Prüfungen

Fahrlehrer im Kreis Olpe sind sauer

Fahrlehrer Wolfgang Gräve muss vor dem Olper TÜV in der Trift auf Prüfungstermine warten.

Foto: Roland Vossel

Fahrlehrer Wolfgang Gräve muss vor dem Olper TÜV in der Trift auf Prüfungstermine warten.

Kreis Olpe.   Es gibt nicht genügend Termine beim TÜV. Dort fehlen die Prüfer. Die Fahrschüler ärgern sich über lange Wartezeiten.

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Die Fahrlehrer im Kreis Olpe schlagen Alarm. Sie werden gezwungen, auf die Bremse zu treten. Grund: Dem TÜV gehen die Prüfer aus, und für die Fahrschüler gibt es deshalb immer weniger Prüftermine. Ärgerliche Konsequenz: wochenlange Wartezeiten.

Die Situation hat sich zugespitzt, wie Wolfgang Gräve, Leiter des Unterbezirks Olpe im Fahrlehrer-Verband Westfalen, im Gespräch mit unserer Zeitung betont: „Es ist ein schleichender Prozess seit acht Wochen. Im Mai hat man noch gesagt, es liegt an den Feiertagen, dann wurde es im Juni und Juli immer schlimmer. Wir bekommen nur noch zwischen einem Drittel und der Hälfte der Prüfzeiten, die wir benötigen. Ich kann die Leute nicht fahren lassen und dann sagen: Jetzt wartest du acht bis zehn Wochen bis zur Prüfung.“ Gräve, der Fahrschulen in Olpe, Drolshagen und Wenden mit sechs Fahrlehrern betreibt, benötigt acht bis zehn Prüfplätze pro Woche, erhält jedoch nur drei bis vier.

Kurzarbeit beantragt

Der TÜV Nord habe das alleinige Prüfrecht, besitze also ein Monopol, aber stelle nicht die erforderlichen Prüfer zur Verfügung: „Einige Fahrschulen fahren schon auf Halbgas, obwohl wir Arbeit genug haben. Auch wird schon über Kurzarbeit nachgedacht bzw. liegen der Agentur für Arbeit erste Anfragen hierzu vor. Im Nutzfahrzeug- Sektor Bus und Lkw könnte es kurzfristig ebenfalls zu Verzögerungen kommen, wodurch auch in anderen Firmen finanzielle Nachteile entstehen werden.“ Er selbst habe schon Kurzarbeit beim Arbeitsamt beantragt, so Gräve.

Besonders ärgert den Fahrlehrer aus Drolshagen, dass den Fahrschulen der schwarze Peter für die verfahrene Situation zugeschoben wird: „Die Fahrlehrerschaft trifft keine Schuld. Es liegt an der falschen Personalpolitik des TÜV Nord. Dieser hat einen klaren Prüfauftrag und den erfüllt er nicht.“ Einige Prüfer seien im Sieger- und Sauerland in Rente gegangen und der TÜV habe gesagt, dass man angesichts des demografischen Wandels nicht mehr so viel Prüfer brauche. Offenbar eine Fehleinschätzung. „Wir haben im Moment unheimlich viele Motorradprüfungen“, so Wolfgang Gräve. Auch Anja Schäfers, die mit ihrem Mann Fahrschulen in Finnentrop, Altenhundem und Möllmicke betreibt, meint: „Durch die Zuwanderer brauchen wir mehr Prüftermine. Sie machen drei bis vier Prüfungen. Die Sprache ist oft das Handicap.“ Die aktuelle Situation sei „ein Unding, eine wirtschaftliche Katastrophe. Und in den nächsten Monaten soll es noch gravierender werden.“

Wolfgang Gräve redet Klartext: „In meinen Augen ist das geschäftsschädigend. Die oberste Heeresleitung beim TÜV hat gepennt. Ich bin seit 28 Jahren selbstständig, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Der TÜV weist die Vorwürfe zurück. Die zugewiesenen Prüfungstermine hätten in den vergangenen Monaten nicht abgenommen, sondern zugenommen, so Pressesprecherin Irena Tsagurnis auf Anfrage unserer Zeitung. Und: „Durch die erhöhten Anforderungen der Fahrschulen, insbesondere auch im Hinblick auf den Ferienbeginn, kommt es jedoch vor, dass nicht jede Terminanforderung direkt auch in vollem Umfang erfüllt werden kann. So sind aktuell Wartezeiten in der Terminbestätigung nicht gänzlich zu vermeiden.“ Gründe für die gestiegene Anzahl von Prüfaufträgen seien neben der Zunahme der Aufträge für Ersterwerber auch ein deutlicher Zuwachs von Prüfungen für Inhaber ausländischer Fahrerlaubnisse. Zudem sei die Quote der nicht bestandenen Prüfungen nicht unerheblich angestiegen, so dass auch für die zusätzlichen Wiederholungen weitere Termine benötigt würden.

TÜV sieht Entspannung der Lage

„Durch Einsatz von Mitarbeitenden aus anderen Arbeitsgebieten und Nutzung von Mehr- sowie Samstagsarbeit ist es uns im ersten Halbjahr 2018 gelungen, nochmals gut fünf Prozent mehr Prüftermine anzubieten bzw. durchzuführen. Mit den bereits vorgenommenen Personaleinstellungen, die in Kürze ihre Ausbildung abschließen werden und dann entsprechend eingesetzt werden können, sollte sich die Lage insgesamt wieder entspannen“, meint TÜV-Nord-Sprecherin Irena Tsagurnis.

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