Winter

Olpe: Kein Schnee - Skilift für Mountainbiker geöffnet

Sebastian Stinn und seine Familie sehnen sich nach Schnee. Solange die Schneekanonen auf dem Fahlenscheid aber still ruhen müssen, weil es zu warm ist, haben Mountainbiker Gelegenheit, den Doppelankerlift zu nutzen. Stinn zeigt, wie es geht. 

Sebastian Stinn und seine Familie sehnen sich nach Schnee. Solange die Schneekanonen auf dem Fahlenscheid aber still ruhen müssen, weil es zu warm ist, haben Mountainbiker Gelegenheit, den Doppelankerlift zu nutzen. Stinn zeigt, wie es geht. 

Foto: Josef Schmidt / WP

Fahlenscheid.  Seit Monaten warten die Betreiber des Skilifts am Fahlenscheid bei Olpe auf den Winter. Jetzt reagieren sie kreativ auf den ausbleibenden Schnee.

Auf dem Skihang am Fahlenscheid stehen in diesem Winter meistens sechs depressive Schneekanonen herum, als ob sie nicht so recht wüssten, was sie hier eigentlich sollten. Der Höhenzug Fahlenscheid liegt zwar mitten im Sauerland, immerhin stattliche 600 Meter über Meeresspiegel. Also eigentlich mitten im tiefsten Winter.

Doch von ausreichend Schnee keine Spur, daran konnten auch die gestrigen Schneeschauer nichts ändern. Der Winter zeigt dem Sauerland, und nicht nur dem, die kalte Schulter, besser gesagt die warme. Das Thermometer zeigte Ende letzter Woche sechs Grad Celsius - aber plus: „Heute morgen waren es vier Grad, aber auch das ist viel zu warm für unsere Kanonen“, so Sebastian Stinn, gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth und Bruder Christoph der Betreiber des idyllisch gelegenen Skigebietes, am Freitag. Am Wetter könne man nun mal nicht drehen.

Kampflos geschlagen geben wollen sich die Stinns aber nicht. Und deshalb setzen sie jetzt im wahrsten Sinne auf ein anderes Pferd: aufs Mountain-Biking.

Downhill-Strecke neben dem Skihang

Denn wie uns Sebastian Stinn am Einstieg der großen Liftanlage zeigt, können die Downhill-Biker ihre Räder bequem in den Doppelankerlift hängen und sich auf die Bergstation ziehen lassen. Was dann folgt, ist auf den ersten Blick ebenso wagemutig wie atemberaubend. Denn direkt neben dem Skihang gibt es eine Downhill-Strecke, die höchstes Geschick abverlangt. Mehrere schanzenähnliche Hügel, eine Holzbrücke in luftiger Höhe, die zum Sprung in die Tiefe animiert und eine Steilkurve, deren Neigung so steil ist, dass die Fahrer nur große Fliehkraft in der Bahn hält.

„Das wird immer mehr genutzt“, freuen sich Sebastian und seine Elisabeth über zunehmende Resonanz abseits des ansonsten geliebten Schnees. „Seit drei Jahren ist das hier in Betrieb, mit dem Lift aber eher testweise. In diesem Winter wollen wir es aber regelmäßiger anbieten. Mountainbiker aus Nah und Fern, vor allem die Biker der Olpe MTB-Gruppe FrOErider, nutzen den Hang, pflegen und warten die Strecke aber auch.

In den Wintermonaten, von November bis März, wollen die Stinns ihren Skilift jeden Sonntag von 10 bis 16 Uhr fest für die Biker anwerfen, samstags nach Vereinbarung. Zumindest solange das Thermometer sich weigert, unter den Nullpunkt zu sinken. Und in den Sommermonaten natürlich auch. Auch hier darf die etwa 800 Meter lange Abfahrt mit Hindernissen jeden Sonntag befahren und durch die Luft geflogen werden, zusätzlich jeden ersten Samstag im Monat, immer von 10 bis 17 Uhr.

Winter 2006/2007 ähnlich warm

Die Frage, die während unseres Gespräches mit Sebastian und Elisabeth Stinn auf der Zunge liegt: Ob sie sich überhaupt an einen ähnlich warmen Winter erinnern können? „Das Kyrill-Jahr, also den Winter 2006/2007, habe ich ähnlich in Erinnerung. In der gesamten Saison hatten wir unsere Lifte ganze drei Tage in Betrieb“, sagt Sebastian.

Senior-Chef Josef Stinn (69) könne sich an die Saison 1988/1989 erinnern, weil im Sommer 1988 der Skilift erbaut worden sei. In der darauf folgenden Saison habe es auch überhaupt keinen Schnee gegeben.

Ein nochmaliger und angestrengter Blick auf den Skihang zeigt dann, dass sich der aktuelle Winter, der keiner sein will, offenbar doch zu einem kurzen Erwachen aufgerafft hatte. Denn ein Mikro-Gletscher, einige unscheinbare Streifen Schnee krallen sich noch wacker in die Wiese. „Wir hatten unsere Schneekanonen im Dezember tatsächlich schon mal drei Tage am Laufen. Aber es hat doch nicht gereicht. Eine Nacht mehr mit Minusgraden und zumindest der kleine Lift hätte in Betrieb genommen werden können“, sagt Sebastian Stinn. Insgesamt hätten die Kanonen rund 35 Stunden gesprüht, am 27., 28. und 31. Dezember – jeweils bei um die drei Grad minus. Das war’s.

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