Kulturgemeinde

Großes Theater zum Saisonstart in Lennestadt

Selbst als es ihm an den Kragen zu gehen droht, windet sich Scarpin (am Boden liegend) auch aus dieser für ihn gefährlichen Situation wieder heraus.

Selbst als es ihm an den Kragen zu gehen droht, windet sich Scarpin (am Boden liegend) auch aus dieser für ihn gefährlichen Situation wieder heraus.

Foto: Werner Riedel

Lennestadt.  Mit einem Glanzpunkt startet in Lennestadt die neue Theatersaison der Kulturgemeinde Hundem-Lenne.

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Von einem gelungenen Auftakt der neuen Schauspielsaison im Theater der Lennestadt zu sprechen, wäre eine absolute Unverschämtheit. Was und wie das Ensemble des Neuen Globe Theater aus Potsdam mit Molières „Die Streiche des Scarpin“ am Sonntagabend auf die Bühne des PZ in Meggen zauberte, kann getrost als grandioser Glanzpunkt mitreißender Schauspielkunst bezeichnet werden.

Mit offenem Szenenapplaus und stehenden Ovationen bedankte sich das restlos begeisterte Publikum schließlich am Ende eines ebenso langen wie großartigen Theaterabends, der in die Geschichte der Kulturgemeinde Hundem-Lenne eingehen wird.

Preiswürdig

Der „Scarpin“ der Globe-Truppe ist für den großen Inthega-Preis vorgeschlagen. Ginge es nach dem heimischen Publikum, so stände der Gewinner bereits zum jetzigen Zeitpunkt fest.

Auch heute sind Stücke des im 17. Jahrhundert lebenden Vollblut-Schauspielers und vom Theater besessenen Molière aus den Schauspielprogrammen – auch in Deutschland – nicht wegzudenken.

Tartuffe, der eingebildete Kranke, der Geizige oder der Bürger als Edelmann. Rund 30 Stücke verfasste der Franzose, der im Jahr 1673 im Alter von 51 Jahren starb. Die turbulente Komödie mit einer Riesenportion Situationskomik verfasste Molière 1671, zwei Jahre vor seinem Tod. Ins Deutsche übersetzt wurden seine Werke erst 80 Jahre später. Wen wundert’s, tobte doch hierzulande bis 1648 noch der 30-jährige Krieg mit seinen dramatischen Folgen.

Pfiffigkeit und Lebensfreude

Die „Streiche des Scarpin“ bündeln französischen Esprit mit der Spitzigkeit und Lebensfreude der italienischen Commedia dell’Arte. Ein Geniestreich der Globe-Inszenierung, der Einstieg mit einem Blick auf das meist in Existenzängsten verhaftete Theaterschaffen Molières gelingt, um sodann nahtlos in den Scarpin-Stoff einzutauchen. Schnell wird klar, wen Molière auch mit diesem Stück aufs Korn nimmt: Den Geld-Adel mit all seinem Geiz, seiner Verlogenheit und Heuchelei, seiner Menschenverachtung und Dummheit.

Als Gegenspieler der Diener Scarpin: pfiffig, gerissen, nicht unbedingt wahrheitsliebend, wenn es darum geht, die „hohen Herren“ der Lächerlichkeit preiszugeben oder einem Stück Menschlichkeit Vorschub zu leisten. Und wird er bei seinen Ränkespielen doch einmal erwischt? Natürlich gelingt es dem Pfiffikus, seinen Hals wieder aus der Schlinge zu ziehen.

Unbändige Spielfreude

Dem Ensemble merkte man in jeder Sekunde eine unbändige Spielfreude an. Es wurde vom begeisterten Publikum in einen wahren Spielrausch getragen. Allen voran Molière- und Scarpin-Darsteller Kilian Löttker. Ein komödiantisches Pulverfass, das nur allzu gern explodierte. Was der Schauspieler an diesem Abend ablieferte, war im wahrsten Sinne herausragend aus einer phantastischen Gesamtleistung des Ensembles mit Andreas Erfurth, Rike Joeinig, Alexander Jaschik, Kai Fredric Schrickel, Dierk Prawdzik, Petra Wolf, Christian Keilig und Uli Krohm.

Wie sehr auch die Schauspiel-Truppe aus Potsdam diesen Theaterabend genossen hatte, zeigte sie mit ihrem langen Applaus fürs Publikum. Ein denkwürdiger Abend. Ein großer, großer Theaterabend in Lennestadt.

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