Neue "Stolpersteine" werden Montag verlegt

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Attendorn. Zwölf "Stolpersteine" erinnern seit dem 15. November 2006 an jüdische Bewohner der Stadt Attendorn, die während des Nazi-Regimes fast alle deportiert und in Konzentrationslagern umgekommen sind. Am Montag, 1. ...

... September, kommen zwei weitere "Stolpersteine" zur Erinnerung an Helene und Lothar Guthmann hinzu. In der Bleichergasse (hinter dem Kolpinghaus) hatte der aus Dünschede stammende Metzgermeister Adolf Albert Guthmann seit 1891 ein Geschäft. Wie Josef Hormes, der ehemalige Küster von St. Johannes Baptist, berichtete, kauften in der Metzgerei auch ärmere Attendorner Christen ein. Obwohl dort auf jüdische Art ge-schächtet wurde.

Auch der seit 20 Jahren verstorbene Franz Henze (Waldemei) ging beim Ehepaar Adolf Albert und Caroline Guthmann ein und aus. "Mein Vater machte für die Metzgerei die Buchhaltung", berichtet die in Frankfurt lebende Tochter Brigitte Puth.

Seit Jahren beschäftigt sich Brigitte Puth, eine von sechs Henze-Töchtern, mit dem jüdischen Leben in Attendorn und vor allem mit dem Schicksal der Familie Guth-mann und den vier Kindern.

Die Recherche war gar nicht einfach. Denn die Hobbyforscherin aus Frankfurt hat keinen Computer und damit keinen eigenen Internetzugang. Doch Freunde, Archivare und natürlich Hartmut Hosenfeld haben Brigitte Puth geholfen. Der pensionierte Schulrektor Hosenfeld hat ein viel beachtetes Buch über das jüdische Leben in Attendorn geschrieben und die erste Stolperstein-Aktion initiiert (die WR berichtete).

Zumindest, was das Schicksal von Adolf Albert und Caroline Guthmann betrifft, herrscht inzwischen Klarheit. Der Metzgermeister, seine Frau war mittlerweile verstorben, zog bereits 1939 nach Rheydt und verkaufte 1940 auch sein Haus in Attendorn.

Nur ein Jahr später starb Guthmann im jüdischen Krankenhaus in Köln-Ehrenfeld. Begraben wurde das Ehepaar zusammen auf dem jüdischen Friedhof Weinberg in Wuppertal. "Durch Zufall" und nach langem Suchen ist Brigitte Puth auf die Grabstätte gestoßen.

Keine Gräber gibt es für die Geschwister Helene und Lothar Guthmann, die mit ihren Familien deportiert und im Ghetto Dombrowa bei Ausschwitz bzw. in Izbica oder Sobibor umgekommen sind.

Helene besuchte die Mädchenschule am Neuen Markt in Attendorn, anschließend hat sie wohl im Haushalt und in der Metzgerei der Eltern mitgearbeitet. 1923 heiratete sie den aus Polen eingewanderten Juden Abram Taitel. Das Ehepaar zog später nach Herne und hatte drei Kinder.

Der älteste Sohn Werner Wolf erhielt 1939 mit 15 Jahren ein Visum für Australien. "Mit Deutschland will er nichts mehr zu zu tun haben", weiß Brigitte Puth.

Von Lothar Guthmann gibt es zwei Fotos, die Hartmut Hosenfeld in seinem Buch veröffentlicht hat. Das erste zeigt ihn mit seiner Schulklasse, auf dem zweiten Bild ist Lothar beim Waldfest des MGV "Cäcilia" zu sehen. Die "Cäcilia" wird auch die Stolpersteinlegung am Montag musikalisch umrahmen.

Lothar Guthmann wurde wie sein Vater Metzgermeister, heiratete 1928 Rosa Friedmann aus Höchheim und zog dann auch nach Franken. Am 13. Dezember 1939 teilte er der Stadt Attendorn mit, dass er den Namen "Israel" angenommen hat. Dazu wurde jeder männliche Jude gezwungen und musste das in seinem Pass vermerken lassen.

Laut Deportationsliste der Gestapo Würzburg wurden Lothar und Rosa (jetzt "Sara") Friedmann sowie die gesamte Familie Friedmann nach Ostpolen deportiert. Ob sie in Izbica oder Sobibor ermordert worden sind, weiß niemand. Alle Akten aus dem Vernichtungslager wurden nach einem Aufstand der Häftlinge im Oktober 1943 vernichtet.

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