Soziales

Ida Nöbel (6) aus Altenkleusheim spendet ihre Haare

Ida (6) spendet ihre Haare für kranke Menschen.

Ida (6) spendet ihre Haare für kranke Menschen.

Foto: Privat

Altenkleusheim.  Ida Nöbel (6) ist eigentlich mächtig stolz auf ihre langen Haare. Jetzt hat sie sie aber abschneiden lassen. Und zwar für den guten Zweck.

Eigentlich war Ida immer mächtig stolz auf ihre Mähne. Ihre Haare reichten schließlich bis über den Popo. Keiner durfte der Sechsjährigen mit einer Schere zu nah kommen. Nicht mal die Mama. Nicht mal im Sommer. Nicht ein einziges Mal ließ sich das Mädchen aus Altenkleusheim die Spitzen schneiden. Bis zu diesem Moment der Erkenntnis: „Es gibt Menschen, die gar keine Haare haben und ich möchte mit ihnen teilen.“

Für das Glück anderer

Ida ist im August eingeschult worden und geht nun in die erste Klasse der Franz-Hitze-Grundschule in Rhode. Sie ist die Tochter von Jennifer (33) und Patrick (38) Nöbel, die zusammen mit Sohn Carl (4) seit neun Jahren in Altenkleusheim leben. In den Herbstferien gibt es Reisepläne. Die Familie möchte Urlaub in Spanien machen. Mutter Jennifer Nöbel versucht ihre Tochter zum Haarschnitt zu bewegen. Wenigstens ein kleines bisschen kürzer. Schließlich ist es in Spanien heiß. „Ida hat wirklich schöne, dicke Haare“, erzählt die Mutter. „Das hat 45 Minuten nach dem Duschen gedauert, bis die mit dem Föhn trocken waren.“ Aber Ida bleibt zunächst stur. Sie mag ihre Haare. Auch wenn sich die lange Mähne manchmal im Schulranzen verfängt.

Doch dann ändert sie ihre Meinung. Im näheren Umfeld der Familie Nöbel hat eine Person Krebs. Die Frau muss eine Chemotherapie machen, verliert immer mehr Haare. Ida bekommt das mit. Und will helfen. Die Familie setzt sich zusammen und spricht darüber. Sie schauen sich ein Video an, das ein Mädchen mit kreisrundem Haarausfall zeigt – und es dann eine Perücke aus Spenderhaaren bekommt. „Erst hatte ich ein bisschen Angst davor, aber dann habe ich das Video gesehen“, erzählt die kleine Ida. „Ich finde das ganz toll, dass sich die Menschen dann so freuen.“

Gesagt, getan. Mutter Jennifer Nödel ruft eine bekannte Friseurin an, die die Familie zuhause besucht. Schließlich ist es Idas erster Haarschnitt. Die Spitzen sind tatsächlich noch ihre Baby-Haare. Und dann geht alles ganz schnell. Schere angesetzt und der Zopf ist ab. „Für uns war dieser Entschluss so bewegend“, ist Jennifer Nöbel stolz auf ihr Mädchen. „Vorher kamen immer die Tränen, wenn es um den Friseur ging. Und dann hat sie nicht ein einziges Mal geweint, als die Haare dann abkamen.“

Spende an Rapunzel

33 Zentimeter werden abgeschnitten. Ida flechtet den Zopf selbst, verpackt ihn zusammen mit der Mama zunächst in Folie und dann in Geschenkpapier. Die Haare gehen an den Bundesverband der Zweithaarspezialisten e.V. (BVZ Rapunzel). Dieses Echthaar wird jedes Jahr im Rahmen einer Versteigerung an den meist bietenden Haarwarenhersteller abgegeben und der Erlös nach Steuern wird an eine gemeinnützige Institution gespendet. Ida freut sich. Am Anfang war es schon ein bisschen komisch mit „kurzen Haaren“ (sie gehen immer noch über die Schultern“) und alle haben geguckt, erzählt sie. Aber mittlerweile hat sie sich dran gewöhnt und kann ihre Haare auch mal offen tragen. Das war vorher kaum möglich. „Und die wachsen ja auch wieder“, sagt das Mädchen lächelnd. „Aber so ist mir im Sommer auch nicht mehr so warm.“

Ob sie nochmal ihre Haare spenden möchte, das weiß Ida noch nicht. Aber jetzt hat sie auch erstmal andere Pläne. Weihnachten steht an. Jetzt wird im Olper Atelier Regitt wieder fleißig für die Adventszeit gemalt und gebastelt. Ida geht seit ihrem dritten Lebensjahr dort regelmäßig hin. Ihre große Leidenschaft- „Am liebsten bastele und male ich den ganzen Tag“, erzählt sie.

Wer ihre Haare bekommt, das spielt für Ida keine Rolle. Das Wichtigste für sie ist, dass sie einem Menschen damit eine Freude bereiten kann.

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