Denkmal oder nicht?

Olpe: Der Kampf um den alten Bahnhof tobt

Wandmalereien im Innern des alten Olper Bahnhofgebäudes des Künstlers und Kirchenmalers Johannes Rademacher.  

Wandmalereien im Innern des alten Olper Bahnhofgebäudes des Künstlers und Kirchenmalers Johannes Rademacher.  

Foto: Foto: Haymo Wimmershof

Olpe.  Heimat- und geschichtsbewusste Olper kämpfen für den Erhalt des alten Olper Bahnhofes. Der Architektenwettbewerb ist ihnen ein Dorn im Auge.

Die Volksseele kocht, zumindest die der geschichts- und heimatbewussten Olper. Im Blickpunkt steht das alte Bahnhofsgebäude, das besagten Olpern am Herzen liegt, die deshalb das Landesamt für Denkmalpflege in Münster eingeschaltet haben, um die Denkmalwürdigkeit prüfen zu lassen (wir berichteten). Hintergrund: Sie fürchten den Abriss, denn im Architekten-Wettbewerb für den Rathausneubau direkt neben dem Bahnhof ist dessen Erhalt nicht zwingend vorgeschrieben.

Architekt Axel Stracke, ehrenamtlich Vorsitzender des Olper Heimatvereins, fasst seine Empörung in Worte: „Es ist unverständlich, dass solch ein geschichtsträchtiges Gebäude überhaupt zur Diskussion steht. Für mich ist das befremdlich, ich kann da nur den Kopf schütteln. Wenn Leute so etwas befördern, kann das nur mit Nichtwissen, Unbelesenheit und Interessenlosigkeit zu tun haben.“

Seitens des Heimatvereins werde man die Unterschutzstellung auf jeden Fall positiv begleiten und dem zuständigen Mitarbeiter alle historischen Unterlagen und Dokumente zur Verfügung stellen. Dabei hat Stracke nicht nur die Fassade im Sinn: „Auch im Innern gibt es Erhaltenswertes, unter anderem Wandmalereien des Olper Künstlers und Kirchenmalers Johannes Rademacher, der 1990 gestorben ist.“

Weichen für Abriss gestellt?

Auch Historiker Dr. Hans-Bodo Thieme hatte vor wenigen Tagen in einem Leserbrief in dieser Zeitung sinngemäß gewettert: Finger weg vom Bahnhofsgebäude.

Wörtlich hieß es dort unter anderem: „Offensichtlich haben sich Bürgermeister, Verwaltung und ein Teil der Stadtverordneten schon entschlossen, das Erbe der Väter auszuschlagen, weg zu baggern, auszuradieren.“ An anderer Stelle heißt es: „Alles deutet darauf hin, dass die Weichen schon längst in Richtung Abriß gestellt worden sind, auch durch Strippenzieherei hinter den Kulissen. Unser Bahnhof soll um eines „Linsengerichtes“ willen verschachert und eine unheilige Kontinuität soll wohl fortgeschrieben werden: der Abriss würde sich nahtlos in die unselige Beseitigung historischer Bausubstanz vergangener Jahrzehnte einfügen.“

Im Rathaus sieht man der Prüfung der Experten aus Münster und der möglichen Unterschutzstellung des Bahnhofes mit gemischten Gefühlen entgegen, wie Baudezernentin Judith Feldner auf Anfrage bestätigt: „Wir können dann den Zeitplan für den Wettbewerb nicht mehr einhalten, da zunächst das Unterschutzstellungsverfahren und gegebenenfalls daraus resultierende weitere fachspezifische Untersuchungen zur Vorbereitung der Planungsgrundlagen für den Wettbewerb abgewartet werden sollten. Zudem müsste der Auslobungstext dann natürlich wieder überarbeitet werden. Wann der Wettbewerb dann starten könnte, wäre aktuell ungewiss. Alle weiteren Zeitplanungen für alle Projekte, die daran hängen, verschieben sich dann natürlich auch.“

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