Selbstverteidigung

Ju-Jutsu in Olpe: Unsere Praktikantin macht den Selbsttest

Clara Feldmann übt Ju-Jutsu zusammen mit den Trainern Gerd Theile (links) und Wolfgang Ziegenhagen.

Clara Feldmann übt Ju-Jutsu zusammen mit den Trainern Gerd Theile (links) und Wolfgang Ziegenhagen.

Foto: Clara Feldmann / WP

Olpe.  Unsere Praktikantin Clara Feldmann probiert Ju-Jutsu aus und ist begeistert. Was die Selbstverteidigungsdisziplin einem alles beibringen kann.

Ju-Jutsu? Was ist das? WP-Praktikantin Clara Feldmann hat sich auf den Weg in die Ziegeleistraße in Olpe gemacht, um es auszuprobieren und ihre Erfahrungen aufzuschreiben:

Die Sportart Ju-Jutsu war für mich vollkommen unbekannt. Während ich zuerst an eine japanische Kampfsportart dachte, wird mir bei näherer Betrachtung deutlich, dass doch viel mehr dahinter steckt: Ju-Jutsu ist eine moderne Selbstverteidigungsdisziplin, die Techniken aus Karate, Judo, Aikido oder Jiu-Jitsu für eine moderne und effektive Selbstverteidigung zusammenträgt. Die eingedeutschte Bedeutung „Ju-Jutsu“ heißt übersetzt auch die „sanfte Kunst“ und soll altbekannte Techniken an moderne Verteidigungsansprüche anpassen.

Mein Interesse ist geweckt und so besuche ich den Ju-Jutsu Club Olpe und probiere dort die „sanfte Kunst“ in zwei Trainingseinheiten aus:

Zu Beginn muss ich anmerken, dass ich schon ein wenig Respekt vor dem ersten Training habe. Die Mitglieder des Ju-Jutsu Clubs kommen in weißen Keikogis und ich, als einziges Mädchen in der Runde, habe bisher auch noch keinerlei Erfahrungen im Kampfsport gesammelt. Diese Angst wird mir aber sofort von Trainer Wolfgang Ziegenhagen genommen: „Ju-Jutsu kann für jeden etwas sein, egal ob groß oder klein, dick oder dünn, sportlich oder eher weniger sportlich. Hier kann jeder seinen individuellen Weg gehen“.

Individuelles Training

Am Anfang jeder Trainingseinheit stellen sich alle Sportler gegenüber vom Trainer in eine lange Reihe nebeneinander auf und es folgt eine kurze Begrüßungszeremonie. Ganz rechts steht derjenige, mit dem höchsten Prüfungsabschluss, im besten Fall also mit einem schwarzen Gürtel. Ich verkrieche mich nach ganz links in die Reihe.

Nach der kurzen Begrüßung folgt dann das ausführliche Aufwärmen und Dehnen des Körpers. Spätestens jetzt ist mir klar, dass mit „sanft“ nicht „gemütlich“ gemeint ist und ich ordentlich ins Schwitzen gekommen bin. Das ausgiebige Aufwärmen und Dehnen sei wichtig, um Verletzungen, die im Kampf entstehen können, vorzubeugen, erklärt mir der Trainer. Anschließend beginnt das Üben der Techniken. Dabei ist entscheidend, dass es nicht nur eine richtige Technik gibt, die man im Kampf anwenden kann: Jeder kann individuell zwischen vielen verschiedenen Abwehr- oder Angriffstechniken wählen und die für sich beste Variante finden. Im Falle einer realen Angriffssituation könne dann, je nach Angreifertyp und Situation, die bestmögliche Verteidigungsvariante eingesetzt werden.

Techniken ohne Kraft

Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass Selbstverteidigung vor allem Kraft braucht. Trainer Wolfgang Ziegenhagen zeigt mir aber einen interessanten Griff, bei dem sich kräftemäßig unterlegene Menschen ohne jegliche Kraftanwendung aus einem festen Griff vom Angreifer befreien können. Dazu muss man eine Hand an den Hinterkopf des Angreifers legen und mit den Faustknochen der anderen Hand, zwischen Nase und Oberlippe, des Angreifers reiben. Durch die empfindlichen Nerven, die dort verlaufen, wird der Griff des Angreifers sofort gelockert und man kann sich befreien. Ich habe es selbst ausprobiert und es funktioniert. Meine beiden älteren Brüder durften sich zu Hause auch davon überzeugen.

Lebenslanges Lernen

Und so verläuft das Training wie im Flug, ich lerne, wie man sich aus festen Griffen an beiden Armen befreit und schaue den anderen, erfahrenen Sportlern bei interessanten Falltechniken zu. „Richtiges Fallen muss man zuerst lernen“, erklärt mir Trainer Andre Bottländer, „Ju-Jutsu kann man aber nicht in einem Acht-Wochen-Kursus lernen und ist dann fertig. Das ist lebenslanges Lernen“.

Mir persönlich haben die zwei Trainingseinheiten aber schon gezeigt, dass man bei den meisten festen Griffen des Gegenübers nur bewusste Bewegungen in die richtige Richtung, eine Drehung oder ein unerwartetes Ziehen oder Drücken benötigt, um sich vom Angreifer zu lösen und sich Freiraum zu verschaffen. Und wenn gar nichts mehr hilft, kann im Ernstfall auch mal fest zugeschlagen oder getreten werden. Da kommt es aber vor allem darauf an, wohin man zielt: auf die Nase sei dabei beispielsweise sinnvoller, als auf die Zähne, erklärt mir der Trainer. Dann taumeln die Angreifer meist zurück, bekommen tränende Augen und es fängt an zu bluten. Ein Schlag auf die Zähne tut dagegen auch dem Verteidiger weh.

Alltagstauglich

So ungewöhnlich sich Ju-Jutsu vielleicht anhört, so spannend und abwechslungsreich ist die moderne Selbstverteidigungsdisziplin, die auch in die Ausbildung von Polizei und Zoll aufgenommen wurde. Und vor allem ist Ju-Jutsu für den praktischen Gebrauch im Alltag, falls man dann doch in reale, bedrohliche Situationen geraten sollte, bestens anwendbar. Ich habe mich in der Gruppe sehr wohl gefühlt und kann nur bestätigen, dass die Selbstverteidigungsdisziplin wirklich für jeden etwas sein kann. Für mich war das definitiv nicht die letzte Trainingseinheit Ju-Jutsu.

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