nicht zweistellig ausgefallen ist. Protest gegen die etablierten Parteien ist sicher ein wesentlicher Grund für diese Wählerstimmen.

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Dass sich der Protest auch im Kreis Olpe gegen die CDU richtet, kann man auch an einem anderen Phänomen ablesen. Der heimische CDU-Kandidat Dr. Matthias Heider hat mit 54,5 Prozent der Erststimmen sehr gut abgeschnitten und im Vergleich zu 2013 sogar zugelegt. Die CDU liegt bei den Zweitstimmen mit 46,9 Prozent (2013: 48 Prozent) deutlich hinter ihm.

Wirft man einen Blick auf die FDP, stellt man fest, dass sie bei den Zweitstimmen (14,05 Prozent) deutlich besser abgeschnitten hat als bei den Erststimmen (8,57). Ein starkes Indiz dafür, dass der heimische Politiker mehr Vertrauen genießt als die Partei und möglicherweise viele CDU-Wähler mit ihrem „Zweit-Kreuzchen“ bei der FDP einer anderen Koalition den Weg bereiten wollten.

Auch Nezahat Baradari holte mit 22,5 Prozent mehr Stimmen als ihre Partei (20,2). Petra Crone hatte 2013 noch mehr als 32 Prozent bekommen, die SPD 28,2. Das schwache Abschneiden entspricht dem Bundestrend.

Gleichauf liegen kreisweit die Ergebnisse für die AfD (7,72) und ihren Kandidaten Klaus Heger (7,38). Christian Hohn konnte nicht so gut abschneiden wie die Grünen. Beide liegen etwa ein Prozent auseinander, wobei die Partei selbst nur 4,02 Prozent (2013: 5,2) bekam. Ähnlich schwach stehen die Linken mit 4,41 Prozent (2013: 4,8) da.

Unter dem Strich alles bestens im Kreis Olpe? Nein. Ganz offensichtlich gibt es auch im Kreis Olpe eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Wählerinnen und Wählern, die mit der Politik auf Bundesebene nicht viel anfangen können.

Auf kommunaler Ebene dagegen kann sich die CDU genau wie Matthias Heider auch weiter über viel Zustimmung freuen. Selbst wenn man unterstellt, dass viele Zweitstimmen zur FDP gewandert sind, dürfte doch mancher CDU-Wähler sein Kreuzchen bei der AfD gemacht haben. Möglicherweise ist auch die höhere Wahlbeteiligung (76,4 statt 71,4 Prozent) darauf zurückzuführen, dass viele, die bisher „Wahlverzicht“ geübt haben, die Chance zum Protest nutzen wollten.

Vielleicht heißt eine Lehre aus dem Wahlausgang, dass man Wähler künftig bei Entscheidungen besser informieren und mehr in Entscheidungsprozesse einbinden sollte. Ein Gedanke, den sich auch mancher Stadt- und Gemeinderat auf die Fahnen schreiben sollte. Die nächsten Kommunalwahlen kommen bestimmt.

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