Einzelhandel

Modegeschäft Sunshine existiert trotz Internet-Konkurrenz

Conny Hundt

Conny Hundt

Foto: Verena Hallermann

Drolshagen.   Viele Textiler haben in Drolshagen geschlossen, den Laden von Conny Hundt gibt es aber noch immer. Und das schon seit 1985. Ihr Konzept:

Conny Hundt hält sich abwechselnd das rote und das rosafarbene Shirt an den Körper. Sie ist die Inhaberin des Bekleidungsgeschäftes „Sunshine-Mode“ in Drolshagen. In dem Laden ist es heute ruhig. Die Nachmittagssonne dringt durch die großen Fensterscheiben. Ein paar Damen stöbern zwischen den bunten Textilien an den Kleiderstangen. „Da musste ich sofort an Sie denken, als ich die gesehen habe“, sagt Hundt zu der Kundin, die vor ihr steht, kritisch die Shirts inspiziert und letztlich mit beiden in die Umkleide verschwindet. Seit mehr als 30 Jahren gibt es den Modeladen nun schon. Trotz der Konkurrenz aus dem Internet. Welches Konzept steckt dahinter?

Größeres Sortiment

Am 1. März 1985 hat Conny Hundt ihr Geschäft eröffnet. Damals noch in der Gerberstraße 4. Da gehörten neben der Damenmode auch Kleidung für Kinder und Herren zu ihrem Sortiment. Schnell wurde das Geschäft zu klein. 1991 zog sie dann in die Breite Wiese. Mittlerweile gibt es in dem Geschäft aber nur noch Damenmode. Um „auswahlkräftiger“ zu sein, erklärt die 62-jährige gebürtige Drolshagenerin. Denn die Ansprüche sind gestiegen. „Das Einkaufsverhalten ist ein ganz anderes geworden“, sagt Hundt. „Heute braucht man viel mehr Auswahl, um die Kundenwünsche zu stillen.“

Vier große Kollektionen hatte die Inhaberin im Jahr früher gekauft. Zwei im Frühjahr, zwei im Herbst. Heute bekommt sie jeden Monat Neuware. „Das bedeutet für mich aber mehr Risiko“, sagt Hundt, die den Laden allein mit drei Aushilfen stemmt. „Die Ware muss ich natürlich auch verkauft bekommen. Aber für die Stammkundschaft ist es wichtig, neue Ware anbieten zu können. Damit im Kegelklub nicht alle gleich aussehen.“

Früher gab es in Drolshagen noch zwei weitere Textiler. Beide haben mittlerweile zu gemacht. Hundt kennt die Hindernisse. Das Internet ist häufig günstiger, die Menschen haben weniger Zeit zum Einkaufen, klicken sich im Feierabend oft lieber durch das Internetangebot, die Städte sind am Wochenende überfüllt. Doch wie schafft sie nun noch immer auf dem Markt zu sein? Das Geheimnis liegt in einer Kombination aus „mithalten können“ und die Konkurrenz aus dem Netz zu überbieten, erklärt sie. Hundt gibt ihren Kundinnen nicht nur eine Auswahl zum Anprobieren mit nach Hause, sie bietet auch einen Änderungsservice an. Das spart im Vergleich zur Netz-Konkurrenz den langen Postweg. Ein entscheidender Vorteil ist aber vor allem die Beratung. „Wenn einer Kundin die Hose nicht steht, dann sage ich ihr das auch“, erklärt Hundt. „Wichtiger als schneller Umsatz ist es mir, dass sich der Kunde bei mir wohlfühlt und wiederkommt.“ Mit kleinen Events hat Hundt es zudem geschafft, immer präsent zu bleiben. So hat sie zu Modeschauen, Weinproben, Lesungen und Kosmetik-Tagen in ihren Laden eingeladen.

Für die Menschen in Drolshagen ist sie einfach „die Conny“. Ein freundschaftlicher und informeller Umgang ist der Ladeninhaberin wichtig. Sie begrüßt die Menschen mit Vornamen, merkt sich ihre Geschmäcker und sucht auch schon mal ganz gezielt im Handel passende Kleider für ihre Kunden. Genauso wie früher. Und dennoch hat sich über die Jahre einiges verändert. Damals kamen vor allem viele Mütter mit Kindern, erinnert sich Hundt. Das ist heute nicht mehr so. Generell sind nur wenige junge Frauen dabei. „Die Kundschaft ist eben mit mir älter geworden“, sagt Hundt und erzählt von ihrer breiten Stammkundschaft. Etwa 80 Prozent ihrer Kunden besuchen sie regelmäßig. Kunden, ohne die ihr Geschäft heute wohl nicht mehr existieren könnte.

Zukunft ist ungewiss

Es ist ein Vollzeitjob, den Conny Hundt nachgeht. Wenn sie nicht im Laden steht, ist sie im Großmarkt unterwegs. „Es ist viel“, sagt sie. „Ich beschäftige mich schon mal damit aufzuhören. Wie es aber dann mit dem Geschäft weiter geht, das weiß ich noch nicht.“ Zunächst macht sich die 62-jährige Drolshagenerin aber keine Sorgen. Denn ihr Laden läuft, die Kunden sind zufrieden. Mittlerweile ist auch die Dame mit den beiden Shirts wieder aus der Umkleidekabine erschienen. Sie nimmt sie beide mit.

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