Kabarett

Ingo Börchers entzückt seine Fans im Meggener PZ

Auch beim vierten Gastspiel im Meggener PZ begeistert Kabarettist Ingo Börchers seine Fans. 

Auch beim vierten Gastspiel im Meggener PZ begeistert Kabarettist Ingo Börchers seine Fans. 

Foto: Wilhelm Tenhaef / WP

Meggen.  Kabarett im Turbotempo ist das Markenzeichen von Kabarettist Ingo Börchers. Eine Neuauflage gab es im Meggener PZ.

Die Überraschung bei dem Auftritt des Kabarettisten Ingo Börchers aus Bielefeld im PZ Meggen kommt zum Schluss. Es ist nicht der Satz, mit dem er sein Programm beendet und den ihm seine Oma in seiner Kinderzeit angeblich zum Trost gesagt hat: „Wenn dir ein Vogel auf den Kopf scheißt, sei froh, dass Elefanten nicht fliegen können!“, es ist der ungewöhnliche Umstand, dass Börchers nach seinem Programm kein Buch, keine CD anbietet. Sein einziges Angebot an dem Abend ist er selbst mit seinem neuen Programm „Immer ich!“ Börchers beginnt mit einer wilden Trennung von ich, du, wir, ihr, sie, bei der er Adorno genauso zitiert wie Daniela Katzenberger.

Rasante Analyse

Ziel seiner - wie immer rasant schnell gesprochenen - Ich-Analyse die Behauptung: „Machen wir uns nichts vor, für die meisten ist Ich ein Projekt, das man ins Netz stellen muss.“ Diese Online-Lust gekoppelt mit dem Selfie-Fetischismus führt laut Börchers zu einer Art Persönlichkeitsverlust: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, 1000 Bilder sagen gar nichts mehr.“ Oder frei nach Descartes: „Ich werde geliket, also bin ich.“ Selbst Angst vor Datenklau kann unsere Sucht nach Selbstdarstellung im Netz nicht aufhalten: „Lieber überwacht werden als gar nicht im Netz sein.“ Für Börchers führt dieses Missverhältnis zu unseren medialen Mitteln zur Entfremdung von uns selbst: „Wenn ich für mich selbst ein Du wäre, würde ich mich mit Sie anreden.“ oder: „Nichts ist so alt wie mein Ich von gestern.“

Gleichmacherei in den Medien

Und es führt zu einer Gleichmacherei. Denn über unsere mediale Welt erfahren wir ständig, wie man angeblich sein soll. Dagegen rebelliert Börchers: „Macht etwas Verrücktes, geht zum Beispiel in eine Umkleidekabine und ruft zu einer anderen Kabine: „Hast du auch kein Papier?“ Natürlich bekommen auch Leute wie Trump oder Seehofer ihr Fett weg: „Merkel ist CDU, aber gefühlt SPD, Kretschmann ist Grüner, aber gefühlt CDU. Seehofer ist CSU, aber gefühlt – na lassen wir das!“

Erfahrung und Warnung

Börchers Texte fließen völlig unwestfälisch im Schnelltempo an uns vorbei. Aber es lohnt sich zuzuhören. Wir erfahren etwas über uns selbst und bekommen die Warnung mit, uns nicht ständig dem auszuliefern, was angesagt ist oder Mainstream genannt wird. Börchers war zum vierten Mal im PZ. Wiederkommen absolut erwünscht.

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