Krankenkasse

Erleichterung bei Familie Bähr: Merle bekommt Pflegedienst

Melanie Bähr und ihre Tochter Merle.

Melanie Bähr und ihre Tochter Merle.

Foto: Dominik Brendel / WP

Wenden.  Die schwer kranke Merle aus Wenden bekommt wieder einen Pflegedienst. Ihre Mutter ist erleichtert. Aber warum musste sie so lange kämpfen?

An diesem Montagmittag herrscht beste Laune im Hause Bähr. Die kleine Merle schaut den Zeitungsreporter zwar erst etwas skeptisch an, als dieser in der Küche Platz nimmt. Aber dann taut das kleine Mädchen schnell auf.

Merle lacht, brabbelt und wirft Malstifte auf den Boden. Ob sie nicht ein paar Fragen für unsere Leser beantworten möchte? „Jaaa“, sagt die 18 Monate junge Merle laut und lacht.

Die guten Neuigkeiten

Auch ihre Mutter, Melanie Bähr, ist gut gelaunt. Die 31-Jährige bekam vor kurzem einen Anruf, den sie so schnell nicht vergessen wird. Die Barmer-Krankenkasse teilte der Wendenerin gute Neuigkeiten mit: Ihre kleine Tochter Merle, die an einem schweren Gendefekt leidet und permanent an ein Atemgerät angeschlossen sein muss, bekommt ab sofort wieder einen Pflegedienst. All der Stress und die Sorgen der letzten Wochen waren in diesem Moment wie weggeblasen. „Wir haben uns riesig gefreut. Mein Mann und ich haben Stolz empfunden, weil wir so viel für Merle gekämpft haben“, sagt Melanie Bähr.

Pflegedienst nicht mehr benötigt

Vor rund zwei Monaten hatte die Barmer der Familie aus Wenden die häusliche Krankenpflege gestrichen. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Westfalen-Lippe hatte in einem Gutachten befunden, dass Merle die Unterstützung durch eine Pflegekraft nicht mehr benötigt. Und das, obwohl das kleine Mädchen nicht richtig atmen kann und stets auf ein Sauerstoffgerät angewiesen ist. Merle braucht 24 Stunden am Tag eine Betreuung. Ärzte hatten den Bährs damals gesagt, dass Merle wohl nicht älter als ein Jahr wird.

In zwei Gutachten vom August diesen Jahres ist der MDK zum Ergebnis gekommen, dass der Betreuungsumfang von 200 Stunden im Monat bei Merle medizinisch nicht notwendig sei. „Stattdessen empfahl der MDK punktuelle Unterstützung durch die Pflegefachkräfte. Daher blieb uns als Krankenkasse nichts anderes übrig, als die bis dato übernommenen 200 Stunden über vier Wochen hinweg etappenweise zu reduzieren“, sagte Barmer-Pressesprecherin Sara Rebein. „Ich finde es menschenunwürdig, einem schwerkranken Kind die Pflege zu verwehren“, ärgerte sich Melanie Bähr.

Schreiben an unsere Redaktion

Aber sie und ihr Mann hörten nicht auf für ihre Tochter zu kämpfen. Melanie Bähr wendete sich in einem Schreiben an unsere Redaktion. „Es ist unglaublich, wie viel Hilfsbereitschaft wir in den letzten Wochen erfahren haben. Aber es ist traurig, dass wir überhaupt so viel kämpfen mussten“, schüttelt die Wendenerin den Kopf.

Am Montag vergangener Woche erstellte der MDK schließlich ein neues Gutachten und wenige Tage später stand fest: Die Bährs bekommen von der Barmer wieder einen Pflegedienst, der die junge Familie 200 Stunden im Monat unterstützt. „Wir haben alles uns Mögliche getan haben, um mit Familie Bähr eine Lösung zu finden. Deshalb freuen wir uns sehr, dass wir die beantragte Leistung für häusliche Krankenpflege bewilligen konnten. Diese Entscheidung war auf der Grundlage des positiven MDK-Gutachtens möglich“, sagte ein Barmer-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

An der Grenze

Der Pflegedienst sei jetzt bitter nötig, sagt Melanie Bähr, denn in den vergangenen Wochen ging die 31-Jährige an ihre Grenzen. Wann sie das letzte Mal gut geschlafen hat? „Das weiß ich nicht. Ich glaube, seitdem Merle auf der Welt ist, schlafe ich nicht mehr richtig. Man lebt ständig mit der Angst, dass ihr etwas passiert“, sagt die junge Frau. Weil ihr Ehemann beruflich unter der Woche stark eingebunden ist, musste Melanie Bähr 24 Stunden am Tag auf ihre kranke Tochter aufpassen. Fünf Tage die Woche.

Außerdem hat die Wendenerin ja noch einen Sohn. Lennart ist vier Jahre alt und geht in den Kindergarten. Er versteht, dass seine kleine Schwester schwer krank ist und man viel auf sie aufpassen muss. Es war nicht einfach, ihrem Sohn die Situation zu erklären, sagt Melanie Bähr. „Wir haben ihm das offen und ehrlich gesagt. Über Leben und Tod haben wir mit ihm gesprochen. Das ist ihm nicht fremd“, sagt Bähr und fügt an: „Er liebt seine Schwester über alles – und sie liebt ihn.“

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