„Natürlich werden wir klagen“

Attendorn.   Mit so einem Andrang hatten Juliane Schulte und ihre Mitstreiter von der Interessengemeinschaft Osterschlah am Donnerstag Abend nicht gerechnet. Über 180 Attendorner waren zur Informationsveranstaltung zum Thema „Kompaktmasten“ in die Stadthalle gekommen. Netzbetreiber Amprion, der direkt neben dem dicht besiedelten Wohngebiet zwischen dem Schwalbenohl und Ennest eine neue 380-Kilovolt-Leitung legen will, war der Veranstaltung demonstrativ ferngeblieben (wir berichteten).

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Mit so einem Andrang hatten Juliane Schulte und ihre Mitstreiter von der Interessengemeinschaft Osterschlah am Donnerstag Abend nicht gerechnet. Über 180 Attendorner waren zur Informationsveranstaltung zum Thema „Kompaktmasten“ in die Stadthalle gekommen. Netzbetreiber Amprion, der direkt neben dem dicht besiedelten Wohngebiet zwischen dem Schwalbenohl und Ennest eine neue 380-Kilovolt-Leitung legen will, war der Veranstaltung demonstrativ ferngeblieben (wir berichteten).

Kritik an Amprion

Somit überließ Amprion das Feld dem Bundesverband Kompaktleitung mit seinem Vorsitzenden Roman Denzinger und Referent Jürgen Kasperek. „Die Versorger müssen umdenken. Die Monstermasten aus Stahlgitter werden für die nächsten 100 Jahre gebaut, und das in der herrlichen Landschaft, in der sie wohnen“, kritisierte Denzinger die Haltung von Amprion und Co. nach dem Motto: „Das haben wir immer so gemacht.“

Roman Denzinger war 30 Jahre Bürgermeister in Baden-Württemberg und wohnt an der Grenze zur Schweiz. Die Schweiz und die Niederlande gehören zu den Ländern mit den strengsten Richtlinien in Sachen elektromagnetische Belastung. Hier sind Kompaktmasten inzwischen Standard. „Was für Holland und die Schweiz gilt, muss auch für Deutschland gelten“, zeigte Denzinger kein Verständnis für das Festhalten der Netzbetreiber in Deutschland an den flächenfressenden Stahlgittermasten, die der Vorsitzende des Bundesverbandes Kompaktleitung wiederholt „Monstermasten“ nannte.

In seinem Referat erläuterte Jürgen Kasperek die Vorteile von Kompaktmasten gegenüber den bislang üblichen Gittermasten, die auch in Attendorn gebaut werden sollen: geschlossene Bauweise, schlanker Mastfuß, geringe Trassenbreite, niedrige Stockwerksabstände, schneller Baufortschritt durch werkseitige Vormontage, geringere Koronargeräusche (Knistern) und - ganz wichtig - Reduzierung der elektromagnetischen Felder. Und was ist mit den Kosten? „Wenn sie alles zusammenzählen, ist der Preis gleich. Ohne Wenn und Aber, das wird auch von keinem Netzbetreiber mehr bestritten“, betonte Roman Denzinger. „Bei Amprion müssen die Masten wohl auf Halde liegen“, hatte eine Attendornerin keine andere Erklärung, warum sich der Netzbetreiber bei der Verlegung der 380-KV-Leitung in Attendorn gegen den Bau von Kompaktmasten sperrt und damit auch einen einstimmigen Ratsbeschluss vom November ignoriert.

Flächenbrand befürchtet

„Die Herrschaften befürchten einen Flächenbrand und haben Angst, dass sie komplett umplanen müssen“, vermutete Roman Denzinger. Ausgerechnet Amprion baut aber seit diesem Jahr eine Höchstspannungsleitung mit Kompaktmasten von Wesel in die Niederlande. Die Kollegen von Transnet planen eine entsprechende 380-KV-Leitung in Baden-Württemberg.

„Die Kommunen sprechen beim Planfeststellungsverfahren ein gewichtiges Wort und können einiges bewegen“, sagte Roman Denzinger in Richtung Stadtverwaltung. Der erfahrene Kommunalpolitiker an der Spitze des Bundesverbandes Kompaktleitung weiß, wie man Druck auf den Netzbetreiber und die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg ausüben kann. „Machen sie einen Ortstermin und laden dazu die Verantwortlichen von Amprion und der Bezirksregierung sowie ihre Bundes- und Landespolitiker ein“, hatte Denzinger einen konkreten Vorschlag.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahren müsse die Stadt Attendorn klar machen: „Wir wollen Kompaktmasten“ und notfalls den Rechtsweg beschreiten. „Natürlich werden wir dann klagen“, ließ zumindest Stadtverordneter Marius Becker von den Grünen keinen Zweifel. Soweit wollte Bürgermeister Christian Pospischil (SPD) am Donnerstag noch nicht gehen. „Wir suchen weiterhin den Dialog mit allen Seiten. Ob es am Ende nötig ist, Klage einzureichen, daran denken wir noch nicht.“

Den Kritikpunkt von Amprion, bei der Errichtung von Kompaktleitungen fehle das „technische Know-how“, konnte Pospischil nach der Info-Veranstaltung in der Stadthalle „nicht mehr nachvollziehen“.

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