Borkenkäferkrise

Kirchhundemer Waldbauer wirft Forstamt Untätigkeit vor

Ewald Schäfer, Vorsitzender der Waldgenossenschaft in Silberg, in seinem Wald vor einem entfernten Borkenkäfernest.  

Ewald Schäfer, Vorsitzender der Waldgenossenschaft in Silberg, in seinem Wald vor einem entfernten Borkenkäfernest.  

Foto: Volker Eberts / EBE

Silberg/Kreis Olpe.  Waldbauer Ewald Schäfer ist sauer auf die Staatsförster, weil diese vom Borkenkäfer befallenes Holz zu lange im Staatswald stehen lassen.

Ewald Schäfer aus Silberg ist kein Mann, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält. Angesichts der Borkenkäfer-Katastrophe in den heimischen Wäldern wirft der Vorsitzende der Waldgenossenschaft Silberg II dem Forstamt in Olpe falsches Krisenmanagement und Untätigkeit vor.

Der Land- und Forstwirt blickt auf die Waldflächen am Kuhlenberg bei Varste. In einem Fichtenwaldstück im Staatsforst ist ein „Borkenkäfernest“ zu sehen, gut zu erkennen an den braunen Baumkronen. „Die hätten schon lange raus gemusst, aber das Forstamt tut nichts“, sagt der 70-Jährige und schüttelt den Kopf.

Schnell aus dem Wald

Dass Kalamitätsholz, also Holz mit Borkenkäferbefall, möglichst schnell aus dem Wald entfernt werden muss, damit der Borkenkäfer keine weiteren gesunden Bäume befällt, ist unumstritten. Die meisten privaten Waldbesitzer wie Ewald Schäfer agieren so, suchen fast täglich nach neuen „Käferbäumen“, um diese zu entfernen.

Schon im letzten Jahr informierte das Forstamt alle Waldbesitzer über den richtigen Umgang mit dem Holz. „Die haben uns aufgefordert, die betroffenen Fichten rauszunehmen und machen selber nichts“, so Schäfer. Mit der Folge, dass der Borkenkäfer aus dem Staats- in den benachbarten Privatwald weiterziehe.

Forstamtsleiter dementiert

Jürgen Messerschmidt, Leiter der Kurkölnischen Forstamts in Olpe, sieht das anders. „Wir versuchen unser Bestes.“ Aber bei 2000 Hektar Staatswald, die das Forstamt in Olpe betreuen muss, gehe das nicht von heute auf morgen. „Wir können nur an einer Ecke anfangen und müssen uns dann vorarbeiten.“

Außerdem müsse ein Abnehmer für das Holz da sein und ein Unternehmer, der das Holz aufarbeitet. Und diese haben derzeit Hochkonjunktur. Private Waldbauern könnten hier leichter agieren als das Forstamt.

Für die Forstwirte in der Gemeinde Kirchhundem hat Messerschmidt aber noch eine gute Nachricht parat. Noch in dieser Woche soll ein Unternehmer mit einem Vollernter im Bereich Varste/Benolpe tätig werden, um die Nester zu entfernen.

Was Schäfer auch wurmt: Warum wird angesichts des akuten Notstands nicht mit einer Begiftung des Borkenkäfers begonnen? „Nicht mehr Chemie als nötig und im gezielten Einsatz“, wäre das richtige Rezept, so Schäfer. Er selbst hat ausgewählte Bäume an Rande eines beseitigten Borkenkäfernestes mit Fatac Forst, einem flüssigen Insektizid auf Wasserbasis gegen Rinden- und Holzbrütenden Borkenkäfer, gespritzt.

Kein Chemieeinsatz

In zertifizierten Wäldern, zu denen der gesamte Staatswald gehört, ist der Chemieeinsatz an stehenden Bäumen aber verboten. Nur aufgepoltertes Holz dürfe derzeit begiftet werden, so der Forstamtsleiter. Eine entsprechende Anordnung des Umweltministeriums liege vor. Eine Begiftung an noch stehenden Fichten lehnen die Forstbehörden aber ab, weil unter dem Kontaktgift auch alle anderen Kleinlebewesen leiden müssten.

Die privaten Waldbesitzer fragen sich auch, warum sich die Suche nach geeigneten Holzlagerplätzen für noch weitgehend intaktes Holz so lange hinzieht. Laut Messerschmidt ist das Forstamt mit dem Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung im Gespräch. Problematisch sei die Wassermenge. Nur Bäche, die auch im Hochsommer trotz permanenter Entnahme für den Nasslagerplatz ausreichend Wasser führen, kämen in Frage. Und das seien heute weit weniger als noch nach dem Sturm Kyrill vor 12 Jahren. Der Klimawandel lässt grüßen.

Folge des Klimawandels

Die Folgen dieses Wandels habe das Forstamt auch nach dem Orkan Friederike im Januar 2018 falsch eingeschätzt, so Schäfer. Nach dem Sturm war geplant, die umgestürzten Bäume an der Wurzel bis zum Verkauf liegen zu lassen, wie es auch nach dem Sturm Kyrill funktioniert habe. Doch dann kam der trockene Sommer 2018, die Stämme bekamen aus dem trockenen Boden zu wenig Feuchtigkeit und boten eine idealen Nährboden für den Borkenkäfer. Ewald Schäfer: „Da hätte man reagieren müssen, das war ein klare Fehleinschätzung.“

Hand in Hand durch die Krise

Trotz der Kritik weiß auch der Silberger Forstwirt, dass Waldbesitzer und das Forstamt Hand in Hand arbeiten müssen, um die Krise zu bewältigen. Aber bei allen Anstrengungen müsse an erster Stelle die Rettung des Waldes kommen. „Wir versuchen, irgendwie zu überleben und wir bekommen nicht an jedem Ersten im Monat unser Geld“, so Ewald Schäfer.

Jürgen Messerschmidt kann die Lage der Forstwirte angesichts der Krise nachvollziehen. Dass die Nerven bei einigen blank liegen, sei verständlich.

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