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IHK Siegen will Einzelhandel gegen Online-Konkurrenz wappnen

Die IHK Siegen-Olpe erhöht ihr Engagement für den Einzelhandel, damit die Innenstädte in den beiden Kreisen lebendig bleiben.

Die IHK Siegen-Olpe erhöht ihr Engagement für den Einzelhandel, damit die Innenstädte in den beiden Kreisen lebendig bleiben.

Foto: Andreas Arnold / dpa

Olpe.  Die IHK Siegen-Olpe startet eine Handelsoffensive. Einzelhändler in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein sollen im Internet präsenter werden.

Damit die Innenstädte in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein lebendig bleiben und die dortigen Geschäfte gegen die Konkurrenz aus dem Internet gewappnet sind, weitet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen ihr Engagement für den heimischen Einzelhandel deutlich aus.

Die Vollversammlung hat für die nächsten vier Jahre Projektmittel von 500.000 Euro und eine Aufstockung des Personals für eine Handelsoffensive bewilligt. „Wir wollen das H in IHK deutlich stärken“, sagt Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener am Montag auf einer Pressekonferenz.

Einzelhandel für Gewinnung von Fachkräften entscheidend

Während der Umsatz im Einzelhandel seit langem deutlich steigt, ist die Zahl der Handelsunternehmen in den beiden Kreisen des Kammerbezirks zuletzt stark gesunken – von 6100 auf 5200 in gerade einmal zehn Jahren. „Der Handel durchläuft eine schwierige Zeit“, stellt Klaus Gräbener fest, „ist aber ein wichtiger Bestandteil des Regionalmarketings.“ Nur wenn es in der Region attraktive Einkaufsstraßen gebe, könnten die Industrieunternehmen die händeringend gesuchten Fachkräfte überzeugen, in die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein zu ziehen. „Wenn die Innenstädte veröden, hat jeder in der Wirtschaft ein Problem.“

Sechs unterschiedliche Projekte sollen mit den zusätzlichen Mitteln in den nächsten vier Jahren gefördert werden. Das Ziel ist eindeutig: „Händler müssen digital aus der Masse herausschauen“, gibt IHK-Vizepräsident Jost Schneider die Richtung vor.

Unterstützung von Händlern bei Social-Media-Auftritten

Ein Großteil der Projektmittel – rund 50.000 Euro im Jahr – fließt in die Unterstützung von Händlern in den sozialen Medien. „Wir wollen ihnen Ängste oder Sorgen beim Einstieg nehmen“, erklärt IHK-Mitarbeiter Boris Erdmann, der die interessierten Händler beim Aufbau einer Facebook-Seite oder eines Instagram-Accounts unterstützt. Außerdem berät er in Fragen, wie die Unternehmen ihre Reichweite im Internet vergrößern können und welche Inhalte in den sozialen Medien gefragt seien.

Jost Schneider hält diese Betreuung für wichtig. „Viele Einzelhändler haben hohe rechtliche Bedenken“, weiß der Geschäftsführer eines Autohauses aus eigener Erfahrung, „es ist kaum zu überblicken, welche Risiken es gibt.“ Die Experten der IHK könnten Händlern die Unsicherheit nehmen. 60 Unternehmen will Boris Erdmann im ersten Jahr ansprechen, jeweils 80 bis 100 dann in den Folgejahren.

Workshops, Aktionstag und wissenschaftliche Untersuchungen

Begleitet wird das passgenaue Angebot für die Händler von Seminaren zu Social-Media- oder allgemeinen Web-Fragen. „Und auch damit gehen wir in die Fläche“, kündigt Boris Erdmann an. Zwölf Workshops soll es in diesem Jahr im Siegerland geben, acht im Kreis Olpe und vier in Wittgenstein.

Fortgesetzt werden das Projekt „Heimat shoppen“ mit einem Aktionstag im September und die Datenanalyse für den Einzelhandel (DALES) in Attendorn, bei dem Händler etwa durch die Auswertung ihrer Kassendaten die Lagerbestände und den Personaleinsatz optimieren sollen.

Aufbauend auf den Ergebnissen des im vergangenen Jahr veröffentlichten Zentrumsmonitors, in dem die IHK gemeinsam mit der Universität Siegen die Attraktivität der Innenstädte untersuchte, umfasst die nun gestartete Handelsoffensive weitere Untersuchungen. Der Lehrstuhl für Marketing der Uni Siegen ist zudem an dem Projekt „Laborladen Wittgenstein“ beteiligt, in dem die Händler in Bad Berleburg, Erndtebrück und Bad Laasphe während des Geschäftsalltags Anregungen zum Einsatz digitaler Technik erhalten sollen.

Einzelhändler sollen Strategie für Online-Welt entwickeln

„Wir erwarten nicht den einen Big Bang“, blickt Klaus Gräbener auf die Wirkung der Handelsoffensive. „Wir werden damit auch die Entwicklung zu online nicht aufhalten“, ergänzt Jost Schneider. „Das ist aber auch nicht das Ziel.“ Vielmehr wolle die IHK den Händlern eine Strategie an die Hand geben, mit der sie die Möglichkeit erhalten, ihr Geschäftsmodell auf Dauer zu erhalten.

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