Entwicklungshilfe

Hilfe aus Wenden für Qaru in Tansania

Jürgen Spieker (hinten rechts) bei der Einweihung des großen Waschhauses im Krankenhaus Qaru. 

Jürgen Spieker (hinten rechts) bei der Einweihung des großen Waschhauses im Krankenhaus Qaru. 

Foto: Privat

Wenden/Tansania.  Seit zehn Jahren organisiert Jürgen Spieker (DRK Wenden) Hilfsaktionen für Tansania. Die Ausbildung der Frauen ist oft der Schlüssel zum Erfolg

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Als Jürgen Spieker, ehrenamtlicher Rettungssanitäter des DRK Wenden, im August 2009 zum ersten Mal nach Tansania kam, ahnte er noch nicht, dass er dort zehn Jahre später immer noch aktiv sein würde. Inzwischen ist viel passiert. Damals zog er durch den Distrikt Karatu, um in neugegründeten Rot-Kreuz-Vereinen, in Dorfgruppen (vor allem Frauen zeigten Interesse) und in Sekundarschulen Erste-Hilfe-Kurse anzubieten.

Schon bei dem ersten Besuch in Tansania wurde Spieker von einer kirchlichen Frauengruppe gebeten („Can you help us, Father?“), den Bau eines einfachen Hauses weiterzuführen, das eine kleine Krankenstation werden sollte. Seitdem entsteht in dem Flächendorf Qaru (Durchmesser ca. 20 km) nach und nach ein Gesundheitszentrum mit Frauen- und Männerstation, mit einem Mutter-Kind-Haus einschließlich Geburtsraum, mit einem Angestelltenwohnhaus, mit großen Wassertanks, mit Abwasserleitungen und –tanks, einem Verbrennungsofen und seit dem letzten Jahr auch mit einem Waschhaus.

In diesem Jahr wird ein zweites Angestelltenwohnhaus gebaut, um weiteren sechs Krankenschwestern die Möglichkeit zu geben, in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses zu wohnen. Das Dorf ist 1200 m entfernt und der unbeleuchtete Weg in der Nacht ist für die Schwestern ohne männliche Begleitung zu riskant. Parallel zum Aufbau des Krankenhauses sammelte Bianka Feldmann, Spiekers Ehefrau, mit Hilfe der Schüler, Eltern und Kollegen ihrer damaligen Schule in Olpe-Dahl bzw. in Olpe-Rüblinghausen Spenden für den weiteren Ausbau der Sekundarschule Qaru.

Der dritte Bereich dieses Tansaniaprojektes besteht in der Förderung von Schülerinnen und Schülern aus sehr armen bzw. unvollständigen Familien, denen mit Hilfe von Sponsoren nach der Grundschule der Besuch der weiterführenden Schule und im Anschluss daran eine Berufsausbildung/ein Studium ermöglicht wird.

Frauen auf dem Vormarsch

Zur Zeit befinden sich noch zehn „Students“ (davon 9 weiblich) in den Fördermaßnahmen. Vier der jungen Frauen haben sich dazu entschlossen, nach dem Schulabschluss einen medizinischen Beruf anzustreben – eine kostenintensive Berufsausbildung, die sich nur wenige Familien hier auf dem Land für ihre Töchter erlauben können.

Wichtig ist vor allen Dingen, dass die Mädchen auf dem Land – zwei Drittel der Bevölkerung lebt auf dem Land – einen Beruf erlernen, Geld verdienen können und damit ihre Freiheit erhalten. Diese Frauen lassen sich nicht mehr vorschreiben, wann und wen sie heiraten sollen und werden sicherlich den Wünschen ihrer späteren Ehemänner eigene Vorstellungen gegenüberstellen.

Acht Kinder keine Seltenheit

In den Dörfern sind acht oder mehr Kinder keine Seltenheit, obwohl die ein bis zwei Hektar Land hinter dem selbstgebauten Häuschen die Familie kaum ernähren können. Die Angestellten in dem entstehenden Gesundheitszentrum Qaru wie auch die Lehrer und Lehrerinnen in den Schulen der Umgebung haben nur ein bis drei Kinder, denen sie eine qualifizierte Ausbildung ermöglichen können.

Unverkennbar: Bildung der Eltern schützt die Kinder vor späterer Armut. Als Spieker vor zehn Jahren nach Tansania kam, hat es ihn nicht gewundert, dass ein Arzt die Leitung der Krankenstation übernahm. Heute ist er froh, dass eine Chefärztin das Krankenhaus leitet – für die Männer auf dem Land eine große Überraschung, dass Frauen mehr können als Kinder kriegen und Mais anbauen. Und dazu durfte die männliche Landbevölkerung erleben, dass in den letzten Jahren nicht mehr der Kreisdirektor (District Commissioner) zur Eröffnung eines weiteren Hauses eingeladen wurde, sondern die Kreisdirektorin. Es ist sehr wohltuend zu erleben, dass sich seit einiger Zeit offensichtlich etwas in Afrika tut: Eine neue Generation ist auf dem Vormarsch!

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