Serie "24 Stunden"

Olper Landwirte finden ihren Beruf immer attraktiver

Mit schwerem Gerät kennen sie sich aus: Die Landwirte Benedikt (vorne) und Stefan Becker-Borggräfe wachsen auf dem elterlichen Milchviehbetrieb auf und leiten diesen inzwischen auch.

Mit schwerem Gerät kennen sie sich aus: Die Landwirte Benedikt (vorne) und Stefan Becker-Borggräfe wachsen auf dem elterlichen Milchviehbetrieb auf und leiten diesen inzwischen auch.

Foto: Linda Sonnenberg

Kreis Olpe.   17 Uhr: Arbeitszeiten von 6 bis 18 Uhr, Dauer-Bereitschaft, Sieben-Tage-Woche. Warum der Beruf des Landwirts für Jüngere trotzdem attraktiv ist

24-h-Südwestfalen

Reportage zum Tag der Arbeit.
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Bauern gehören der älteren Generation an, sind nicht kommunikativ und wenig technik-affin. Diese Vorurteile bekommen die Brüder Stefan und Benedikt Becker-Borggräfe immer wieder zu hören. Dabei sind die beiden jungen Landwirte genau das Gegenteil und bemühen sich, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen. Von 17 bis 18 Uhr wurden Sie dabei von der Westfalenpost begleitet.

17.04 Uhr

Uhr. Seit 11 Stunden sind die Brüder auf den Beinen, der Arbeitstag beginnt meist um 6 Uhr in der Früh. In dem Milchviehbetrieb dreht sich alles um die 60 Tiere, die noch im Stall stehen, bevor von Mai bis Oktober die Weidezeit beginnt. Jetzt führt der Weg die Becker-Borggräfe-Geschwister, die nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters vor vier Jahren den Hof übernehmen mussten, in das an die Ställe angrenzende Büro. „Wir sind nämlich fortschrittlicher als viele denken“, lacht Stefan Becker-Borggräfe.

Vor einigen Monaten hatten er und sein Bruder sich entschieden, einen Melkroboter zu kaufen. „Das erleichtert uns nicht nur die Arbeit, sondern bedeutet auch weniger Stress und mehr Komfort für die Kühe“, erklärt Benedikt Becker-Borggräfe. Das hochkomplexe Gerät erkennt anhand eines Chips, welche Kuh gerade zum Melken bereit steht und stellt sich dementsprechend ein. Zudem wird über die abgebende Milch und Milchmenge ermittelt, ob es Auffälligkeiten gibt. „Alle diese Daten erhalten wir auf dem Computer“, so die Brüder. Wenn es aber mal zu einem Notfall kommt, schlägt die Technik Alarm: „Wir haben eine App auf dem Handy, die uns zu jeder Uhrzeit informiert, wenn es einer Kuh nicht gut geht“, so Stefan Becker-Borggräfe, der ergänzt: „Die Landwirtschaft ist eine der am meisten digitalisierten Wirtschaften.“

17.25

Uhr. Nun geht es in den Stall: Kontrollgang, wie es den 60 Tieren geht. Und sofort ist man von mehreren neugierigen Kühen umgeben, die versuchen sich durch die Gitter zu stemmen, um noch etwas Aufmerksamkeit von ihren Besitzern zu erhaschen. „Unsere Tiere sind wirklich unglaublich zutraulich“, freuen sich die Brüder, die darin auch das Ergebnis guter Pflege sehen. „Es dreht sich auf dem Hof natürlich alles um die Tiere. Sie stehen ganz oben auf der Prioritätenliste.“

Das Futter, bestehend aus Gras, Mais und Getreide, bauen die Landwirte selbst an, denn „alles was ich selbst produziert habe, da weiß ich auch, was ich habe.“ Doch nicht nur die Pflege der Kühe, auch die restlichen landwirtschaftlichen Arbeiten füllen den Tag der 22- und 28-jährigen Brüder. „Oft übernehmen wir auch Arbeiten für andere Landwirte, die nicht den passenden Traktor, Mähdrescher oder das Werkzeug haben“, erklärt Stefan Becker-Borggräfe. Nach der Kon-trolle der Tiere steht die Reinigung der Liegeboxen auf dem Programm. Die Gummimatratzen werden neu eingestreut, um sie trocken und sauber zu halten.

17.47

Uhr. So langsam nähert sich auch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Feierabend. „Im Sommer hat man noch etwas mehr zu tun, wenn die Kühe auf der Weide sind. Dann ist der Tagesabschluss immer so, dass wir raus fahren, uns nochmal in die Herde stellen und schauen, ob es allen Tieren gut geht.“ Zur Zeit steht aber als letzte Arbeitshandlung die Säuberung des Melk-robotors auf dem Programm. Auf die Anschaffung sind die Landwirte Becker-Borggräfe noch immer sehr stolz, wie man ihnen anmerkt. „Deshalb legen wir großen Wert auf die Reinigung, schließlich haben wir lange dafür gearbeitet.“

18.05 Uhr.

Nach mehr als zwölf Stunden endet der Arbeitstag. Nicht gerade wenig für eine Sieben-Tage-Woche. Einen anderen Beruf könnten sich beide aber nicht vorstellen, für Benedikt käme höchstens ein Job als Verkäufer in der Automobil-Branche in Frage. Stefan, der ein Maschinenbaustudium begonnen hatte, sieht sich im technischen Bereich beheimatet. Aber eigentlich sind sich beide sicher: „Unser Job ist so vielseitig, bringt immer wieder Neues und macht uns zudem auch noch wirklich Spaß.“ Und das Klischee des typischen Bauern bedienen die beiden Brüder ganz sicher nicht. Das sehen sie auch selbst so: „Der Beruf entwickelt sich immer weiter und birgt dadurch auch eine Attraktivität für die jüngere Generation.“

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