Theater

Großes Theater in Lennestadt - Publikum ist begeistert

Cooper (Joachim Bliese) ist unsanft auf seinem Hosenboden gelandet. Tochter Julia (Susanne Eisenkolb) und Schwiegersohn Peter (Sebastian Herrmann) helfen dem alten Herrn wieder auf die Beine.

Cooper (Joachim Bliese) ist unsanft auf seinem Hosenboden gelandet. Tochter Julia (Susanne Eisenkolb) und Schwiegersohn Peter (Sebastian Herrmann) helfen dem alten Herrn wieder auf die Beine.

Foto: Werner Riedel

Lennestadt.  Die tiefgründige Komödie „Schon wieder Sonntag“ über die Würde der älter werdenden Menschen begeistert das Publikum.

Kauzig, schrullig, aber auch vereinsamt und resignierend – Charakterzüge und Verhaltensweisen, die unwillkürlich bei Gedanken an das Alter und die Alten herumgeistern. Oder klingt Seniorin und Senior besser? Ab wann ist man eine solche, ein solcher? Altes Eisen – mit und ohne Rost oder Patina – erst ab 80? Oder doch schon ab 55?

Schicksal von Millionen

Erfahren, reflektierend, desillusioniert, abgeschoben, missachtet und verwahrt - das scheinbar oder anscheinend ausweglose Schicksal von Millionen. Selbst von den eigenen Nachkommen oftmals nur noch wahrgenommen als potenzieller Erblasser. „Schon wieder Sonntag“, die tiefgründige Komödie von Bob Larbey unter der Regie von Peter Kühn als Inszenierung des Frankfurter Theaters im Zoo/Nordtour-Theater auf die Bühne gebracht, sorgte am Mittwochabend im Theater der Lennestadt für Beifallsstürme des Publikums.

Alltag im Seniorenheim

Alltag in einem englischen Seniorenheim. Cooper (in einer Glanzrolle Joachim Bliese) hat den Kampf gegen Abstumpfen und Resignation noch längst nicht aufgegeben. Zwar wollen die morschen Knochen oftmals nicht mehr so wie ihr Besitzer. Das hindert Cooper aber keineswegs daran, mit Schwester Wilson (Laura Uhlig) und Putzfrau Baker (Sabine Roller) zu schäkern und mit seinem schließlich an Demenz erkrankten Freund Aylott (beeindruckend: Pavel Fieber) fiktive Zukunftspläne zu schmieden. Mit Ironie und Sarkasmus erträgt er sogar alle vier Wochen sonntags die immer kürzer werdenden Pflichtbesuche von Tochter Julia (Susanne Eisenkolb) und Schwiegersohn Peter (Sebastian Herrmann). Ein Theaterstück, das nicht durch Handlung oder Spannungsbögen lebt, sondern durch seine Dialoge. Und die erlesenen schauspielerischen Leistungen der Akteure auf der Bühne, die sensibel die Ängste, Verletzlichkeiten, die Widerstandskraft, das Niemals-aufgeben-wollen, die Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft herausarbeiten. Ganz großes Theater.

Zombies mit Demenz

Es wirkt befreiend, wenn das Publikum – der englische Humor zeigt gottlob Wirkung – nach anfänglichem Zögern auch über Coopers politisch ach so unkorrekte Sprüche lachen kann. Bezeichnet er die an Demenz erkrankten Mitbewohner doch überaus zärtlich als „Zombies“. Aber nur allzu schnell wird klar, dass auch dieser Mann eine Heidenangst vor der tückischen Krankheit hat. Und seinen ganz persönlichen Kampf gegen diese Furcht und das Abgleiten in die eigene Bedeutungslosigkeit für Gesellschaft und Familie aufgenommen hat.

Auch wenn es mächtig knirscht im eigenen Gebälk. Und die Verwirrtheit beim Freund wächst. Sein Bekenntnis zur Würde des Menschen. Auch und gerade auch im Alter.

Also: Aufgeben? Niemals!

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