Interview

Jochen Ritter: Ärztliche Versorgung soll digitaler werden

Jochen Ritter

Jochen Ritter

Foto: Verena Hallermann

Kreis Olpe.  CDU-Landtagsabgeordneter Jochen Ritter legt sein Augenmerk auf die Digitalisierung. Es soll künftig ein virtuelles Krankenhaus geben.

Jochen Ritter wurde als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes wiedergewählt (unsere Zeitung berichtete). Im Rahmen seiner dritten Amtszeit und als Landtagsabgeordneter wird er sich wieder Themen widmen, die den Kreis Olpe betreffen. Was es mit dem „virtuellen Krankenhaus“ auf sich hat und wer Jochen Ritter eigentlich privat ist, erzählt er im Interview.

Wie würden Sie rückblickend Ihre Zeit als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Olpe bewerten?

Jochen Ritter: Innerhalb der ersten Periode ab 2015 ging es vor allem darum, den Verband kennenzulernen, die sieben Städte- und Gemeindeverbände, die 38 Ortsverbände und auch die Gliederungen. Das war eine lehrreiche Zeit. Ab 2017 haben uns vor allem die Wahlkämpfe beschäftigt, die Landtagswahl, wo ich ja selbst involviert war, aber auch der Bundestagswahlkampf und schließlich die Europawahl. Ich mag Wahlkampf. Das ist die Zeit, wo der Kontakt zu den Bürgern besonders intensiv ist. Natürlich bemühe ich mich stets darum, nah am Geschehen im Kreis Olpe zu sein, aber währenddessen erhöht sich die Betriebstemperatur.

Wie ist es denn so als Politiker im Kreis Olpe? Erlebt man viel Kritik?

In der Regel wird man freundlich und herzlich empfangen. Aber damit verbunden ist durchaus auch eine hohe Erwartungshaltung. Es ist eine große Verantwortung, im Sinne der Bürger und auch des Landes zu agieren.

Setzt Sie das unter Druck?

Druck ist in dem Fall nicht das richtige Wort. Ich würde eher sagen, es spornt mich an. Es ist schon teilweise stressig, aber es handelt sich um positiven Stress. Das Schöne im Kreis Olpe ist, man kann hier wirklich gestalten. Er ist wirtschaftlich gut aufgestellt und daher leistungsfähig. Dazu kommt ein weitverzweigtes Ehrenamt, das mit der Politik im Austausch steht. Und nicht zuletzt hilft die Mehrheit im Landtag und der kurze Draht zur Regierung.

Trotz der wirtschaftlich guten Situation des Kreises Olpe gibt es auch hier einige Problemfelder. Zum Beispiel wird immer wieder über bezahlbaren Wohnraum diskutiert. Was würden Sie sagen, ist das ein bundes-, landes- oder kommunalpolitisches Thema?

Hier sind alle politischen Ebenen gefragt. Der Bund muss zusehen, dass das Planungsrecht beschleunigt wird. Im Landtag haben wir eine neue Landesbauordnung beschlossen, damit Genehmigungen schneller erteilt werden können. Wir haben weiterhin den Landesentwicklungsplan so modifiziert, dass die Kommunen auch für Dörfer unter 2000 Einwohner mehr Spielraum für die Ausweisung von Wohngebieten bzw. Bauplätzen haben. Letztlich sind sie es, die etwas daraus machen müssen, etwa Bauleitpläne so ändern, dass tatsächlich mehr gebaut werden kann. Teilweise ist das einfacher gesagt als getan. Ich glaube nicht, dass es hilft, Mieten zu deckeln oder gar zu enteignen, wie es in Berlin diskutiert wird. Es muss mehr Wohnraum geschaffen werden, um den Markt und damit die Mietpreise zu entspannen.

Jedoch sorgen unter anderem die Baupreise dafür, dass Mietpreise hoch sind...

Die Politik ist nicht unschuldig dran, wenn man an die Energieeinsparverordnung denkt, die immer wieder höhere Standards setzt. Unsere Koalition im Landtag hat sich an den Bund gewandt mit der Forderung, die Spirale zu stoppen, ich selbst durfte den Antrag im Plenum begründen. Das ist aber auch nicht das einzige Problem. Hinzu kommt auch, dass der Arbeitsmarkt für Fachkräfte im Bau sehr angespannt ist.

Und nun? Haben Sie eine Idee, wie man das ändern könnte?

Um mal zwei ungewöhnliche Ansätze anzusprechen: Staatssekretär Jan Heinisch hat im Frühjahr hier im Kreishaus seine Idee von Wohnhöfen vorgestellt. Das sind Anlagen mit privaten und gemeinschaftlichen Teilen für z. B. ältere Leute, die ihre mittlerweile für sie zu großen Häuser nicht mehr alleine unterhalten können und etwa an junge Familien verkaufen wollen. Zwei Bürgermeister wollen mit Unterstützung des Landes klären, ob das im Sauerland funktioniert. Im letzten Plenum habe ich für die CDU-Fraktion zu 3-D-Druck im Bauwesen gesprochen. Damit wird man keine Häuser am Fließband produzieren, könnte das Bauen allerdings teilweise beschleunigen. Eine etwas näher liegende Vorstellung ist, verstärkt Holz als Baustoff einzusetzen, nicht zuletzt, weil es ein heimischer Rohstoff ist und dauerhaft CO2 speichert.

Momentan scheint ja unter zehn Euro pro Quadratmeter kaum noch was möglich zu sein...

Das Land fördert Wohnungsbau mit mindestens 800 Millionen Euro pro Jahr. Aber manchmal wird die Förderung nicht in Anspruch genommen, weil es sogar selbst damit schwierig ist, „bezahlbar“ zu bauen. Wir arbeiten mit der NRW-Bank zusammen, die Kommunen, Genossenschaften oder Investoren berät, wo noch Spielräume sind. Ein preistreibender Faktor ist auch Bauland. Wer ein Grundstück besitzt, verkauft es ungern oder nur zu sehr hohen Preisen.

Was sind noch Themen, für die Sie sich als CDU-Vorsitzender oder als Landtagsabgeordneter für den Kreis Olpe einsetzen?

In der Partei dreht sich in den kommenden zwölf Monaten fast alles um die Kommunalwahl am 13. September 2020. Im Land begleite ich mit Interesse die Krankenhausplanung der Regierung. In beiden Zusammenhängen gilt mein Augenmerk der Digitalisierung. Als Mitglied im Rat der Stadt Olpe will ich gerne dabei mitwirken, dass der eingeschlagene Weg zur Smart City Erfolg hat. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann will ein virtuelles Krankenhaus aufbauen, womit ich mich seit einiger Zeit auseinandersetze und wovon ich mir einiges verspreche.

Virtuelles Krankenhaus? Was steckt denn da konkret hinter?

Die ärztliche Versorgung soll mehr als bisher digital unterstützt werden. Das kann die persönliche Behandlung nicht ersetzen, aber die ein oder andere persönliche Vorstellung. Außerdem soll auf dieser Plattform landesweit Wissen zur Verfügung gestellt werden, das nicht in jedem Ort vorliegt. Die Idee soll in einem Gründungsausschuss mit aller Besonnen-, aber auch Entschlossenheit entwickelt werden. Erfreulicherweise ist da die Katholische Hospitalgesellschaft Olpe als eines von zwei Krankenhäusern aus dem ländlichen Raum hinein berufen worden.

Fühlt sich die CDU von rechtsextremen Kleinstparteien im Kreis Olpe bedroht?

Bedroht nicht. Ich nehme selbstverständlich wahr, wer von der extremen rechten wie auch linken Seite wo und wann im Kreis Olpe auftritt. Das findet im Kreis Olpe traditionell wenig Widerhall. Damit das so bleibt, müssen wir dagegen halten und tun das auch. Die neue Shell-Studie konstatiert der Jugend eine Affinität zu Populismus. Auch das sehe ich hier eher nicht, nichtsdestotrotz ist es mir ein besonderes Anliegen, dass Jugendliche eine differenzierte politische Haltung entwickeln. Dabei können Besuche oder Praktika im Landtag helfen, die ich gerne anbiete.

Sind Sie weiterhin überzeugter CDU-Politiker?

Mehr denn je. Wir sind nach wie vor Volkspartei, in dem Sinne und mit dem Anspruch, zu fast allen Fragestellungen ausgewogene Antworten anzubieten. Ich bin überzeugt, so mehr Erwartungen gerecht zu werden, und mehr bewegen zu können als durch Polarisation. Das schließt Zuspitzung im Einzelfall und nicht zuletzt im Wahlkampf nicht aus, um Sachen auf den Punkt zu bringen.

Wer ist Jochen Ritter eigentlich privat? Sind Sie so ein richtiger Olper?

Kürzlich attestierte mir ein Mann aus Hillmicke, der mich auf der Straße angesprochen hatte, nach viertelstündiger Unterhaltung, ich wäre ein normaler Typ. Das hat mich ein wenig an Jürgen Klopps Ausspruch erinnert: „I am the normal one“. So vielseitig mein Beruf als Politiker ist, so unspektakulär ist mein Privatleben. Per Definition bin ich ein Büterling, weil ich nicht in Olpe geboren, sondern vor gut 20 Jahren hier hin gezogen bin, Mitte Juli, passend zum Schützenfest. Ich bin Mitglied im St. Sebastianus-Schützenverein Olpe und in der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Schönholthausen/Ostentrop.

Wie läuft das eigentlich so? Haben Sie noch einen Zweitwohnsitz in Düsseldorf?

Nein, das wäre Luxus. Der Landtag hat Verträge mit ausgewählten Hotels in der Stadt. Ich kann dort 30 Nächte im Jahr verbilligt übernachten. Wenn das nicht reicht und oder ich kein Zimmer bekomme, übernachte ich im Landtag. Im Büro steht eine lange Couch und am Ende des Flurs ist auch eine Dusche.

Ein Umzug kam für Sie nie in
Betracht?

Nein, das war aus vielen Gründen nie ein Thema für mich. Wenn ich die Interessen der Bürger im Kreis Olpe vertreten will, geht das am besten, wenn ich da lebe. Und das tue ich gerne. Selbstverständlich ist Düsseldorf interessant. Insofern habe ich die perfekte Mischung: Die halbe Woche bin ich in der Heimat, die andere Hälfte in der großen weiten Welt.

Außer Politik und Schützentradition – für was können Sie sich noch begeistern?

Kunst, genauer gesagt Expressionismus. Deshalb war ich im September noch im Städl in Frankfurt, wo aktuell Werke der Brücke-Künstler ausgestellt sind, und freue mich auf die gerade eröffnete Munch-Ausstellung im K20 in Düsseldorf. Ansonsten suche ich Ausgleich beim Sport, im Sauerland gerne auf dem Mountainbike, am Rhein beim Laufen. Und mir gefällt die aktuelle Bundesligatabelle.

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