Olpe

Olper Marktplatz: Eine Stadt im Muggelfieber

Einzug der Kinder auf den Marktplatz. Zur Erkennungsmelodie und pünktlich um 14 Uhr zum obligatorischen Glockenschlag von St. Martinus.

Einzug der Kinder auf den Marktplatz. Zur Erkennungsmelodie und pünktlich um 14 Uhr zum obligatorischen Glockenschlag von St. Martinus.

Foto: Birgit Engel

Olpe.  Sie ist und bleibt ein Evergreen. Die Olper Muggelkirmes lockt gleichermaßen Alt und Jung für den guten Zweck auf den Marktplatz.

Im Sommer 1974 kamen die Rubettes mit „Sugar Baby Love“ ganz groß raus. Es war ihr erster und zugleich größter Hit, der später als einer der erfolgreichsten Oldies aller Zeiten ausgezeichnet wurde. Kein Zufall also, dass der Song zur Erkennungsmelodie der Olper Muggelkirmes wurde, die 1974 ein Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene ins Leben riefen. Der Fuhrpark bestand aus einem alten Mofa, später kamen ausgediente alte Krankenhausbetten als Transportmittel hinzu.

Heute gehört die Muggelkirmes längst zu den absoluten Höhepunkten im Leben der Kreisstadt. Ein Oldie im Bestehen, aber immer noch jung im Sein, begeistert sie Menschen aller Generationen und ist in ihrer Art etwas ganz Besonderes. „Muggel“, das klingt nach Harry Potter, nach England und Hogwarts. Doch den Olper Muggel gab es schon lange vor Joanne K. Rowling, und man muss für ihn nicht weit reisen: Es genügt ein Ausflug in die Kreisstadt. Dort, auf dem Marktplatz im Schatten von St. Martinus, spielen, staunen und lachen die Bürger und ihre Gäste zur Kirchweih mit eben diesem Muggel.

Ein Muggel für 20 Cent

Der Muggel, aufgefädelt zu je zehn Stück zu einer Kette, ist rund, hat ein Loch in der Mitte, kostet 20 Cent und sorgt für jede Menge Spaß. Auch, wenn aus der ehemals kleinen feinen Idee eine riesige Logistik geworden ist. Das Ziel ist geblieben: Miteinander. Füreinander. Für eine Welt. Einzigartig, engagiert, empathisch – das sind die Attribute der Veranstaltung namens Muggelkirmes.

Ein festes Team organisiert den Unterbau des fröhlichen Spiel- und Budenfestes, unzählige Kinder und Erwachsene füllen es mit jeder Menge Leben. Diese Kirmes ist schlichtweg ein sonderbares Phänomen, die Olper haben ein ganz spezielles, liebevolles Verhältnis zu ihr.

Man spürt das Kribbeln, wenn der Kalender nur noch wenige Tage bis zu diesem gewissen Sonntag zählt. Überall wird gesammelt, gedacht, gebastelt, gemalt. Und jedes Kind kennt die Frage: „Hast du schon dein Spiel und dein Kostüm?“ Und so war es auch gestern wie immer: laut, bunt, lustig und ausgelassen. Mit Flohmarkt und Buchantiquariat, Schallplattenbörse und Kreuzpension. Mit Weinlaube, Weißbierstand und Kölsch, mit Erbsensuppe, Pommes, Würstchen, Reibekuchen, hausgemachten Torten und tonnenweise Süßigkeiten.

Ist klar, dass in der Kreisstadt an diesem Sonntag die Küche kalt bleibt.

Wie oft schlägt die Turmuhr?

Die Superfrage der Zylinderköpfe – übrigens hat sich ja die Sache mit dem Fresskorb geklärt – lautete dieses Mal: Wie oft schlägt die Turmuhr von St. Martinus jeden Tag – wenn sie denn richtig tickt?

Viele Spielstände

Ja, und dann waren da ja noch unzählige Spielstände, die von über einhundert Kindern betrieben wurden. Da fuhr der Biggesee-Express, es gab Flamingos zu sehen, in Transsylvanien war es ganz schön unheimlich, und selbst Harry Potter war wohl neugierig geworden und mit einem tollen Spiel in der Stadt. Und da ein Fest wie die Muggelkirmes natürlich Zauberei und Magie, Schlangenbeschwörer, Musik, Tanz und Show braucht, gab es auch das.

Auf zwei großen Bühnen ging die Post ab. Den Anfang machten ganz traditionell die Bläser vom Hatzenberg. Am Ende des Tages war man sich einmal mehr einig: Es war großartig. Für alle kleinen, großen, alten und jungen Besucher.

Und wenn am Abend das eigentliche Programm zu Ende geht und die Muggelkinder glücklich und müde ihre Spielstände zusammenpacken, ist noch lange nicht Schluss. Jede Menge Aufräum-, Hebe- und Schlepparbeiten stehen an. Langsam weicht dann die Dämmerung dem Dunkel. Zeit, bei einem Glas Wein zusammenzustehen und sich über einen abermals gelungenen Muggel-Tag zu freuen.

Um 22 Uhr sah der Markplatz aus, als wäre nichts gewesen. Na dann, bis zum nächsten Jahr!

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