Fiktion

Weihnachts-Interview mit dem Christkind im Kreis Olpe

Wir konnten das Christkind zu einem Interview überreden. Es beantwortet Fragen rund um den Kreis Olpe.

Wir konnten das Christkind zu einem Interview überreden. Es beantwortet Fragen rund um den Kreis Olpe.

Kreis Olpe.   „Mit Wundern hantieren wir äußerst selten“: Interview mit dem Christkind. Originelle Wünsche aus vielen Ecken des Kreises Olpe. Nicht alle sind erfüllbar.

Überraschender Besuch in der Olper WP-Redaktion zwei Tage vor Heiligabend: Das Christkind daselbst hatte soeben das Olper Rathaus verlassen und schwebte auf seiner Wolke an der St. Martinus-Kirche vorbei, als wir es zu einem Interview überreden konnten.

Guten Tag, liebes Christkind, was hat Sie, oder darf ich Du sagen, ausgerechnet ins Sauerland, ja sogar in unseren Kreis Olpe verschlagen?

Christkind: Also, wir können beim Du bleiben. Sie sagt auf der ganzen Welt keiner zu mir. Aber die Frage verstehe ich nicht so ganz. Was treibt mich schon auf die Erde, so kurz vor meinem Geburtstagsfest? Geschenke natürlich, was sonst. Naja, in früheren Jahrhunderten ging es auch schon mal ums Seelenheil, aber heutzutage fehlt mir nach dem Geschenke-Marathon die Muße für sowas.

Und aus dem Rathaus kamen konkrete Anfragen?

Allerdings. Die wollen ein Neues, also Rathaus, hat mir dieser nette große Herr Weller, äh, nein, Weber, aufgetischt.

Was hast Du geantwortet?

Naja, ein ziemlich großes Geschenk. Ist doch geräumig hier, hab’ ich gesagt, und warm auch. Dann hat er ‘was von Stadtentwicklung gesagt. Himmel aller Welt, dachte ich, was kommt denn jetzt noch. Aber er hat mich beruhigt. Das meiste Geld bekomme er selbst zusammen. Was ich mir auch gut vorstellen kann.

Wieso?

Als ich meine Wolke nur zehn Minuten hier in dieser schnuckeligen Stadt abgestellt hatte, klebte so’n weißes Zettelchen dran, ich solle zehn Euro berappen. Ich wusste gar nicht, wie ich das da oben verbuchen soll. Aber das hat dieser Weber dann glatt gebügelt.

Und klappt das mit dem Rathaus?

Also, untern Weihnachtsbaum passt es ja nicht, aber ist ja auch ein Langzeit-Wunsch. Ein ganzes Rathaus ist natürlich nicht drin, vielleicht können wir das Museum übernehmen, das da rein soll. Der nette Mann hat jedenfalls gelächelt, schien zufrieden zu sein.

Wie gefällt Dir eigentlich unsere Kirche?

Sehr schön, sehr schön, aber warum haben Sie den Turm da abmontiert?

Ist nicht abmontiert, der fehlt einfach. Ein Neuer ist zu teuer.

Für das Haus des Chefs zu teuer? Und sich dann ein neues Rathaus wünschen? Das geht ja mal gar nicht. Aber ich weiß, was ich denen vorschlage. Einfach das goldene Kreuz an der Stadtmauer einschmelzen, sieht eh ein bisschen nach Hollywood aus, und davon den Turm bezahlen.

Guter Vorschlag. Gab es noch andere Begegnungen im Rathaus?

Aus einer Nebentür kam noch so’n Großer raus. Stellte sich als Bär vor.

Ein Bär im Rathaus?

Ja. Also kein richtiger, der Mann heißt offenbar so.

Und was hatte der auf dem Herzen?

Hält mir ein blau-weißes Trikot unter die Nase und faselt was von Meisterschaft. Als ob ich aus ‘ner anderen Welt käme. Okay, ein bisschen stimmt das zwar, aber für Fußball interessiere ich mich auch.

Ist der Wunsch erfüllbar?

Auch für uns gibt es da Grenzen. Mit Wundern hantieren wir nur äußerst selten. Befehl vom Chef.

War Olpe Deine erste Station hier bei uns?

Eigentlich ja.

Was heißt eigentlich?

Als ich von der Autobahn runter bin, hab ich mich verflogen, bin in die verkehrte Richtung abgebogen. Plötzlich steh’ ich auf einem schönen Marktplatz mit einem Brunnen in der Mitte. War in Stolzhagen gelandet.

Du meinst Drolshagen.

Entschuldigung, natürlich. Drolshagen. Da ist mir auch gleich ‘was Ulkiges passiert. Hält mich eine Blondine an, auch wieder mit so ‘nem ausgefallenen Wunsch.

Eine Blondine?

Ja, eine Jutta. War auch eher weiß als blond, nicht mehr ganz taufrisch. Aber richtig aufgekratzt, gut beieinander.

Und was wollte sie?

Sagte, Sie hätte ihr Herz an den Karneval verloren und ob es nicht möglich wär’, die närrische Zeit um zwei, oder wenigstens einen Monat zu verlängern. Also statt dem 11. 11. den Start einfach auf den 9. 9. oder 10.10. zu legen.

Machbar?

Absolut nicht diskutierbar. Die Order von oben ist da ganz klar: Am 11. 11. geht’s los, und,am Aschermittwoch is’ alles vorbei, die Schwüre von Treue... und so weiter.“ Die Kölner versuchen das fast jedes Jahr, geben einfach nicht auf. Aber hier im Sauerland hätte ich nicht damit gerechnet.

Und das war’s dann in Drolshagen?

Nicht ganz. Steht plötzlich eine kleine Frau vor mir und sagt: ,Ich bin die Annette, und ich wünsche mir nichts sehnlicher als endlich einen neuen Rektor für meine Schule.

Für ihre Schule?

Die Schule gehört ihr natürlich nicht, sie hält derzeit nur die Zügel in der Hand. Aber genau die würde sie gern in andere Hände übergeben.

Also ein Direx als Weihnachtsgeschenk?

Genau. Das Eigenartige: Der Mann dürfte über lauter Frauen bestimmen. Kein anderer Mann im Lehrerzimmer. Hahn im Korb also. Und trotzdem will’s keiner machen. Kaum zu glauben. Naja, ich denke, das lässt sich machen.

Alles ziemlich originell, oder?

Ja, scheint irgendwie typisch für die Gegend zu sein. Mitten in Olpe hatte ich gerade einen großen Schinken und zwei Schachteln Pralinen für den Warenkorb hier in der Martinstraße ausgepackt, da tippt mich eine ältere Dame von hinten an, stellt sich als Lilo vor und fragt, ob ich nicht ein neues Zuhause für sie hätte.

Eine Obdachlose?

Nein nein, nicht für sich selbst, war die Leiterin des Warenkorb-Teams. Das Haus, in dem sie den Bedürftigen etwas zu essen gäben, würde bald abgerissen, und die Mieten für eine andere Bleibe seien quasi unbezahlbar. Ohne Spenden gehe gar nichts.

Und?

Habe versprochen, mich in die Träume einiger Wohlhabender einzuklinken, um deren Herz zu erweichen. Also zuerst einmal bei denen, die die hohen Mieten kassieren. Sowas gefällt unserem Chef immer besonders gut. Manchmal klappts sogar.

Hast Du das ganze Sauerland abgegrast?

Nein, nur, was auf’m Zettel steht.

Wo geht’s noch hin? Nach Attendorn?

Na ja, vorbeischauen tu ich da mal, aber eher aus Neugierde.

Kriegen die nix?

Nicht viel. Sind ziemlich reich alle. Sie kennen das ja, mit dem Kamel und dem Nadelöhr. Da stellt sich unser Alter da oben ziemlich stur.

Warst Du denn beim Landrat?

Nur kurz. Echt krass, der Typ. Ich frag’, ob er ‘was braucht, da sagt er: ,Nichts. Bin wunschlos glücklich. Wenn mir ‘was fehlt, hole ich es mir einfach von meinen Bürgermeistern. Nennt sich Kreisumlage. So einfach ist das.’

Aber aus unserem Kreis muss es doch noch andere Wünsche gegeben haben?

Ach ja, hatte ich fast vergessen. Hatte kurz angehalten, wo stand: „Wo die Wälder Wache halten.“ Meine Wolke knatterte ein wenig, und ein Fußgänger zeigt mit dem Finger auf eine Werkstatt. Ich solle nach einem ,Bim’ fragen. Und tatsächlich: Der schlägt mit ‘nem dicken Hammer aufs Wolken-Heck, und das Knattern ist tatsächlich weg.

Hast Du ihn bezahlt?

Nein, nicht nötig. Er hatte allerdings auch so’n abgedrehten Wunsch.

Was wünschte er sich?

Einen neuen Bürgermeister. Hab’ ihm aber klar gemacht, dass ich von der Politik die Finger lasse.

Dann vielleicht bis nächstes Jahr?

Um Gottes Willen...

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