Wettstreit

Olper reisen zum Finale des Speaker-Slams nach München

Olper beim Speaker Slam in München

Die Olper Sascha Burghaus, Antonino Alfano und Björn Müsse beim Sprecherwettstreit in München. Video: privat
Fr, 09.02.2018, 18.09 Uhr

Die Olper Sascha Burghaus, Antonino Alfano und Björn Müsse beim Sprecherwettstreit in München. Video: privat

Beschreibung anzeigen

Olpe.   Sascha Burghaus, Antonino Alfano und Björn Müsse nehmen an einem Speaker-Slam teil. Das Schicksal führt die drei Jugendlichen aus Olpe zusammen.

Sie wollen reden. Viel und lange. Vor möglichst großem Publikum. Über Gesundheit, über Geld, über Persönlichkeitsentwicklungen und über ihre negativen Erfahrungen. Die Rede ist von Sascha Burghaus (19), Antonino Alfano (21) und Björn Müsse (25).

Das Trio eint die Lust, Menschen zu unterhalten. Sie sagen, sie seien regelrechte Rampensäue. Deshalb haben sich die Olper dazu entschlossen, an einem internationalen Speaker-Slam in München teilzunehmen. Mit großem Erfolg: Mitte März reisen die Drei erneut in die bayerische Landeshauptstadt. Zum Finale.

Der Speaker-Slam

Was ist denn das?
Von dem Format gleicht der Speaker- dem Poetry-Slam. Die Redner stehen auf der Bühne und haben fünf Minuten, um ihre Geschichten zu erzählen. Die Themen sind frei wählbar. Die Vorträge können wahlweise unterhalten, mitreißen oder zum Nachdenken anregen.

Diesen Sprecher-Wettstreit gibt es seit einigen Jahren. Ins Leben gerufen hat ihn Hermann Scherer aus Masterhausen in Rheinland-Pfalz, ein studierter Betriebswirt und erfolgreicher Geschäftsredner, der von Unternehmen gebucht wird, um bei Fortbildungen oder Kongressen aufzutreten. „Die meisten Redner sind Experten in ihren Branchen und wollen mit ihren Beiträgen Wissen nach außen tragen“, erklärt Josua Laufer, der in der Agentur Scherers arbeitet. Tatsächlich gibt es für diese Speaker-Branche einen großen Markt. „Die Nachfrage von Seiten der Unternehmen ist riesig“, erklärt Laufer und nennt ein Beispiel: „Alleine in Berlin gibt es jährlich 100 000 Events, bei denen Redner gebucht werden.“ Bei jedem Slam kann sich auch der Nachwuchs in Stellung bringen.

Das Motiv

Warum die Olper mitmachen
Die Drei profitieren gleich doppelt von diesem Wettbewerb: Es sei bestes Training und sie könnten Kontakte knüpfen. „Wir haben festgestellt: Wenn wir vor Leuten reden wollen, dann müssen wir das Handwerk auch beherrschen“, erklärt Müsse und Burghaus ergänzt: „Eine Bühne zu betreten, ist ja irgendwie unser Alltagsgeschäft.“ Darüber hinaus kann es für sie eine Chance sein, dass bei diesem Slam nicht nur Mitarbeiter großer Redner-Agenturen, sondern auch viele Unternehmen im Publikum sitzen. Potenzielle Kunden. Um zu verstehen, was die drei Talente antreibt, müssen wir einen Blick auf den Werdegang der Olper werfen.

1. Antonino Alfano: Der 21-Jährige verlässt 2013 mit der Mittleren Reife die Realschule Olpe. Er startet im Anschluss eine Ausbildung als Elektriker. „Ich habe damals auf meinen Vater gehört und mich für eine Lehre im Handwerk entschieden.“ Glücklich wird er damit nicht. Ihn beschäftigen andere Themen. Alfano erklärt: „Schon während meiner Ausbildung habe ich mich sehr für Finanzen interessiert und nebenher in diversen Betrieben gearbeitet.“ Im Januar 2017, nach Abschluss seiner Ausbildung, verwirklicht er seinen Traum und macht sich als Berater in einem Vertrieb selbstständig.


2. Sascha Burghaus: Nach seinem Abschluss an der Hakemicke-Schule beginnt der 19-Jährige im Sommer 2014 eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Für ihn ein Fehlgriff. „Ich habe es zwei Jahre ausgehalten und dann abgebrochen. Ich konnte mich dort nicht verwirklichen“, sagt er. In dieser schwierigen Phase lernt Sascha Burghaus einen Persönlichkeitstrainer kennen, der ihm schnell klarmacht: Er solle nicht im Büro versauern, sondern mit Menschen arbeiten. So orientiert sich Burghaus noch während seiner Ausbildung um und heuert zufällig im selben Finanzvertrieb an, wie Alfano.


3. Björn Müsse: In der besagten Firma treffen sie auf Björn Müsse. Nach dem Abitur 2012 in Siegen absolviert der 25-Jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). „Ich wusste seinerzeit nicht, was ich machen sollte und habe lange nach beruflicher Anerkennung gesucht“, erklärt der gebürtige Siegerländer.

Nach dem FSJ und einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg stößt er auf eine Anzeige, die ihn neugierig macht: Ein Duales Studium im Fach Fitnessökonomie. „Weil ich schon immer eloquent und kommunikativ war und zudem eine Leidenschaft für den Kampfsport habe, war das genau das Richtige für mich“, sagt er. Er beginnt dieses Studium. Zunächst arbeitet er in Siegen, bevor er im Mai 2017 in ein Olper Fitness-Studio als Personal Trainer wechselt. Doch auch ihm reicht das nicht. Denn er erkennt eine Schwäche bei sich: „Ich muss im Verkauf besser werden.“ Also tritt er nebenberuflich eine halbe Stelle als Selbstständiger in demselben Vertrieb an, in dem auch Alfano und Burghaus arbeiten.

Ein Neustart

Und dann kommt das Start-Up
Für jeden der Drei ist es ein Neustart. In jeglicher Hinsicht. Zwar wagen sie den Sprung in die Selbstständigkeit aus unterschiedlichen Motiven, doch eines verbindet sie von Beginn an: „Wir haben alle Probleme mit unserer Ausbildung gehabt“, sagt Müsse. Daraus entsteht eine Idee: Sie gründen Anfang dieses Jahres ein eigenes Start-Up. Es trägt den Namen Mitunternehmer Südwestfalen. Ihre Vision: Sie wollen Schüler und Azubis auf deren Weg ins Berufsleben begleiten, damit diese nicht dieselben Erfahrungen machen müssen.

Unternehmen haben die Möglichkeit, einen Teil der Ausbildung ihrer Azubis in die Hände von Burghaus, Müsse und Alfano zu legen. Die Drei bieten an, den Jugendlichen Sozialkompetenzen und unternehmerisches Denken zu vermitteln. Und darüber hinaus Wissen aus ihrem persönlichen Erleben weiterzugeben, also zu den Themen Gesundheit, Geld und Persönlichkeitsentwicklung. Dies sind gleichzeitig die Inhalte der Reden, die sie auch im Wettbewerb halten. Für jeden der Drei ist die Situation neu: Sie haben endlich etwas gefunden, was zu ihren Stärken passt. Und sollten ihnen nochmals Zweifel kommen, wissen sie: Auch das schaffen wir.

>>> Neuer Rekord angepeilt

Bei dem Halbfinale, das vor wenigen Tagen ebenfalls in München stattfand, gab es laut Veranstalter einen neuen Weltrekord: An einem Abend standen nämlich 54 Redner auf der Bühne, die ihre Geschichten präsentierten. Am 15. März, wenn das Finale ansteht, wollen die Veranstalter um Hermann Scherer diesen Rekord noch einmal toppen und mehr als 60 Rednern lauschen. Die achtköpfige Jury wählt danach den Gewinner aus, der sich über einen Preis sowie einen Workshop unter Anleitung des Profis freuen darf. Beurteilen werde die Jury unter anderem nach den Gesichtspunkten: Wie vermarktungsfähig ist die Rede und wie eignet sie sich für Fernsehen oder Radio.

Erwartet werden zum Finale, das im Holiday Inn in München ausgetragen wird, rund 250 Zuschauer. Um den Wettkampf finanzieren zu können, müssen sich die Teilnehmer an den Kosten beteiligen.

Mehr zum Thema
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik