Landtagswahl

Jochen Ritter sichert sich mit klarem Sieg das Mandat

Jubel bei den CDU-Anhängern im Olper Kreishaus, als um 18 Uhr die erste Hochrechnung vorliegt. In der Mitte Landrat Frank Beckehoff

Foto: Herbert Kranz

Jubel bei den CDU-Anhängern im Olper Kreishaus, als um 18 Uhr die erste Hochrechnung vorliegt. In der Mitte Landrat Frank Beckehoff Foto: Herbert Kranz

Kreis Olpe.   Im Kreishaus ist die Stimmung verhalten - bis zur ersten Hochrechnung. Unterschiedlich sind die Meinungen zu einer möglichen Koalition.

Jochen Ritter neigt nicht zur Euphorie, sagt er selbst. Aber er ist schon mehr als zufrieden, dass er als CDU-Kandidat im Kreis Olpe mehr Erststimmen geholt hat als die Partei Zweitstimmen. Offensichtlich habe man ihm abgenommen, dass er für den ländlichen Raum etwas bewirken wolle.

Das sagte der neue Landtagsabgeordnete gestern im Olper Kreishaus. Hier kam er gegen 19 Uhr an. Einer der ersten Gratulanten war sein Amtsvorgänger Theo Kruse, der nicht wieder für den Landtag kandidiert hatte. Dass er als Neuling ein vergleichbares Ergebnis erreicht habe wie Kruse wertet Ritter nicht nur als Vertrauensbeweis, sondern auch als Auftrag, Kontinuität in der Arbeit zu wahren. Zu möglichen Koalitionen äußerte er sich zurückhaltend. Man müsse auch abwarten, wie sich die FDP in dieser Frage ausrichten werde.

Diese Ausrichtung ist für Joachim Hoffmann glasklar. Dazu habe Christian Lindner klare Aussagen gemacht: Keine Koalition mit Beteiligung der Grünen. Mit seinem eigenen und dem Ergebnis auf Landesebene war der FDP-Landtagskandidat „sehr zufrieden“. Seine Prognose: „Wenn die Linken in den Landtag kommen, wird es eine große Koalition geben.“ Für die FDP im Lande seien „Entfesselungsinitiativen“ etwa für Handwerk und Gastronomie sowie alle von der Bürokratie Gebeutelten von großer Bedeutung.

Notwendige Neuausrichtung

Wolfgang Langenohl (SPD) äußerte sich sehr enttäuscht, sieht die Ursachen für die Niederlage aber auf Landesebene: „Wir haben zu wenig darauf hingewiesen, was wir schon erreicht haben.“ Die Analyse der Niederlage bei der Landtagswahl ist für ihn gleichzeitig Verpflichtung für die anstehende Bundestagswahl: „Wir müssen mehr mit Inhalten kommen.“ Mit sich selbst ist er im Reinen: „Das Ergebnis liegt nicht an mir, ich habe zehn Monate gekämpft.“

Die Tonlage von Gregor Kaiser (Grüne) ist ähnlich: „Es ist schon enttäuschend, ich habe mir mehr erhofft, persönlich und bei den Zweitstimmen.“ Erschreckend findet er die Stimmen für die AfD im Kreis Olpe, „obwohl sie nirgendwo aufgetreten sind.“ Inhaltlich wird sich vor der Bundestagswahl nichts ändern: „Wir müssen weiter für eine weltoffene Gesellschaft, Klimaschutz und den Umbau der Gesellschaft werben.“

Direktkandidat Robert Hammer (ÖDP) ist nicht enttäuscht: „Ich hatte mir das schon so vorgestellt.“ Für ihn hat der Abend aber etwas Versöhnliches: „Mein Hauptanliegen war, dass die Löhrmann abgelöst wird, und das ist erreicht.“ Das nächste politische Ziel ist die Kommunalwahl 2019: „Da werden wir uns bewerben, und ich denke mit deutlich besseren Chancen.“

Nicht mehr beworben hat sich Theo Kruse MdL. Seine persönliche Stimmungslage beschreibt er mit „hervorragend“. „Ich bin froh, dass es zu dieser notwendigen Neuausrichtung kommen kann.“ Er freue sich aber auch für seinen Nachfolger Jochen Ritter.

Kruse ist überzeugt, dass es „gewaltiger Anstrengungen bedarf“, dem Land NRW eine neue Richtung zu geben. Dass gerade Kriminalität und innere Sicherheit für die Wähler ein wichtiges Thema gewesen seien, daran habe auch er mitgearbeitet. Der von den Wählern ausgesprochene Vertrauensvorschuss bringe aber für die nächsten Jahr auch hohe Verantwortung mit sich.

Nicht aufgeben

Mit ein wenig mehr hätte Pirat Bastian Halbe schon gerechnet: „Eine 2 vor dem Komma war für mich realistisch.“ Aufgeben will Halbe trotz der ernüchternden Zahlen aber keineswegs, im Gegenteil: „Unsere Haupt-Themen Digitalisierung und Automatisierung sind die Themen der Zukunft, die so intensiv von keiner anderen Partei angepackt werden.“ Er wolle künftig auch verstärkt auf Landesebene in die Parteiarbeit eingreifen: „Neue Köpfe stehen schon in den Startlöchern.“

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