Neujahrsputz

Freiwilliger Straßenkehrer räumen in Altenhundem auf

Die Arbeit ist vollbracht: Überwiegend Flüchtlinge aus Pakistan schauen am Neujahrsmorgen in Altenhundem stolz in die Kamera.

Die Arbeit ist vollbracht: Überwiegend Flüchtlinge aus Pakistan schauen am Neujahrsmorgen in Altenhundem stolz in die Kamera.

Foto: Jugendorganisation

Altenhundem.   Mitglieder der muslimischen Jugendorganisation Ahmadiyya Muslim Jamaat machen die Straßen in Altenhundem sauber. Sauberkeit Teil des Glaubens.

Raketenreste, leere Böller-Packungen, kaputte Sektflaschen. Dreck und Müll, soweit das Auge reicht. Ein ganz normales Straßenbild am Neujahrsmorgen. Anders in Altenhumdem: Wer an der Lennestraße, In den Höfen, am Marktplatz oder am Rathaus wohnt, dem fällt am frühen Montagmorgen auf: Die Straßen sind wie leergefegt – und zwar im doppelten Sinne: Während sich die meisten Anwohner nach einer langen Nacht noch im Tiefschlaf befinden, machen sich Faiz Saddique und seine 23 Mitstreiter von der muslimischen Jugendorganisation Ahmadiyya Muslim Jamaat zum Neujahrsputz auf. Los geht es bereits gegen kurz vor acht Uhr, direkt nach dem Morgengebet und einem gemeinsamen Frühstück – ausgestattet mit Schippen, Besen, Greifern und vielen Müllsäcken.

Die Mission

Die Mitgliedern der Organisation, die aus Lennestadt, Olpe und aus Teilen des Siegerlandes kommen, geben für ihre Reinemachaktion ein gemeinnütziges Motiv an: „Wir wollen den Leuten hier und der Stadt etwas Gutes tun“, betont Saddique (22), der eine Lehre zum Nutzfahrzeugmechatroniker macht und sich ehrenamtlich für die muslimische Gemeinde engagiert. „Unsere Mitglieder haben sich freiwillig gemeldet, wir haben viel Spaß gehabt.“ Die Idee dazu hat eine Vorgeschichte.

Der Hintergrund

Für die Jugendorganisation hat der Neujahrsputz Tradition, immerhin organisieren die Muslime ihn bundesweit seit rund 20 Jahren. Im Kreis Olpe indes war die Gemeinde lange Zeit zu klein, weshalb Saddique und die anderen bis vor zwei Jahren der Gemeinde Lüdenscheid angehörten. „Dort haben wir in Meinerzhagen zu Neujahr schon immer saubergemacht“, berichtet der Pakistani, der in Altenhundem aufwuchs. „Jetzt ist die Gemeinde im Kreis gewachsen und es war für uns an der Zeit, die Aktion auf eigene Beine zu stellen.“

Der Glauben spielt ebenso eine Rolle, denn nach einer Überlieferung des Propheten Mohammed ist die Sauberkeit ein Teil des Glaubens. „Deswegen ist es selbstverständlich, dass auch wir Muslime bei der Säuberung unserer Stadt mitwirken“, erklärt der 22-Jährige. und ergänzt: „Gottesdienst im Islam bedeutet, nicht nur zu beten, sondern auch der Menschheit zu dienen.“

Die Stadt

Bevor die Männer, überwiegend Flüchtlinge aus Pakistan, die mittlerweile ein Bleiberecht besitzen, loslegen können, muss die Stadt Lennestadt noch grünes Licht geben. Das stellt kein Problem dar. Denn immerhin nehmen die Moslems dem Bauhof und Remondis als beauftragtes Unternehmen für die Straßenreinigung eine Menge Arbeit ab. „Es ist eine tolle Geste, für andere den Dreck wegzumachen“, lobt Martin Steinberg vom städtischen Bauhof, der die Aufgabe der Stadt wie folgt beschreibt: „Wir waren so eine Art Back-up und haben die notwendigen Utensilien gestellt.“ Ebenso erfreut zeigt sich Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt, der auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt: „Das war eine sehr wohlwollende Tat und, wie ich finde, eine religiöse und kulturelle Eigenschaft, die gut in unsere Zeit passt.“ Der Bürgermeister ergänzt, dass es auch andere Menschen in Lennestadt gebe, die regelmäßig mit dem Müllsack durch die Stadt liefen.

Die Funde

Neben Böllern, Raketen, Batterien, Zigaretten und Glasscherben entdecken die Müllsammler sogar ein Handy, das sie gestern im Fundbüro abgegeben haben. Am Ende sind ein Dutzend Müllsäcke voll.

>>> Info: Islam-Ausstellung und Charity-Walk geplant

Die muslimische Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat zählt im Kreis derzeit 65 Mitglieder.

Weitere Aktionen haben die Muslime für dieses Jahr geplant, wie etwa eine Islamausstellung oder einen Charity-Walk. Konkret sind die Planungen allerdings noch nicht, heißt es.

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