Gericht

Hygieneartikel aus Hospital gestohlen – Täterin verurteilt

Das Gericht verurteilte die Frau aus Olpe zu einer Bewährungsstrafe.

Das Gericht verurteilte die Frau aus Olpe zu einer Bewährungsstrafe.

Foto: Volker Hartmann / picture alliance / Volker Hartmann/dpa

Olpe.  Eine Frau hat mehrfach Feuchttücher und Toilettenpapier aus dem Olper Krankenhaus mitgehen lassen. Dafür entging sie nun nur knapp dem Gefängnis.

Die Angeklagte soll Einmalhandschuhe gestohlen haben, Feuchttücher und Toilettenpapier. Nicht mit einem gewissen Virus verbunden allerdings; sondern mit der Ebbe im eigenen Geldbeutel. Das trägt die 35-jährige Frau jedenfalls als Begründung vor, versichert, dass es ihr sehr leid tue und so etwas garantiert nie wieder vorkomme. Was ihr Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum nur bedingt glauben möchte. Jedenfalls beantragt er ein Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Das Schöffengericht unter Leitung von Amtsrichter Richard Sondermann drückt allerdings noch einmal ein Auge zu und setzt die Strafe aus. Nicht zuletzt aufgrund eines bemerkenswerten letzten Wortes.

Was ist geschehen: Im September 2019 wurde die Frau beobachtet, wie sie auf Station 1 des St.-Martinus-Hospitals aus einem Schrank „drei oder vier Packungen Einmalhandschuhe“ sowie Feuchttücher stahl. Im Wert von 4,50 Euro, was die Tat zu einem Diebstahl geringfügiger Sachen macht.

„38 Tage später“, rechnet der Staatsanwalt genau vor, im Oktober 2019, wurde sie von einer Schwester auf der Station 5b erwischt. Da hatte die Angeklagte ihren sechsjährigen Sohn an einer Hand und an der anderen eine große „Kaufland“-Tüte, in der wiederum Handschuhe und Hygienetücher steckten, außerdem noch eine Packung Toilettenpapier.

Fehlbestände über längeren Zeitraum hinweg

Die Schwester berichtet im Zeugenstand, wie sie die Angeklagte am Arm festhielt, diese ihr darauf in den Oberarm kniff und die Tragetasche vor die Brust stieß. „Der Junge trat mir außerdem auf den Fuß. Der konnte das ganz gut“, sagt die Krankenhaus-Mitarbeiterin, die zuvor von einem Auszubildenden aufmerksam gemacht worden war. „Da ist sie wieder“, hätte der gesagt und die verdächtige Person schon mehrfach beobachtetet.

„Wir bekommen zweimal die Woche neues Material“, ergänzt die Zeugin. Über längere Zeit seien immer wieder unerklärliche Fehlbestände aufgetreten. Bis zu jenem Tag, an dem sie die Angeklagte erwischte und nach deren Flucht die Polizei informierte, die etwas später in der Olper Innenstadt zugreifen konnte. „Seither ist Ruhe“, kann die Krankenschwester auf Nachfrage des Staatsanwaltes bejahen. Die Angeklagte hatte behauptet, die Sachen gekauft zu haben. „Gab es die denn im Kaufland?“, fragt der Richter. Die Zeugin verneint.

Die Angeklagte erschien zunächst gar nicht. Das mochte der Staatsanwalt aber nicht auf sich beruhen lassen und regte an, die Polizei einmal in der nahegelegenen Flüchtlingsunterkunft nachsehen zu lassen. Mit Erfolg. Die Frau wird nach einer guten halben Stunde vorgeführt, ist wohl „auf dem Sozialamt“ gefunden worden. Sie sei längere Zeit in Berlin gewesen, habe keine Post zu Hause kontrolliert und von dem Termin nichts gewusst, entschuldigt sie sich und will zunächst keine Aussage machen. Nach der ersten Zeugin meldet sie sich aber über den Dolmetscher und gibt an, es sei ein Missverständnis gewesen. Alle Vorwürfe stimmten.

Sollten Artikel nach Syrien verschoben werden?

Warum die Diebstähle, fragt der Vorsitzende. Sie habe ihre Wohnung sauber halten wollen und eben auf die Toilette gehen wollen, aber kein Geld gehabt, immer viele Handschuhe gebraucht. Jetzt aber nicht mehr.

Der Anklagevertreter vermutet, dass ein Verschieben der Artikel nach Syrien geplant gewesen sein könnte, hat aber keine konkreten Anhaltspunkte. Scharfenbaum ärgert sich darüber, dass die Angeklagte behauptet, es habe nur zwei Vorfälle gegeben. Neben der Aussage der Zeugin, dass über längere Zeit Hygieneartikel verschwunden seien, gebe es im Bundeszentralregister eine ganze Reihe von Vorstrafen einschlägiger Art. „Sie waren doch auch schon im Gefängnis“, hält er der Angeklagten vor. „Hier gehe es nur um das Krankenhaus und da sei sie lediglich zweimal gewesen“, antwortet sie patzig.

Warum sie denn Gewalt gegen die Krankenschwester angewendet habe, möchte Sondermann von ihr wissen. Die habe sie nicht gehen lassen wollen, „ich hatte Angst“, kommt als Antwort. Die Schwester sei natürlich berechtigt gewesen, sie am Verlassen des Raumes zu hindern, merkt der Amtsrichter an.

Drei Monate Haft schon abgesessen

Die Bewährungshelferin erklärt, ihre Klientin lebe gut sieben Jahre in Deutschland, spreche die Sprache praktisch aber gar nicht, habe eine Duldung und sei ausreisepflichtig: „Weil sie über Frankreich eingereist ist.“ Die Angeklagte wolle eigentlich auch ausreisen, „aber nur mit ihrem Kind“. Das wiederum lebe derzeit beim Vater, der Sorgerechtsstreit sei noch nicht entschieden. Die Berlinreise der Angeklagten hatte offenbar mit Pass-Angelegenheiten zu tun. Aktuell versucht die Sozialarbeiterin, ihr einen Sprachkurs zu vermitteln, „der allerdings über WhatsApp abliefe“.

Obwohl die Bewährungshelferin eine positive Sozialprognose stellt, sieht Scharfenbaum keinen Raum für eine weitere Bewährung. Verteidiger Wolfgang Stahl schon. „Reicht es nicht, dass ich schon drei Monate im Gefängnis war“, ruft anschließend die Angeklagte und möchte dort „nicht wieder hin“. Das Gericht kommt der Bitte nach.

Sie wird wegen räuberischen Diebstahls in einem minderschweren Fall und Diebstahls geringfügiger Sachen verurteilt. Ein Jahr mit Bewährung, dazu 80 Sozialstunden, die innerhalb von sechs Monaten geleistet werden müssen. Richter Sondermann und die Schöffen haben tatsächlich die dreimonatige Haft berücksichtigt, die von der Angeklagten als Ersatz für eine Geldstrafe abgesessen wurde. Aber auch nur, weil dies nach den Diebstählen erfolgt sei, von November 2019 bis Februar 2020. Das habe hoffentlich etwas bewirkt, betont der Vorsitzende: „Hätten Sie die Taten nach der Haft begangen, müssten Sie jetzt ins Gefängnis!“ Er wertet das Geständnis positiv. Strafschärfend wirke aus Sicht des Gerichtes aber, dass die Diebstähle an einem Ort passiert seien, „wo Menschen geholfen wird“.

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