Amtsgericht Olpe

Kinderpornografie: Polizist aus Kreis Olpe verurteilt

Im Olper Amtsgericht saß ein Polizeibeamter auf der Anklagebank. Das Urteil von Justitia: Zwei Jahre auf Bewährung. Urteil.

Im Olper Amtsgericht saß ein Polizeibeamter auf der Anklagebank. Das Urteil von Justitia: Zwei Jahre auf Bewährung. Urteil.

Foto: WP

Olpe.   Ein Polizist aus dem Kreis Olpe war in die pädophile Internet-Szene abgerutscht und in eine Internet-Razzia geraten. Jetzt gab es die Quittung.

Für gleich mehrfache Überraschungen sorgte am Vormittag im Amtsgericht Olpe ein Verfahren unter anderem wegen der massenhaften Verbreitung kinderpornografischer Fotos im Internet: Zum einen saß auf der Anklagebank ein Polizeibeamter aus dem Kreis Olpe, zum anderen führte mit Amtsrichter Benjamin Fritzsche ein Richter das Verfahren, der ansonsten eher nicht mit strafrechtlichen Verfahren befasst ist. Den Grund dafür konnte Fritzsche eingangs des Prozesses einfach erklären: „Die normalerweise zuständigen Kollegen haben sich für befangen erklärt.“

Eines vorweg: Der Polizist, der seit einer Internet-Razzia in seinem Haus vom Dienst suspendiert ist und nach dem Urteil den Polizeidienst quittieren muss, kam mit einem Blauen Auge davon. Das Schöffengericht verurteilte den geständigen Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren - allerdings auf Bewährung. Das hatte Staatsanwältin Katharina Burchert in ihrem Plädoyer gefordert, Verteidiger Thomas Trapp (Finnentrop) hatte eineinhalb Jahre zur Bewährung für angemessen gehalten.

Über 30 Dienstjahre bei der Polizei

Rätselhaft blieb während des gesamten Prozesses, warum der Angeklagte, der sich in über 30 Dienstjahren nie etwas zu Schulden hatte kommen lassen, in den pädophilen Abgrund geraten war.

Dort hatte er umfangreich auf einschlägigen Internet-Foren Fotos heruntergeladen und sie mit Gleichgesinnten getauscht. Staatsanwältin Katharina Burchert brauchte eine geschlagene Dreiviertelstunde, um die endlose Anklageliste mit fast 120 Punkten zu verlesen. Nicht, ohne die Anwesenden auch mit Ekel erregenden Details zu konfrontieren. Zu sehen waren auf unzähligen Fotos Mädchen unter 14 Jahren, die in einigen Fällen sogar jünger als Grundschulkinder waren, aber auch Fotos von Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren.

Taten von 2015 bis 2017 nachgewiesen

Nachgewiesen werden konnten Taten von 2015 bis einschließlich 2017. Vor allem in den Monaten Juni/Juli 2017 hatte sich der Angeklagte mit Teilnehmern der perversen Szene ausgetauscht, von denen inzwischen einige ebenfalls vor Gericht landeten, wie die Beweisaufnahme ergab.

In einem Fall hatte er sich sogar im Videochat mit einem jungen Mädchen ausgetauscht, an sich selbst sexuelle Handlungen vorgenommen und dem Mädchen lobende Kommentare zukommen lassen, was sich im Urteil als versuchter sexueller Missbrauch von Kindern niederschlug.

Strafverteidiger Thomas Trapp oblag es, dem Gericht zumindest eine Erklärung, keine Entschuldigung zu geben, wie es zu dem Abdriften in die pädophilen Tiefen des bis dahin unbescholtenen Beamten hatte kommen können. Wesentlichster Grund, so Trapp: „Schwere depressive Episoden des Angeklagten.“

Ablenkung während Depression gesucht

Der Polizeibeamte selbst versuchte, seine Taten damit zu erklären, dass er während dieser depressiven Phasen Ablenkung gesucht habe und im Internet immer tiefer in die kinderpornografische Szene abgerutscht sei.

Der mittlerweile zweimal geschiedene Mann beteuerte, dass der Umgang mit solchen Sachen eigentlich nicht seinen ethischen Wertvorstellungen entspreche. In seinem letzten Wort versicherte er: „Ich bin froh, dass ich da raus bin.“ Er befinde sich in psychotherapeutischer und psychiatrischer Therapie, werde medikamentös eingestellt und komme damit gut zurecht. Auch seine pädophilen Neigungen würden in der Therapie aufgearbeitet.

Verteidiger Trapp war sich ganz sicher: „Er hat ansonsten ein makelloses Leben geführt und wird mit absoluter Sicherheit in dieser Hinsicht nicht mehr straffällig werden.“

Trapp verwies darauf, der Angeklagte verliere nicht nur seinen Beruf, sondern sämtlich Pensionsansprüche. Ehemalige Bekannte und Freunde würden ihn meiden, er habe alles verloren und stehe auch materiell vor dem Nichts. Dem konnten Staatsanwalt und Gericht folgen.

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