Einzelhandel

Erfolg im Attendorner Dom-Carré

Dieter, Sven und Tina Jakob (von links)

Dieter, Sven und Tina Jakob (von links)

Foto: Steinbach

Attendorn.   Drei Attendorner Geschäfte werden zu einer eigenen Marke und haben mit Kundenbindung Erfolg

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Der Attendorner Einzelhandel ist in den letzten Jahren durch ein tiefes Tal gewandert. Für den einen oder die andere war es ein Tal der Tränen, nicht jeder hat es geschafft. Wenn das eigene Geschäft zwischen den Mühlsteinen von Amazon und Ebay bestehen muss, ist das schon schwierig genug, wenn dann auch noch gesperrte und aufgerissene Straßen den Kunden die Lust aufs Bummeln vermiesen, wird’s hart.

Drei Geschäfte, eine Antwort

Drei Attendorner Geschäfte, die eine Antwort gefunden haben, sind die Buchhandlung Frey, Wein- und Spirituosen Kost und Fisch Jakob. Dass sie in einer Serie auftauchen, die eigentlich an erfolgreichen Einzelbeispielen Wege zum Überleben beschreiben sollen, liegt an dem Umstand, dass sich die drei mittlerweile zu einer eigenen Marke entwickelt haben: Das Dom-Carré am Kirchplatz.

Das größte Kompliment erhielten sie von der Stadt, die im Zusammenhang mit dem Innenstadtentwicklungskonzept jetzt ebenfalls vom Dom-Carré spricht, obwohl es diese Bezeichnung offiziell gar nicht gibt. „Ja, ja“, sagt Nicole Kost und lacht, „Dom-Carré am Kirchplatz, dieses Ding sind wir.“

Geboren wurde „das Ding“ vor vielleicht zehn Jahren mit einer Vision, was ein Hinweis darauf ist, dass auch Buchhändler Michael Frey die Memoiren von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt nicht gelesen hat, denn der meinte, dass jemand, der Visionen hat, zum Arzt gehen sollte.

Die Vision im Schatten des Sauerländer Doms war aber frei von medizinisch Wunderlichem. „Die Idee war“, so Nicole Kost, „dass wir gemeinsam etwas machen, was der einzelne nicht stemmen kann.“ Nicht alles lief von Anfang an rund, was sich aus dem Umstand ablesen lässt, dass mit vielleicht zehn Geschäften begonnen worden ist und am Ende drei übrig geblieben sind. Aber die drei haben es heute geschafft und ernten als „Marke“ das, was über die Jahre gesät worden ist. ´

Wobei das Wort „Ernte“ schon etwas in die Irre führt: „Man darf bei einer solchen Sache nicht hoffen“, sagt Tina Jakob, „dass man am Freitag eine Idee hat und am Montag klingelt das Geld in der Kasse.“

Beispiel für das, was das Dom-Carré zu etwas Besonderem macht, ist der „Kulinarisch-literarische Abend“, der zweimal im Jahr stattfindet. Ein Abend mit Literatur, die Besucher zu gutem Essen und ausgesuchten Spirituosen vorgelesen bekommen. Die Bücher sucht Michael Frey aus, die Getränke Nicole Kost und fürs Essen sorgen die Jakobs.

Jede Menge Anmeldungen

Den Abend gibt’s nicht zum Schnäppchenpreis, das scheint aber niemanden zu stören: „Wir wissen noch gar nicht richtig, was wir im September machen wollen“, sagt Tina Jakob, „trotzdem haben wir schon wieder jede Menge Anmeldungen von Leuten, die blind buchen. Das sind die, die schon da waren und wieder kommen wollen.“

Noch einmal zur „Ernte“: Die Währung, mit der ein solcher Abend die Bemühungen zurückzahlt, ist nicht unbedingt der Euro, sondern das Bewusstsein der Leute, dass sie im Dom-Carré etwas erlebt haben, das ihnen gefallen und gut getan hat: „Man muss etwas machen“, sagt Michael Frey, „sonst vergessen einen die Leute.“ So entstehen Bindungen: „Das ist das Beste, was uns passieren kann: Wir binden den Kunden auf emotionaler Ebene“, ist Nicole Kost sicher.

Und von denen, die bereit sind, sich ein Erlebnis etwas kosten zu lassen, gibt es nach Einschätzung von Sven Jakob in Attendorn genug: „Es laufen viele durch die Stadt, die können sich etwas leisten. Die verdienen gutes Geld und wollen es sich gut gehen lassen.“ Die Vision ist gut, die Idee auch und trotzdem kann man scheitern: „Wir haben auch Dinge gemacht“, erinnert sich Tina Jakob, „damit sind wir auf die Nase gefallen. Dann haben wir Tage lang etwas vorbereitet und haben abends alleine im Lokal gestanden.“

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