Gerichtsurteil

Nach tödlichem Unfall: Freispruch für Olper Taxifahrer

Die Unfallstelle auf der Siegener Straße wird nach dem tödlichen Zusammenprall durch die Polizei und Feuerwehr abgeschirmt.

Foto: Polizei Olpe

Die Unfallstelle auf der Siegener Straße wird nach dem tödlichen Zusammenprall durch die Polizei und Feuerwehr abgeschirmt. Foto: Polizei Olpe

Olpe.   Im Anschluss an Wernerfest 2016 in Olpe hat ein Taxifahrer einen 33-Jährigen tödlich erfasst. Obwohl er zu schnell fuhr, wurde er freigesprochen.

Als die Urteilsverkündung verlesen und der Angeklagte freigesprochen war, wirkte im Saal des Olper Amtsgerichts niemand so wirklich erleichtert. Was sollten die Anwesenden mit dem Richterspruch nun anfangen? Zur Erinnerung: Am frühen Morgen des 31. Juli 2016 kam es im Anschluss an das Wernerfest in Hünsborn gegen 2.40 Uhr zu einem tödlichen Unfall. Ein Taxifahrer übersah eine Gruppe junger Menschen, die unmittelbar an, beziehungsweise auf der unbeleuchteten Siegener Straße liefen, und erfasste dabei einen 33-Jährigen, der noch an der Unfallstelle seinen schweren Kopfverletzungen erlag (wir berichteten).

Gestern fällte Amtsrichter Markus Gerndorf sein Urteil: Obwohl der Angeklagte nachweislich 62 Stundenkilometer fuhr und damit über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit (50 km/h) war, teilte Gerndorf die Einschätzung von Verteidiger Andreas Hesse: „Dem Angeklagten kann keine subjektive Schuld zugesprochen werden. Auch bei der erlaubten Höchstgeschwindigkeit wäre der Unfall nicht zu verhindern gewesen.“

Gutachter: Unfall wäre eventuell auch bei korrekter Geschwindigkeit unvermeidbar gewesen

Diese Erkenntnis ergab sich aus dem Gutachten des Kfz-Sachverständigen Bertram Stahl, der, nachdem er den Unfall nachgestellt hatte, zu dem Schluss kam, dass bei den schlechten Lichtverhältnissen und der dunklen Kleidung, die das Opfer trug, auch mit einer Geschwindigkeitseinhaltung der Unfall nicht zu vermeiden gewesen wäre. Ob es ebenfalls zu einem tödlichen Ausgang gekommen wäre, das mochte der Gutachter hingegen nicht mit Sicherheit sagen: „Die Wahrscheinlichkeit verringert sich mit abnehmender Geschwindigkeit. Aber genaue Aussagen stehen mir dabei nicht zu.“

Staatsanwältin Vera Ortlieb plädierte hingegen für 3500 Euro Geldstrafe. „Gerade in seinem Beruf als Taxifahrer und als Ortskundiger hätte der Angeklagte wissen müssen, dass es nach dem Wernerfest oftmals dazu kommt, dass alkoholisierte Menschenmassen unterwegs sind. Es wäre seine Pflicht gewesen, nicht nur auf die Beschilderung zu achten, sondern seine Fahrweise den Gegebenheiten anzupassen, sprich langsamer zu fahren“, sah Ortlieb eine Teilschuld beim Angeklagten.

Schwere Selbstvorwürfe

So argumentierte auch Volker Hopfner, der die Eltern des Getöteten als Nebenkläger vertrat: „Es ist ein traumatisierendes Ereignis, bei dem die Zeit auch keine Wunden heilen wird. Dennoch wäre es die Pflicht des Angeklagten gewesen, sein Fahrverhalten anzupassen.“ Hopfner schloss sich daher der Forderung der Staatsanwältin an.

Beiden widersprach Richter Gerndorf und merkte an, dass der Angeklagte schon angedeutet hatte, mit schweren Selbstvorwürfen zu hadern. Diese bekräftigte der 61-jährige Taxifahrer noch einmal, als er sich in seinem Schlusswort an die Eltern wandte: „Es tut mir verdammt leid. Wenn ich könnte, hätte ich es schon tausend Mal rückgängig gemacht.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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