Ihnetalbrücke

Geduld der Autofahrer wird weiter strapaziert

Die Baustelle Ihnetalbrücke wird den Autofahrern noch eine Weile erhalten bleiben.

Foto: Peter Plugge

Die Baustelle Ihnetalbrücke wird den Autofahrern noch eine Weile erhalten bleiben. Foto: Peter Plugge

Kreis Olpe.   Ihnetalbrücke: Fertigstellung lässt auf sich warten

Viele der Autofahrer, die regelmäßig die Landstraße 512 zwischen Attendorn und Olpe befahren, werden es aus leidvoller Erfahrung wissen: seit gut einem Jahr ist die Ihnetalbrücke in Höhe des Biggedamms halbseitig gesperrt.

Hatte Eberhard Zimmerschied von Straßen NRW seinerzeit bei der Verkündigung der Maßnahme noch optimistisch gesagt, der notwendige Bau eines Stützgerüstes aus Stahl könne eventuell bis zum Jahresende - wohl gemerkt 2016 - erledigt sein, so wird jetzt das Ende dieses Jahres angepeilt. Wobei Karl-Josef Fischer, Medienbeauftragter der Regionalniederlassung Südwestfalen von Straßen NRW, ebenso aus leidvoller Erfahrung nicht mehr bereit ist, einen Fertigstellungstermin zu nennen.

Zusätzliche Bodengutachten

Zahlreiche Pendler, die trotz optimierter Schaltungszeiten der Ampelanlage täglich gerade in den Hauptverkehrszeiten in den Staus vor der Brücke stehen, haben mittlerweile kein Verständnis mehr dafür, dass sich an der Brücke nichts tut. Zwar wurden im Frühjahr die Bäume und Sträucher an einem Zufahrtsweg gerodet und man sah mehrfach ein Bohrfahrzeuge im Bereich der Fundamente der Brückenpfeiler, doch das war es dann auch.

Und es ist nicht etwa die Haselmaus für die Verzögerungen verantwortlich. Karl-Josef Fischer räumt vielmehr ein: „Vielleicht ist man etwas zu blauäugig an das Projekt herangegangen“. Die Probleme sind vielfältig. So sei man zum Beispiel zunächst davon ausgegangen, dass die Bahntrasse von Attendorn nach Olpe vor der Brücke dagewesen sei. Dem sei aber nicht so. Daher verlaufe der aufgeschüttete Bahndamm, der die Brücke zwischen zwei Pfeilern unterquert, vier Meter höher als deren Fundamente.

Das habe weiteren Abstimmungsbedarf mit der Deutschen Bahn und weitere, zusätzliche Bodengutachtem und Baugrunduntersuchungen zur Folge gehabt. Und da der Tiefbau boome, stünden die Firmen, die so etwas machen, nicht kurzfristig zur Verfügung.

Die sehr gute Auftragslage bei den Baufirmen habe auch zur Folge, dass alle freien Ingenieurbüros, die solch eine Maßnahme planen können, „bis oben hin mit Arbeit zu sind“, so Fischer.

Daher habe man sich bei Straßen NRW dazu entschieden, nicht nur die erste Entwurfsplanung als Basis für die Ausschreibung, sondern auch die komplette spätere Bauausführungsplanung mit der dazugehörigen Statik, die normalerweise der Auftragnehmer nach dem Gewinn der Ausschreibung beauftragt, selber zu machen. Auch das habe Zeit gekostet, da man ebenfalls voll ausgelastet sei.

Keine Stahlträger von der Stange

Derzeit sieht die weitere Zeitplanung so aus, dass der Auftrag nach der notwendigen europaweiten Ausschreibung des mit 700 000 Euro veranschlagten Projekts „im September rausgehen soll“ (Fischer). Da dann alle notwendigen Planungen vorliegen, könnte die Umsetzung nach der Vergabe „relativ schnell“ in Angriff genommen werden. Wenn, ja wenn dann die benötigten Stahlträger, Fischer: „die erhalten Sie auch nicht mal eben so im Baumarkt“, zeitnah geliefert werden können. Die eigentlichen Bauarbeiten für das Traggerüst vor Ort könnten dann in „vier bis sechs Wochen“ erledigt sein.

Vielleicht erhalten die leidgeprüften Verkehrsteilnehmer auf der L 512 ja wirklich ein Weihnachtsgeschenk in Form der Aufhebung der Ampelregelung auf der Ihnetalbrücke.

Zahlen, Daten, Technik

Bei der Ihnetalbrücke handelt es sich um eine sogenannte Hohlkastenbrücke. Sie wurde im Jahr 1959 im Rahmen des Baus der Biggetalsperre errichtet. Eine statische Neuberechnung der Brücke hatte ergeben, dass sie diesen Belastungen ohne ein stützendes Stahlkorsett nicht mehr gewachsen ist.

Sie wird heute von circa 12 000 Fahrzeugen pro Tag befahren. Der Lkw-Anteil beträgt etwa acht Prozent. Bis 2022 soll sie durch einen kompletten Neubau ersetzt werden.

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